20 Bilder
Die Custombike-Messe in Bad Salzuflen öffnet einmal im Jahr ihre Pforten für alle Begeisterten. Die Fotos täuschen jedoch: So leer ist es nach der Messeöffnung nie wieder. Und die Bikes sehen live sogar noch faszinierender aus.

Finale: Custombike-Messe Custombike-Messe in Bad Salzuflen

Hören und Sehen und bei manchen Auspuffherstellern auch riechen: Diese Messe bedient alle Sinne. Einmal im Jahr ist Bad Salzuflen das Mekka von Europas Customszene.

Rheuma, Gicht und Zipperlein - 362 Tage im Jahr bestimmen die Kurgäste mit diesen Themen den beschaulichen Alltag von Bad Salzuflen in Nordrhein-Westfalen: morgens ins Heilbad, anschließend spazieren mit inhalieren, und am Nachmittag trifft man sich vor einer der zahlreichen Apotheken. Nur die drei übrigen Tage im Jahr verlangt es das Publikum nach einer etwas anderen Art von Kur: Chrom, Lack, Leder, Gummi und Benzin. Zur je Anfang Dezember in Bad Salzuflen stattfindenden Custombike verändert sich die Besucherstruktur des Städtchens kurzfristig dramatisch, steigt der Umsatz der örtlichen Gastronomie astronomisch.

Seit 2005 veranstaltet ein Fachverlag die Spezialmesse für alles, was im engeren Sinne mit Auf- und Umbauen oder Veredeln von Motorrädern zu tun hat und im weiteren Sinne mit dem damit verbundenen Lebensstil. An Ausstellern, knapp 300 waren es dieses Mal, ist alles da, was in Europas Customszene Rang und Namen hat, aber eben auch noch alle anderen. Denn neben den beinah schon industriell-professionell präsentierten Standflächen von Walz, Penz, Kodlin, Thunderbike, Habermann und Co. finden sich zwischen Zubehör- und Teilemultis wie W&W-Cycles und Custom Chrome Europe oder Spezialisten wie LSL oder Paaschburg & Wunderlich auch jede Menge eher kleine, aber eben auch sehr feine Umbau- und Tuning-Schmieden. Custom Wolf ist eine davon, eine von vielen.

Nur ganze drei Motorräder hat das Zwei-Mann-Team aus Bayern dabei, doch vor jedem könnte man als Technikverliebter eine Viertelstunde mit Staunen verbringen. Neben dem obligatorischen, über und über mit kunstvollem Lackgeglitzer von Top-Airbrusher Marcus Pfeil verzierten Lowrider-Chopper mit Rev-Tech-V-Twin noch zwei alte, zu herrlichen Einzelstücken recycelte Japaner. Doch als solche waren die 1100er GSX-R und die 900 Bol d‘Or nur noch anhand der Motoren zu identifizieren. Der Rest? Ist Handwerkskunst und schöne Teile. Das gilt, wenngleich auf ganz andere Art, auch für die vier Bikes von Jack Lomaxx. Das Team aus dem Ruhrpott hat sich auf ein in der Szene eher seltenes Thema spezialisiert: flüssigkeitsgekühlte Harleys. So kunstvoll aufgewertet gab es V- und Night-Rods nirgendwo sonst auf der Messe zu sehen. Stattdessen über 200 zum größten Teil private Showbikes in eigens dafür vorgesehenen Flächen. Diese Show-Areale hatten die Messemacher geschickt über alle vier Hallen und zwischen die Stände der kommerziellen Anbieter verteilt. Wer alles sehen wollte, musste einen ganzen Tag Zeit mitbringen.

Anzeige
Foto: Bilski
Geschickt verteilt: Zwischen den kommerziellen Ständen sind in allen Hallen Areale mit Showbikes zu finden.
Geschickt verteilt: Zwischen den kommerziellen Ständen sind in allen Hallen Areale mit Showbikes zu finden.

Und ein Tag vergeht schnell, vor allem wenn unter den Ausstellungsstücken immer wieder einzelne so herausstechen, dass ihr Anblick selbst Abgebrühten entweder die Lefzen zu einem breiten Grinsen auseinander zieht oder vor lauter Staunen das Kinn der Schwerkraft nach unten folgt. Für weitere Details bitte Fotos auf diesen Seiten näher betrachten.

Neben Harley-Davidson, die gleich mit fünf großen Händlern und ebensolchen Ständen auf der Messe vertreten waren, und der noch jungen US-Marke Polaris hatte sich allein Triumph als einziger europäischer Großserienhersteller zwischen all die Anbieter gewagt, die ja durch Individualisierung für genau das Gegenteil von Massenfertigung einstehen. Dennoch stieß, das hat die Triumph-Mitarbeiter selbst überrascht, etwa die erstmals in Deutschland gezeigte neue Tiger 800 beim Publikum auf viel Interesse. Selbst wenn die Reiseenduro etwas im Schatten der ringsum aufgereihten Umbauten stand. Ebenfalls Deutschlandpremiere hatte die "Duu" der Mailänder Edelmanufaktur CR&S. Trotz der puristischen, fast schmucklosen Präsentation auf einer schnöden Holzpalette, zog der Prototyp mit seinem massigen Alu-Rückgratrahmen und dem ehrfurchterregend großen Zwei-Liter-Twin die Besucher in seinen Bann.

Apropos Besucher. Die waren vom jungen Elternpaar mit Pascal und Kevin im Buggy bis zum formatfüllend auftretenden Bielefelder Hells Angels-Charter maximal bunt gemischt - zumindest, wenn man davon absieht, dass die meisten Besucher männlich, über 30 und bevorzugt schwarz gekleidet waren. Mit knapp 25000 kamen 2010 nicht ganz so viele wie in den Vorjahren, was aber wohl mehr am heftigen Schneefall zum Messewochenende gelegen haben dürfte als an mangelndem Interesse. Und an Rheuma, Gicht und Zipperlein, ansonsten in Bad Salzuflen weit verbreitet, schon gar nicht.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel