Vorschau: Rallye Dakar 2006 (Archivversion) Um die Wette

Weil der staatliche portugiesische Wettanbieter Euromilhões Hauptsponsor der Dakar-Rallye 2006 ist, wird die 28. Ausgabe des Wüstenspektakels an Silvester in Portugals Hauptstadt Lissabon gestartet. Auch zwei deutsche Motorradfahrer wollen dort über die Rampe fahren.

Fabrizio Meoni und José Manuel Perez – das sind die letzten beiden Namen, die im vergangenen Januar der Liste hinzugefügt wurden. Die Namen zweier Motorradfahrer, die ihren Start bei der Dakar-Rallye nicht überlebt haben. Einmal mehr hatte der als härteste Rallye der Welt apostrophierte Offroad-Wettbewerb grausam bewiesen, dass er nichts mit einem Sonntagsausflug zu tun hat und dass
auch jahrelange Erfahrung keine Lebensversicherung ist – mit Meoni hatte es einen der versiertesten Wüstenfahrer getroffen.
Und dennoch – oder gerade des-
halb? – erlebte Rallye-Organisator Amery Sport Organisation (ASO) im Sommer einen
beispiellosen Ansturm auf die Startplätze.
Am 1. Juni öffnete das Meldebüro, bereits Ende Juni meldete ASO: »Wir haben mehr als 350 Anfragen von Motorradfahrern
erhalten, aber nur etwa 230 können wir
mitnehmen.« Am 12. Juli wurden sämtliche Einschreibelisten geschlossen, auch die Vierradkategorien waren ausgebucht.
Zwei deutsche Biker werden mit von der Partie sein. Norman Kronseder aus
Regensburg, für den es bereits die dritte Dakar ist, darf durchaus dem Semiprofi-Bereich zugerechnet werden. »Ich fahre dieses Mal eine Werks-KTM, habe mit Andreas Renner meinen eigenen Mechaniker dabei, der die Maschine auch vorbereitet hat, und mit Loctite sogar einen Hauptsponsor«, freut sich Kronseder. Bereits 2005 hatte sich der Henkel-Konzern mit Notreparatur-Produkten seiner Marken Loctite und Teroson als offizieller Partner an der Dakar-Rallye beteiligt und hauseigene Spezialisten zur Unterstützung havarierter Piloten in die Wüste geschickt.
Guido Faber aus Wiesbaden zählt dagegen zu den waschechten Amateuren, einer von der Sorte, die sich mit dem Dakar-Start einen lang gehegten Lebenswunsch erfüllen. In der Meisterschaft der Interessengemeinschaft Endurosport mischt er auf einer KTM LC8 bei den Zweizylindern recht erfolgreich mit, nach Dakar soll ihn, wie es das Reglement verlangt, eine
Einzylindermaschine aus dem Programm des österreichischen Herstellers bringen. Der 40-jährige Vater von drei Kindern wird
während der Rallye weitgehend auf sich
allein gestellt sein. »Fahren, schrauben,
duschen und ab ins Zelt – so werden die Tage wohl ablaufen«, stellt er sich vor.
Dass dieser Tagesablauf nicht durch unliebsame Zwischenfälle gestört wird,
soll eine ganze Reihe von Sicherheitsvorkehrungen garantieren, die speziell für die
Motorradfahrer neu eingeführt wurden. Für sie gilt ein Geschwindigkeitslimit von 150 km/h, dessen Einhaltung von der Organisation mit großem Aufwand überprüft wird. Alle 250 Kilometer wird es einen Tank-
stopp geben, die Motorräder müssen folglich weniger Sprit transportieren, sollen deshalb leichter und besser beherrschbar sein. Über das vorgeschriebene Iritrack-System kann jederzeit die exakte Position der Teilnehmer festgestellt werden, ungewöhnlich lange Stopps lösen automatisch eine Warnmeldung aus. Wer sich hoffnungslos verfahren hat, kann ins GPS-System einen Code eingeben, der verborgene Wegpunkte und zusätzliche Navigationshilfen sichtbar macht – auf Kosten einer Zeitstrafe, versteht sich.
Um das Verletzungsrisiko bei einem Sturz zu minimieren, empfiehlt die ASO zusätzlich zur ohnehin geforderten Sicherheitsausrüstung dringend, einen Nackenprotektor zu tragen – nachdem Fabrizio Meoni durch Genickbruch ums Leben kam, wurde 2005 unter anderem beim Markgröninger Hersteller Ortema derartiges Schutzequipment entwickelt.
Wer die Ereignisse zwischen Lissabon und Dakar am TV-Schirm verfolgen will, wird bei Eurosport bedient: Vom 31. Dezember an steht jeden Abend um 22.30 Uhr eine halbstündige Zusammenfassung der Tagesetappe auf dem Programm, die nach Mitternacht zu unterschiedlichen Zeiten sowie am darauf folgenden Morgen, meist um 8.30 Uhr, wiederholt wird. Eine Übersicht der Eurosport-Sendetermine gibt’s unter www.motorradonline.de. Darüber hinaus ist natürlich das Internet erste Wahl für alle, die ganz nah am Geschehen dranbleiben wollen. Über die Dakar-Homepage (www.
dakar.com) ist sozusagen Echtzeit-Zugriff auf das Zeitnahmesystem möglich. Bereits im Lauf des Vormittags kann dort überprüft werden, zu welcher Zeit ein Fahrer die Kontrollpunkte passiert hat.

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