BMW-Pech in Le Mans Vollkommen wertfrei

Die BMW-Werksmannschaft war mit zwei HP2-Boxern und sechs Top-Fahrern zum 24-Stunden-Rennen nach Le Mans gereist. Klarer Fall, dass bei so einem Aufwand das olympische Motto "Dabeisein ist alles" nicht die Marschrichtung vorgibt.

Foto: Kel Edge
Das Team Sébastien Le Grelle, Stéphane Mertens und Rico Penzkofer trat nach ungefähr der Hälfte der Renndistanz den Rückzug an: Auf dem Weg zu einer Top-Ten-Platzierung verlor die BMW auf Start/Ziel deutlich Leistung. Kurz vor der Dunlop-Brücke schob Mertens die Maschine neben die Strecke. Gemeinsam mit einem herbeigeeilten Mechaniker versuchte er, das Renngerät wieder flott zu machen. Aus dem Motorgehäuse kamen allerdings Geräusche, die die Entscheidung nahelegten, mit dieser Maschine nicht weiterzufahren.
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Foto: Kel Edge

BMW: Erst Pech, dann Drama

Noch dramatischer erging es dem anderen Boxer-Team Richard Cooper, José Luis Nion und Brian Parriott: Es sah nach einem Platz in den Top 20 aus, und Cooper wollte in der allerletzten Runde des 24-Stunden-Marathons sein Motorrad möglichst sicher und schonend über die Ziellinie bringen, als die Maschine am Ende der Boxengeraden Leistung verlor. Cooper schaffte es noch bis La Chapelle zu fahren; dort erklärten ihm die Marshalls, dass er noch 5 Minuten Zeit habe, sein Bike über die Ziellinie zu bringen, um in der Wertung zu bleiben. Von einem anderen Fahrer, der ihn ein Stück weit unterstützte, erhielt er dabei Schützenhilfe auf den letzten harten Metern. Eine Gruppe von Marshalls ließ ihn dann allerdings nicht mehr über die Ziellinie, sondern leitete ihn in die Boxengasse und in den parc fermé. Die Zeit sei abgelaufen. Die Folge: BMW flog aus der Wertung.

Das Suzuki Endurance Racing Team belegte die Plätze 1 und 2: Die Sieger des Vorjahres, William Costes, Guillaume Dietrich und Barry Veneman siegten 2008 vor ihren Teamkameraden Philippe, Matthieu Lagrive und Julien da Costa. Dritter wurde Yamaha Acropolis Motor Expert.
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Foto: Kel Edge

Le Mans 2008: Statements der BMW-Fahrer

Richard Cooper
"Das ganze Wochenende hat das Bike prächtig funktioniert und auch beim Regen und in der Dunkelheit gab es keine Probleme. Das ganze Wochenende jagten wir einen Platz in den Top-Fünfzehn und – bis zur letzten Runde – lagen wir voll in unserem Fahrplan, um zumindest das Vorjahresergebnis zu wiederholen. Wir lagen zwischenzeitlich sogar auf dem 12. Platz, und das sehr komfortabel, so dass wir sehr zuversichtlich waren, das halten zu können. Nach dem Sturz von Brian fielen wir auf Platz 19 zurück und konnten uns auf 16 wieder vorkämpfen. Das Team leistete harte Arbeit, um uns schnell wieder ins Rennen zu bringen. Das gab uns auch die Chance, die verlorene Position wieder zurückzuerobern. Das Bike funktionierte jedenfalls bestens, und wir hatten ein gutes Setup gefunden – für trockene und nasse Strecke. Wir fuhren alle sehr konstante Rundenzeiten und schnupperten schon am Ziel. Das Ende war dann eine Katastrophe. Ich versuchte alles, die Maschine noch in der Zeit ins Ziel zu retten. Das Ziel war aber einfach zu weit weg. Ich bin komplett ausgebrannt, mein Körper schmerzt überall, ich fühl mich wie betäubt."

Jose Luis Nion
"Ich bin enttäuscht und traurig. Das ganze Team hat die vergangenen Tage so hart gearbeitet. All die Anstrengungen sind verpufft. Das ist schwer zu ertragen. Die Maschine hat super funktionert und alles lief problemlos (abgesehen von Brians kleinem Sturz) – bis zur letzten Runde. Heute hatten wir einfach kein Glück, aber so ist Rennsport halt manchmal. Wir müssen das jetzt beiseite schieben und vorwärts ans nächste Rennen denken."

Brian Parriott
"Ich stürzte während eines Regengusses, als das Fahrzeugheck plötzlich ohne Vorwarnung ausbrach. Eigentlich war ich gar nicht schnell oder gab zu viel Gas – es passierte einfach. Wegen der nassen, glatten Strecke schlitterte ich weit und blieb erst im Kiesbett liegen. Ich lief zum Bike, hob es auf, startete es und fuhr zur Box zurück. Dort konnten die Mechaniker den Schaden reparieren. Meine Renn-Kombi war derart schmutzig, dass mich einige fragten, ob ich beim Schlamm-Catchen war. Wegen des Sturzes verloren wir nur ungefähr fünfzehn Minuten. Das Team arbeitete gut und superschnell. Dann starteten wir eine Aufholjagd und waren gut dabei – bis zum Drama in der letzten Runde."

Stéphane Mertens
"Natürlich bin ich enttäuscht, weil wir alle daran geglaubt haben, unter die Top-Ten zu fahren. Wir haben gezeigt, wie leistungsfähig dieses Bike ist – bis zu unserem Ausfall. Ich saß auf der Maschine, als sie plötzlich Leistung verlor. Ich hatte keine Wahl, ich musste sie von der Strecke schieben. Ich versuchte, sie wieder zu starten, aber ich hörte Geräusche aus dem Motorgehäuse. Dann kam einer der Mechaniker und wir starteten den Motor erneut. Das Geräusch blieb aber. Wir entschieden, dass es besser (und sicherer) wäre, aufzugeben. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich mich richtig gut gefühlt und habe die Rückkehr in den Rennsport genossen, nachdem ich das die letzte Saison vermisste hatte. Solche Dinge passieren im Rennsport manchmal, wir müssen das jetzt vergessen und aufs nächste Rennen blicken."

Berti Hauser (Leiter BMW Motorrad Motorsport)
"Ist das ein ungeschriebenes Gesetz, dass unser zweites Rennen der Saison schlecht ausgeht? Schon letztes Jahr war unser zweites Race ein Stück weit ein Desaster, und dieses Jahr passiert genau das gleiche! Wie auch immer – ich glaube, wir haben an diesem Wochenende als Team die Leistungsfähigkeit des Bikes gezeigt. Unser Ziel war ein Platz unter den Topten, und wir waren während des Rennens sogar einmal auf Platz acht vorgerückt, trotz der ständig wechselnden Bedingungen. Hätten beide Bikes die Ziellinie gesehen und wäre alles einigermaßen so gelaufen wie letztes Jahr, hätten wir möglicherweise beide Fahrzeuge in die Topten gebracht, und das wäre ein tolles Resultat gewesen. Natürlich sind wir alle enttäuscht, wie das ausgegangen ist, vor allem mit Bike Nr. 71 zum Rennende. Aber wir wollen uns nicht beklagen. Regeln sind einfach Regeln. Rennsport ist halt manchmal grausam, und heute hat es uns voll erwischt. Wir wollen uns wegen dieses Pechs in Le Mans nicht selbst bemitleiden, sondern nach vorne blicken zum nächsten Rennen und alles dafür tun, um dort zwei gute Plätze einzufahren."

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