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Keine Angst, die wollen nur spielen: BMW-Gespanntreiber beim Zeit gut­machen.

Reportage zur Baiersbronn Classic Mit zehn Zylindern beim Ruhestein-Bergrennen

Das Ruhestein-Bergrennen war 1946 das erste Motorsportereignis nach dem Krieg. Nach 67 Jahren ließen rührige Enthusiasten diese damals tragisch endende Veranstaltung wieder aufleben. MOTORRAD Classic fuhr mit.

Deutschland, 15 Monate nach Kriegsende: Ein paar begeisterte Motorsportler organisieren das erste Rennen der Nachkriegsgeschichte. Ein Bergrennen von Obertal hinauf auf die Schwarzwaldhochstraße, zum Ruhestein. Mehr als 30.000 Zuschauer sind fasziniert. Endlich gibt‘s einmal wieder etwas anderes als die vielen Sorgen des Alltags: Motorengebrüll, Rennfahrer – heute ­würde man sagen, endlich Action.

Doch die technisch anspruchsvolle Bergstrecke fordert Opfer. Mehrere tragische Unfälle werfen einen Schatten auf die Veranstaltung, es bleibt bei diesem ­einen Rennen im Juli 1946.

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Keine Unfälle, trotz strömenden Regens

Nun, 67 Jahre später lassen ein paar rührige Motorsport-Enthusiasten das Ruhe­stein-Rennen wieder aufleben. Und diesmal steht die Veranstaltung unter einem besseren Stern. Keine Unfälle, dafür regnet es in Strömen. Nicht ungewöhnlich für den Schwarzwald im September, aber unerquicklich für die 37 Starter, die sich auf zwei oder drei Rädern ­anschicken, mit der richtigen Durchschnittsgeschwindigkeit die Strecke zu durchfahren.

Motorräder bis 1975 sind zugelassen, eine tolle Gelegenheit für die beiden MOTORRAD Classic-Leute Peter-Paul Pietsch und Michael Pfeiffer, mit insgesamt zehn Zylindern anzutreten. Four und Sei ergeben eben zehn, verteilt auf eine schöne Honda CB 750 und eine Benelli 750. Fast alle anderen Motorräder sind älter, bis  zum handgeschalteten NSU-Gespann von 1923. Simpel das Reglement: Im Schnitt sollen 46 km/h erreicht, zwei Wertungsprüfungen exakt auf Sollzeit durchfahren werden.

Schwierig ohne Uhr, aber wohin damit? Geschäftsbereichsleiter Pietsch weiß sich zu helfen, Chefredakteur Pfeiffer vertraut auf sein Bauchgefühl. Gespanne haben ­einen Vorteil: Der Bootsmann hält die Uhr, der andere steuert.

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Wer überholt, ist raus!

Veranstaltungsantreiber und Schwarzwaldoriginal Walter Möhrle warnt: Wer überholt, ist raus, außer der Vordermann hat ein Problem und gibt Handzeichen. Man nimmt ihm eine gewisse Strenge ohne Weiteres ab und zieht zum Start vor.

 Das Publikum, das sich bereits an zahlreichen au­ßer­gewöhnlichen Automobilen samt pi­lo­tierender Prominenz vom Schlage Prinz Leopold von Bayern erfreut hat, hält wacker durch und lauscht auch noch den lang­sam heißlaufenden Motorradmoto­ren.

Peter-Paul Pietsch auf dem Podest

Kurven aller Art, Bitumenstreifen, ein ­wenig Laub in den Ecken, da muss man aufpassen. Alle 37 Starter kommen aber ­sicher am Ruhestein an. Im Konvoi geht es unter dem Beifall der Fans zurück ins Dorf. Möhrle organisiert zusammen mit dem Leiter des Tourismusverbandes Baiersbronn die Siegerehrung, alle bekommen eine Urkunde.

Pfeiffers Bauch war mal wieder zu schnell – nur Platz 15. Auf dem Podest Peter-Paul Pietsch. Nur drei Hundertstel trennten ihn vom Sieg. Den holte sich Markus Weigmann auf seiner DKW RT 125, frenetisch gefeiert vom Publikum. Gespannfahrer Martin Scheibe komplettierte das Podium. Danach wurde bei Renn­wurst und Musik kräftig gefeiert.

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