Technik (Archivversion)

Seriennahe Technik oder Prototypen – das ist die Grundsatzfrage, auf die Superbike- und MotoGP-Weltmeisterschaft verschiedene Antworten geben. Dem Publikum zu zeigen, was die für jedermann käuflichen Motorräder aus dem Schaufenster beim Händler um die Ecke in einer optimalen Ausbaustufe leisten können, so lautet die Aufgabe in der Superbike-WM. Die Fans damit zu überzeugen, was die besten Ingenieure eines Herstellers fast ohne Rücksicht auf Budgets oder Großserientauglichkeit in Einzelarbeit auf zwei Räder stellen können, technische Visionen zu entwickeln, die – vielleicht – Jahre später einem Kunden mit seiner vom Band gelaufenen Ducati, Honda Fireblade, Kawasaki ZX-R, Suzuki GSX-R oder Yamaha YZF-R1 das Leben versüßen, steht im Lastenheft der MotoGP-WM an oberster Stelle.

Um diese Abgrenzung gegeneinander zu erreichen, schreiben die Veranstalter der beiden Rennserien ihren Teilnehmern unterschiedliche technische Regeln vor. Motor und Fahrwerk eines Superbikes müssen auf Bauteilen eines Motorrads basieren, das mindestens 1000-mal gebaut wird und in den freien Handel gelangt. Äußerlich müssen die Maschinen aussehen wie ihr Großserien-Pendant, von rennuntauglichen Zutaten wie Lampen und Blinkern einmal abgesehen. Trotzdem bleibt den Herstellern relativ viel Spielraum für Verbesserungen.

MotoGP-Motorräder dagegen müssen Prototypen sein, Komponenten aus dem Regal der Serienfertigung sind verboten. Das führt zu folgendem Ergebnis: Superbikes dürfen Vierzylindermotoren mit 1000 cm³ oder Zweizylinder mit 1200 cm³ Hubraum besitzen, wobei die Zweizylinder mit 167 Kilogramm Mindestgewicht drei Klio mehr zu schleppen haben als die Vierzylinder. Für ein Rennen müssen 24 Liter Sprit reichen. Etwa 210 PS bei 15000/min werden 2008 wohl erreicht.

MotoGP-Konstrukteure dürfen ihre Maschinen mit bis zu sechs Zylindern ausstatten, auf die aber maximal 800 cm³ Hubraum zu verteilen sind. Auch hier gibt es abhängig von der Zylinderzahl eine Gewichtsregel, die allerdings nicht greift, weil alle Welt mit vier Töpfen fährt – dafür gelten 145 Kilo als Untergrenze, die von bis zu 220 PS bei 19000/min beschleunigt werden – bei einem Maximalverbrauch von 21 Litern pro Rennen, was den Ingenieuren durchaus Kopfzerbrechen bereitet (siehe Seite 132 ff.).

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