Grundlagen Lenkerformen Welcher Lenker für welches Bike?
Eine wesentliche Verbindung zwischen Motorrad und Fahrer stellt der Lenker dar. Höchste Zeit, sich ein paar Gedanken über ihn zu machen.
Drei wesentliche Faktoren sind dafür verantwortlich, wie sich ein Motorrad beim Lenken anfühlt. Erstens die Lenkerbreite: Je weiter die Hände des Fahrers auseinander sind, desto länger ist der Hebel, mit dem er die Lenkbefehle ins Motorrad einleitet. Ein langer Hebel bedeutet, dass zwar relativ geringe Kräfte nötig sind, aber die Hand einen weiten Weg zurücklegen muss.
Beim kurzen Hebel, also bei schmalen Rohrlenkern und Stummeln, ist es umgekehrt: kurzer Weg, große Kraft. Zweitens spielt die dreidimensionale Biegung des Lenkers, die sogenannte Kröpfung eine Rolle: Dezent nach hinten gebogene und nach unten geneigte Lenkerenden empfinden die meisten Fahrer als komfortabel. Hier lohnen sich Experimente: Die Schrauben der Lenkerklemmung lösen, den Lenker leicht (!) verdrehen, dabei keine Kabel und Schläuche knicken oder klemmen, die Schrauben festziehen und das Ergebnis ausprobieren. Drittens fühlt sich das Lenken umso präziser an, je näher die gedachte Linie zwischen den Händen am Lenkkopflager liegt.
Im einen Extremfall, bei Stummellenkern, glaubt man, die Achse des Vorderrads selbst in den Händen zu halten. Das andere Extrem stellen breite und weit nach hinten gekröpfte Cruiser-Lenker dar; sie steuern das Motorrad indirekter, eher wie einen Schubkarren. Noch etwas: Ein Fahrer, der breit und aufrecht, womöglich mit einer flatternden Kombi im Fahrtwind sitzt, leitet bei hohem Tempo unbewusst Lenkimpulse ins Fahrzeug ein, das dann unruhig wird. Ein sehr schmaler, tiefer Lenker mindert diesen Effekt, doch zwingt er den Fahrer in eine Haltung, aus der er wenig vom Verkehr sieht. Der beste Kompromiss ist - wie so oft - eine Frage der persönlichen Vorlieben.