Vorschau Rallye Dakar 2007 (Archivversion) Viererbande

Vier Motorradfahrer mit deutschem Pass machen sich am Dreikönigstag 2007 auf den Weg von Lissabon nach Dakar – für Norman Kronseder soll der vierte Versuch endlich bis ins Ziel führen.

Die Sache ist umstritten. Warum haben seit 28 Jahren im Januar Hunderte von Menschen nichts Besseres vor, als sich mit dem Motorrad auf eine riskante Tour von Europa nach Westafrika zu machen, in den Senegal? Auf eine Reise über fast 10000 Kilometer, auf Wegen, die streckenweise nicht einmal den Einheimischen bekannt sind, nur zu finden durch die
korrekte Interpretation eines oft rätselhaften Roadbooks. Auf den Pilgerpfad nach Dakar, der auch 2006 Todesopfer gefordert hat, unter den Reisenden wie unter der Bevölkerung der durchquerten Gebiete.
Die Frage ist berechtigt. So wie diese: Warum rauchen Menschen, obwohl sie wissen, dass ihnen gesundheitliche Konsequenzen bis hin zum vorzeitigen Ableben drohen? Warum versuchen sie, mit Gleitschirmen Vögeln nachzueifern, obwohl die menschliche Natur dafür nicht ausgelegt ist? Warum, auf Berggipfel zu klettern, die selbst Gemsen nicht geheuer sind? Warum fahren Menschen Motorrad, obwohl es
viel sicherere Verkehrsmittel gibt – Autos, Omnibusse, Straßenbahnen?
Es dürfte klar sein: Die Diskussion führt zu nichts. Die drei deutschen Dakar-Motorradfahrer, die neben dem in Belgien geborenen, aber die deutsche Staatsbürgerschaft besitzenden Ragnar Katerbrau unter schwarz-rot-goldener Flagge am
6. Januar 2007 in Lissabon an den Start gehen, blenden die Gefahren des Wüstenspektakels geflissentlich aus. Der engagierte Enduro-Sportler Werner Pfeuffer aus Hohenthann ist 2007 mit 47 Jahren gleichzeitig der älteste und unerfahrenste deutsche Dakar-Teilnehmer – er versucht sich erstmals am großen Wüstenabenteuer. Dafür hat er sich beim britischen Team »Rally Raid Uk« eingekauft, eine Truppe, die ihren Kunden mit einem Service-Lkw Material und Mechaniker hinterhertransportiert. Den Mechaniker teilt er sich mit Patricia Watson-Miller, der Tochter des deutschen Dakar-Veteranen Herbert Schek, die inzwischen in England lebt, dort erfolgreich Enduro-Sport betreibt und im vergangenen Jahr die Dakar-Damen-Wertung
gegen acht Konkurrentinnen gewann – obwohl sie eigentlich »nur ankommen« wollte.
Genau darum geht es auch Norman Kronseder, der nach drei vergeblichen Anläufen am 21. Januar 2007 endlich den offiziellen Zieleinlauf der Dakar-Rallye im Sattel seines eigenen Motorrads erleben will. Dafür steigt er dick ein, hat zum ersten Mal einen eigenen Service-Lkw mit den zwei Mechanikern Andreas Renner und Gerd Petzold (Foto rechts) dabei. »Im Vergleich mit den früheren Dakar-Starts wird mein größter Vorteil sein, dass ich ein eigenes Team nur für mich habe«, glaubt Kronseder. Ermöglicht wird ihm das durch die Unterstützung des in Düsseldorf behei-
mateten Henkel-Konzerns, der die Dakar-
Rallye mit seinen Spontan-Reparatur-Produkten der Marke »Loctite« begleitet.
»Abwechslung für jeden Tag« hatten sich die Organisatoren der Rallye Dakar 2007 im Pflichtenheft für die Routenplanung notiert – das führte schlussendlich zu einem Parcours, der sehr viel sandiger sein wird als der des vergangenen Jahres.
»Ich liebe den Sand«, sagt Norman Kronseder und ist so einer Meinung mit Werner Pfeuffer, der schon bei kleineren Rallyes in Afrika Wüstenerfahrung sammeln konnte. Patricia Watson-Miller hat dagegen Bedenken: »Um im Sand bestehen zu können, braucht es eine ganz spezielle Begabung – man kann sich sehr schnell tief eingraben.«
Während die deutschen Dakar-Piloten hauptsächlich auf individuell präparierten KTM EXC 525 starten, gehen die Werksfahrer wie Vorjahressieger Marc Coma aus Spanien oder sein französischer Vorgänger Cyril Despres auf der brandneuen KTM 690 Rally ins Rennen. Die Österreicher haben ihre Maschine technisch ganz besonders dem Dakar-Reglement angepasst, das nach den fatalen Unfällen der letzten Jahre nochmals in Richtung Sicherheit getrimmt wurde. Alle sieben KTM-Werksfahrer werden außerdem einen von Dr. Chris Leatt entwickelten, aufwendigen Nackenschutz tragen. Wie auch KTM-Privatier Pfeuffer. Der bekam ihn nebst Fahrerausstattung geschenkt – von BMW.

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