WM-Läufe 125 cm³ und 250 cm³ (Archivversion) Nervenstärke war gefragt

Stefan Bradl startete als Trainingsschnellster in seinen ersten Regen-Grand-Prix, machte alles richtig und wurde Fünfter. KTM feierte bei den 250ern den zweiten Doppelsieg.

Stefan Bradl setzt weiter Meilensteine. Bei strahlendem Sonnenschein am Freitag holte der 18-Jährige die vorläufige Pole Position und feierte die erste Trainingsbestzeit seiner Grand-Prix-Karriere. Eine Premiere der ganz anderen Art brachte er am Sonntag hinter sich: Bradl trat zu seinem ersten WM-Regenrennen auf Aprilia an und zeigte sich bei dem widerlichen Nieselwetter nervenstark und sattelfest. „Andere schalten den Kopf aus, halten rein – und dann liegen sie da“, stellte er fest. „Ich hatte auch Rutscher, habe aber die Ruhe bewahrt und meinen Rhythmus beibehalten. Vor dem Start haben wir uns für einen neuen Hinterreifen, jedoch einen bereits angefahrenen Vorderreifen entschieden, der mir schon ab der ersten Kurve das nötige Gefühl fürs Limit vermitteln sollte – das war genau die richtige Wahl“, meinte er begeistert. Platz fünf war der Lohn, und Papa Helmut war so gerührt, dass er sich verzog. „Sonst kommen mir die Tränen – ich bin für solche Nervenbelastungen zu sensibel“, brummte er.

Nerven wie Drahtseile brauchte das Umfeld von Sandro Cortese: Der Schwabe zeigte eines seiner bislang besten Rennen und fuhr in klar schnellerem Rhythmus als Bradl. Nach einem ersten Ausrutscher nach zwei Dritteln der Renndistanz sprang er so schnell wieder auf, dass er am Ende immer noch hätte Sechster werden können. In der letzten Runde stürzte Cortese dann ein zweites Mal, gab freilich immer noch nicht auf und wurde 16.

Jugendliches Ungestüm kennzeichnet auch Alvaro Bautista. Der 125er-Weltmeister von 2006, den seine Fans bereits als neuen Jorge Lorenzo sehen und zum nächsten spanischen MotoGP-Star hochjubeln, war im trockenen 250er-Training unantastbar. Im nassen Rennen baute der Aprilia-Star nach früher Führung allerdings einen Sturz und spielte WM-Leader Mika Kallio sämtliche Karten in die Hand. Weil der schiere Speed der Aprilia auf der feuchten und später abtrocknenden Strecke nicht entscheidend war, konnte auch Kallios KTM-Teamkollege Hiroshi Aoyama aufrücken und den zweiten Doppelsieg für das österreichische Werk nach dem Doppelerfolg auf dem Sachsenring im letzten Jahr sichern. „Besser als perfekt“, erfand Kallio einen neuen Superlativ. „Jeder Sieg ist ein Schritt in Richtung WM-Titel – vor allem, wenn sich der Hauptgegner selbst ausradiert“, drückte es Konstrukteur Harald Bartol aus. fk

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