Supermoto-WM in Latina/I Noch ein deutscher Champion

Foto: Agrati/KTM
Deutsche Drifter sind Weltspitze: Nach Langbahn-Spezialist Robert Barth holte sich am Wochenende im italienischen Latina Asphalt-Quertreiber Bernd Hiemer den Weltmeistertitel in der Supermoto-S1-Kategorie. Der 23-jährige Allgäuer sicherte sich beim vorletzten Saisonrennen den Titel. Im ersten Lauf legte der KTM-Pilot dabei einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg hin, im zweiten Rennen stieg die Spannung: In Führung liegend, wurde Hiemer in der zehnten Runde am Eingang zum Gelände-Part der Strecke von seinem schärfsten Rivalen Ivan Lazzarini (Husqvarna) touchiert und fiel auf Rang vier zurück. Doch der Fahrer aus Leutkirch behielt die Nerven und ging drei Runden vor Schluss, wiederum im Offroad-Teil, zum Gegenangriff über. Im allgemeinen Tumult im Führungspulk konnte sich zwar Lokalmatador Simone Girolami auf TM an die Spitze setzen, doch Hiemer ging als Zweiter durchs Ziel und liegt nun uneinholbar vor Lazzarini und dem letztjährigen Weltmeister Gerald Delepine.
Während der Siegerehrung fiel die aufgestaute Spannung von dem jungen deutschen Piloten ab, mit lauten Jubelrufen machte er auf dem Treppchen seiner Freude Luft. Völlig unerwartet kam der Titelgewinn natürlich nicht, aber nach insgesamt vier Stürzen am vorhergehenden Rennwochenende im Piemont litt Hiemer unter ungewohnt großer Nervosität. „Die Saison hatte für mich gut angefangen, dann kam der Kreuzbandriss in Sardinien im Juli, das war ein übler Rückschlag.“ Trotzdem glaubte er weiter an seine Chance, rappelte sich wieder auf und führte die WM an. „Doch am letzten Wochenende bin ich es offenbar zu lässig angegangen und habe als Quittung einen dritten und einen vierten Platz kassiert.“
Daher dominierte für ihn in Latina nur ein Gedanke: Bloß nicht wieder patzen. Voll konzentriert und höchst motiviert ging er in beiden Rennen an den Start und schlug die Konkurrenz aus dem Feld. „Ich kann’s fast selbst noch nicht glauben – ich bin tatsächlich Weltmeister.“ Einziger Wermutstropfen: Weil am gleichen Wochenende in Köln das Rennen zur deutschen Supermoto-Meisterschaft stattfand, konnte er seinen nationalen Titel nicht verteidigen. „Das tut mit wirklich sehr Leid, besonders für meine deutschen Fans. Aber alles gleichzeitig geht eben nicht.“ Die Saison ist für den sympathischen Allgäuer jedoch noch nicht zu Ende: Beim letzten Rennen zur Supermoto-WM in Athen am 5. November will er noch einmal alles geben – da soll der Konstrukteurs-Titel für KTM her.
Genau den holte sich in der hart umkämpften 450er-Klasse (S2) in Latina der italienische Hersteller Aprilia: Werksfahrer Thierry van den Bosch siegte in beiden Läufen, sein Teamkollege Jerome Giraudo holte einen dritten und einen zweiten Platz. Zwischen den beiden Franzosen in Diensten von Aprilia entscheidet sich nun in Athen die Fahrer-Weltmeisterschaft.
Mit von der Partie war beim vorletzten WM-Lauf zudem der viermalige Straßen-Weltmeister Max Biaggi: Der Römer hat in Latina, 50 Kilometer südlich der italienischen Hauptstadt, eine große Fangemeinde und wollte eigentlich in der S2-Klasse antreten. Allerdings auf einer Honda, was offensichtlich seinem neuem Arbeitgeber nicht recht schmeckte: Schließlich geht der Italiener im nächsten Jahr in der Superbike-WM auf einer Suzuki an den Start. So beschränkte sich Biaggi in Latina aufs Zuschauen und ein gelegentliches Bad in der Menge.

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