Yamaha-Tech-3-Team in der Krise (Archivversion) Vom Himmel in die Hölle

Nicht nur die Hinterbänkler der MotoGP-Szene, auch anerkannte Top-Teams können finanziell in Gefahr geraten. Der französische Tech-3-Rennstall, der mit Marco Melandri einen Weltmeister unter Vertrag hat und von Yamaha mit erstklassigen Werksmaschinen ausgerüstet wird, zittert derzeit. »Noch vor zwei Monaten hatte ich nicht die geringsten Sorgen«, erklärt Teammanager Hervé Poncharal. »Yamaha bot an, die nächsten zwei Jahre mit uns weiterzumachen, und auch Gauloises war ganz gierig auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Denn eine solche Publicity wie mit dem Yamaha-Werksteam und Superstar Valentino Rossi hatten sie noch nie – nicht einmal in der Formel 1. Seit Yamaha aber auf die Idee verfiel, Rossi zum 50-jährigen Firmenjubiläum 2005 ohne Sponsorlackierung fahren zu lassen, hat sich das Bild schlagartig geändert. Denn die zwölf Millionen Euro, die wir für das Werksmaschinen-Leasing, die Fahrergagen und unseren Teambetrieb brauchen, finden wir ohne Gauloises nie und nimmer.«
Seit über zwei Monaten sind die Fronten verhärtet. Die spanische Altadis-Gruppe, Besitzerin der Zigarettenmarken Gauloises und Fortuna, hat an einem Engagement mit nur drei statt vier Yamaha-Maschinen ohne die Speerspitze Rossi kein Interesse. Noch stellen sich die Yamaha-Manager stur und scheinen bereit, die gebotene Rekordsumme in Höhe von 45 Millionen Euro auszuschlagen, um Rossi im klassischen Yamaha-Rotweiß, geschmückt mit den berühmten drei gekreuzten Stimmgabeln, an den Start schicken zu können. Poncharal: »Die Situation ist verrückt. Seit ich im Motorradsport bin, haben wir immer um Sponsorgelder gebettelt. Erstmals ist es umgekehrt, trägt ein Sponsor
einem Team eine riesige Summe hinterher – und dieses Team will das Geld nicht haben.«
Derzeit kann er nur abwarten, alle Zukunftsplanungen liegen auf Eis, an Fahrerverhandlungen für 2005 ist nicht zu denken. »Falls sich Yamaha und Altadis nicht einig werden, habe ich drei Möglichkeiten. Erstens, bei Yamaha um Finanzhilfe zu betteln, die sie mir kaum gewähren werden. Zweitens: mit wenig Geld und schlechtem Material weiterzuwursteln und unser Image zu
ruinieren. Oder unser Team zuzusperren«, meint Poncharal düster. »Falls die Einigung ausbleibt, wird das für uns zum Absturz vom Himmel in die Hölle.“

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