Vorstellung Ducati-GP-Team Capirossi: „Wir sind heiß“

Foto: Gori
Jedes Jahr im Januar steht Madonna di Campiglio für zwei Wochen nicht der Ski-, sondern der Motorsport im Mittelpunkt: Mit schöner Regelmäßigkeit präsentiert zunächst Ferrari sein Formel-1-Team in den italienischen Dolomiten der Presse aus aller Welt, danach folgen die Moto-GP-Cousins aus Bologna. Auf 2300 Metern Höhe enthüllten die Ducati-Piloten Loris Capirossi und Neuling Casey Stoner in dieser Woche den ersten 800er-Vierzylinder des Herstellers. Der Vau-Vier bekam eine Lackierung in Chrom-Rot und wirkt optisch im Vergleich zur 1000er kaum verändert, doch unter der Verkleidung hat sich einiges getan. Wegen der Hubraumreduzierung von 990 auf 800 Kubik fällt der Motor kleiner und leichter aus und wird anders verbaut. „Wir haben etwa 25 PS weniger als mit der bisherigen Maschine und liegen jetzt bei rund 220 PS“, erklärt Rennsport-Chef Claudio Domenicali. Die Schwinge wurde deutlich verlängert, das Konzept des Motors als tragendes Element noch verstärkt: Rahmen und Heck haben nun keinerlei Berührungspunkte mehr, sondern sind jeweils direkt mit dem Motor verschraubt. Weitere Änderung: Der neue 90-Grad-V-Antrieb hat eine regelmäßige Zündfolge statt des bisherigen Big-Bang-Konzepts, was die Leistung verbessern soll.
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Werkspilot Loris Capirossi, 33, der seine fünfte Saison für Ducati und seine 18. (!) im Grand Prix überhaupt bestreitet, zeigte sich zuversichtlich: „Das Konzept stimmt, unser Testfahrer Vittoriano Guareschi hat Spitzenarbeit geleistet. Schon bei der ersten Testfahrt funktionierte das Motorrad gut. Darauf kann man aufbauen.“ Ziel des Italieners ist selbstredend der Titelgewinn. Im letzten Jahr hatten sich die Weltmeisterschaftsträume des Italieners nach einem unverschuldeten schweren Sturz in Barcelona Mitte der Saison in Rauch aufgelöst, am Ende wurde er Dritter hinter Nicky Hayden (Honda) und Valentino Rossi (Yamaha). „Ein leicht bitterer Nachgeschmack ist da geblieben – was mich für 2007 aber so motiviert wie nie zuvor.“ Neuer Teamkollege von Capirossi ist der erst 21-jährige Australier Casey Stoner. Sein Vorgänger, der Spanier Sete Gibernau, war von Ducati nach nur einer Saison abserviert worden. „In unserer Welt zählen nun mal die Resultate, und Sete hat die Erwartungen – unsere und seine eigenen – nicht erfüllt,“ so Rennchef Domenicali. Ebenso wenig wie der Deutsche Alex Hofmann, der den verletzten Gibernau in mehreren Rennen vertreten hatte, aber nicht nach vorn fahren konnte. Hofmann bleibt daher im Satellitenteam D’Antin, ins Werksteam rückt Stoner nach – „ ein höchst talentierter, wenn auch etwas ungestümer Fahrer“, wie Ducati-Boss Federico Minoli meint.

Stoner-Politik bei Ducati: Weniger Gage, dafür mehr Geld für Ersatzteile

Stoner stürzte im letzten Jahr insgesamt 23 Mal, was ihm den Beinamen „Rolling“ einbrachte – ein Spitzname, den der Australier zutiefst hasst. Doch damit muss der Jungstar, der sich in Madonna di Campiglio mit seiner frisch angetrauten Frau Adriana präsentierte, zumindest vorerst leben, denn auch Ducati macht die Rechnung mit seinem Materialverschleiß: „Das Budget für das Rennteam ist bei 30 Millionen Euro geblieben, wovon zwei Drittel die Sponsoren übernehmen“, sagt Minoli. „Im Fall von Stoner haben wir Vorsorge getroffen: Er kriegt weniger Gage als Gibernau, dafür haben wir mehr Geld für Ersatzteile vorgesehen.“
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Theoretisch steht bei Ducati also alles, fehlt nur noch der praktische Erfolg. Bei den ersten beiden Testfahrten in Montegi und Brünn hatte die 800er der Italiener eine glanzvolle Vorstellung hingelegt, danach in Jerez aber im Vergleich zur Konkurrenz deutlich abgebaut. „Wir haben in Jerez ein paar neue Sachen ausprobiert und lagen damit ganz offensichtlich falsch,“ räumt Sportchef Domenicali ein. „Aber immer noch besser, wir machen die Fehler bei Testfahrten als im Rennen.“ Inzwischen hat Ducati schon wieder neue Ideen. „Deswegen sind wir auch ganz heiß auf die offiziellen IRTA-Tests.“ Die beginnen am kommenden Montag in Malaysia.

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