Ventiltrieb (Archivversion) Schraubenfedern oder Pneumatik?

Im MotoGP-Sport gibt es 2007 drei Technik-Varianten, mit denen die
Ein- und Auslassventile im Zylinderkopf wieder geschlossen werden: die herkömmliche, bei der Schraubenfedern die Ventile zurück in ihren Sitz drücken, die aus der Formel 1 bekannte Pneumatik, bei der ein Luftpolster diese Aufgabe übernimmt, und die Ducati-Desmodromik, bei der es sowohl zum Öffnen wie zum Schließen der Ventile eigene Hebel gibt. Auch diese Systeme haben unterschiedliche Vor- und Nachteile.
Die Desmodromik ist komplex, scheint aber zuverlässig und effizient zu sein. Dazu verfügt Ducati über einen enormen Erfahrungsschatz. Andere Hersteller haben sich bereits vor Jahren von Ventil-Zwangssteuerungen abgewandt – wenn sie es überhaupt je versucht haben. Den Ducati-Vorsprung bei
dieser Technologie aufzuholen dürfte für die Konkurrenz unmöglich sein.
Pneumatische Ventile haben einige technische Vorteile, auch wenn der Aufwand zum Beispiel in Sachen Wartung, Dichtungen und Bereitstellung des nötigen Betriebsdrucks beträchtlich ist. So erlaubt dieses System bei den Ventilöffnungszeiten Verschiedenes, was anders nicht realisiert werden könnte – extrem hohe Drehzahlen beispielsweise.
Während Ilmor, Kawasaki und Suzuki auf Pneumatik setzen, bleiben Yamaha und Honda bei konventionellen Schraubenfedern zur Ventilsteuerung. Auch diese vertragen sicher höhere Drehzahlen als die 18000 bis 18500/
min, die derzeit üblich sind. Honda würde bestimmt mit einer Pneumatik antreten, wenn es um noch höhere Drehzahlen ginge. Sie haben mit dieser Technik so viel Erfahrung wie jeder andere. Doch Motorräder arbeiten pro Runde nur wenige Sekunden mit Top-Drehzahlen und Top-Leistung, anders als etwa Formel-1-Autos. Diese erzeugen über dauernde Höchstdrehzahlen die Leistung, die im Zusammenspiel mit ihrer Aerodynamik die Kraft
produziert, welche das Fahrzeug auf
den Boden drückt und so schnelle Rundenzeiten und exorbitante Kurvengeschwindigkeiten ermöglicht.
Ein Motorrad ist dagegen ein sogenanntes »1 g«-Fahrzeug. Man kann keine Flügel dran schrauben, denn alles, was die Maschine auf der Geraden nach unten drückt, würde sie in der Kurve, in Schräglage, zur Seite schieben. Schon deshalb kann ein Motorrad nicht ständig mit Höchstleistung fahren und braucht folglich nicht permanent höchste Drehzahlen. Schließlich spielt noch der Benzinverbrauch eine Rolle, der mit der Drehzahl ansteigt. Ein Reglement, bei dem Mindestgewicht, Hubraum und maximaler Tankinhalt vorgeschrieben sind, zwingt die Konstrukteure natürlich, den besten Kompromiss innerhalb der Vorgaben zu suchen.

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