MotoGP: Rennen in Schanghai/China Aufholjagden

Wenn Sie einen gut dotierten Arbeitsvertrag bei einem renommierten Arbeitgeber hätten, aber Ihr Dienstfahrzeug nicht nach Ihren Vorstellungen funktioniert - was würden Sie tun? Der Ducati-Angestellte Marco Melandri entschied sich für den diplomatischen Weg: "Das Motorrad ist schwierig zu fahren. Es liegt viel Arbeit vor uns", sagte er nach den ersten, niederschmetternden Rennen.

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Bis zum Grand Prix von China am ersten Maiwochenende hatte die Ducati-Corse-Mannschafft wohl viel Arbeit erledigt: Melandri kämpfte sich nach vorn, holte Rang 5 und war grenzenlos erleichtert. "Wir haben eine optimale Gewichtsverteilung gefunden, die Traktionskontrolle etwas zurückgedreht und das Mapping verändert. Filippo Preziosi und die ganze Rennabteilung arbeiten hart für mich, und alle sind guter Hoffnung, dass wir in die richtige Richtung weitermarschieren können", fügte er schnell hinzu.

Weltmeister Casey Stoner hat es derweil verpasst, den Hurra-Stil der letzten Saison fortzuführen und sich ein Punktepolster aufzubauen. Er hat auf dem Weg zur bereits einen Rückstand von 25 Punkten – und die werden schwer aufzuholen sein.

Fast unheimlich ist Daniel Pedrosas Beständigkeit, der bislang bei allen Rennen aufs Podest fuhr. Wenn Siege außer Reichweite sind, hält sich der kleine Spanier klug im Zaum. Selbst wenn ihm ausgerechnet sein Erzrivale Jorge Lorenzo vor der Nase herumfährt; so geschehen beim Estoril-GP: Nach drei Pole Positions in Folge landete der 20-Jährige in dort seinen ersten Sieg.
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Doch schon beim nächsten GP in China stand ihm wieder Ungemach ins Haus. Ein Highsider am ersten Trainingstag bescherte dem Spanier zwei gebrochene Knöchel. Der rechte Bruch wurde erst am Montag nach dem Rennen entdeckt und stellt seine Teilnahme am nächsten GP in Le Mans Mitte Mai in Frage.

Lorenzo biss die Zähne zusammen und fuhr in der Qualifikation und im Rennen heroisch auf Rang 4, obwohl er nicht einmal gehen konnte. Wer vorher noch an Zufälle und Eintagsfliegen geglaubt hatte, musste nun eingestehen, dass hier ein neuer, erfolgshungriger Siegfahrer in der Weltspitze angekommen war.

Zum größten Alptraum für Stoner wird aber Valentino Rossi. Nachdem der siebenfache Weltmeister die Podestplätze von Spanien und Portugal als Erfolge verkauft hatte, kam in China der Durchbruch: Die selbstbewusste Rennstrategie des Superstars sprach Bände. Statt hinter dem Gegner zu lauern und erst spät die Falle zuschnappen zu lassen, ging Rossi in Schanghai so früh wie möglich an Pedrosa vorbei in Führung, um dessen Reserven in Sachen Reifengrip anzuzapfen. So fährt nur einer, der sich seiner Sache sicher ist: Rossi hatte die passende Abstimmung für seine Bridgestone-Reifen gefunden und wusste, dass sie perfekt durchhalten würden.

Ergebnisse:
1. Valentino Rossi (I) Yamaha, 22 Runden in 44:08,061 min (=157,947 km/h), 2. Daniel Pedrosa (E) Honda, +3,890 s, 3. Casey Stoner (AUS) Ducati, +15,928 s, 4. Jorge Lorenzo (E) Yamaha, 5. Marco Melandri (I) Ducati, 6. Nicky Hayden (USA) Honda, 7. Colin Edwards (USA) Yamaha, 8. Toni Elias (E) Ducati, 9. Loris Capirossi (I) Suzuki, 10. Shinya Nakano (J) Honda, 11. Andrea Dovizioso (I) Honda, 12. James Toseland (GB) Yamaha, 13. Randy de Puniet (F) Honda, 14. John Hopkins (USA) Kawasaki, 15. Sylvain Guintoli (F) Ducati

Schnellste Runde: Rossi in 1:59,273 min (=159,395 km/h)

WM Stand:
1. Pedrosa 81 Punkte, 2. Lorenzo 74, 3. Rossi 72, 4. Stoner 56, 5. Capirossi 33, 6. Toseland 33, 7. Edwards 31, 8. Hayden 29, 9. Dovizioso 26, 10. Hopkins 26

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