Motorrad-Treffen im Vergleich Treffen: Harley, BMW und Triumph

Treffen sich drei Motorradfahrer auf ner Harley, Triumph und BMW. Sagt der Harley-Fahrer: „Mein Treffen ist am besten!“ Da meint der Triumph-Fahrer: „Nee, meins ist viel britischer!“ Daraufhin der BMW-Fahrer: „Meins ist aber am bayerischsten!“ Kein Witz: drei Mann, drei Treffen – ein großer Vergleich.

Foto: Archiv
Drei Mann, drei Treffen: Wenn MOTORRAD-Redakteure so ganz privat und am Wochenende die Treffen ihrer Lieblingsfabrikate be-suchen, gibts am darauffolgenden Montag immer viel zu erzählen. Oder zu schreiben; etwa wenn Harley-Klaus, Triumph-Jörg und BMW-Mike ihrer Begeisterung öffentlich Ausdruck verleihen wollen. Da ein MOTORRAD-Vergleich ohne Abschlusstabelle undenkbar ist, gibts die natürlich auch.

Es sind nicht alle gekommen. Rund 108000 mehr oder weniger zugelassene Harleys gibts in Deutschland, aber nur 75000 von ihnen finden am letzten Juni-Wochenende nach Hamburg. Vermutlich sogar noch weniger, denn die überall in der Stadt auftauchenden Maschinen tragen oft genug auch skandinavische Kennzeichen.

Es kann aber auch so ganz nett und vor allem voll werden, denn für viele nicht Motorrad fahrende Hamburger gehört Harley-Gucken mittlerweile zum festen Sommerprogramm. Eine halbe Million Menschen kommt so zusammen, was für einen einzigen Partyraum etwas viel ist. Die Hamburg Harley Days sind daher dreigeteilt: Das offizielle Veranstaltungsgelände liegt etwas am Stadtrand und vor der HSH Nordbank Arena, die früher mal Volksparkstadion hieß.
Knapp acht Kilometer südöstlich davon ist die Reeperbahn auf St. Pauli der zweite und halboffizielle Tatort. Noch ein Stück weiter östlich wird es mit der samstäglichen Schönheitskonkurrenz („Ride-In Bike Show“) inmitten der Einkaufs- und Flaniermeile Mönckebergstraße wieder ganz offiziell. Der Leser ahnt es bereits: Hamburg ist fest in Harley-Hand, was besonders die Hamburger freut. Während man nämlich als Einheimischer den Rest des Jahres am Samstagabend auf dem Kiez Gefahr läuft, von testosterongesteuerten Halbwüchsigen mit Migrationshintergrund dumm angemacht zu werden, sorgt das bunte Harley-Völkchen an diesem Wochenende für eine unglaublich sympathische und vor allem friedliche Stimmung: null Aggres-sions-Potenzial, ganz junge und viele sehr alte Aktiv- und Passiv-Biker, die einfach nur feiern wollen. Die manchmal schon ganz leicht penetrante Toleranz geht sogar soweit, dass sich die Fahrer der erstaun-lich zahlreich anwesenden Fremdfabrikate keinerlei dumme Sprüche anhören müs-sen und beim sonntäglichen 12000-Motorräder-Korso quer durch die Stadt völlig selbstverständlich mitrollen.
Die Harley Days sind kein typisches Markentreffen, sie sind eine einzige große Motorradfahrer-Fete, bei der auch ganz normale Nicht-Motorradfahrer voll auf ihre Kosten kommen. Hamburg ohne Harley Days ist eigentlich undenkbar – wann sollen die Hanseaten ihre Reeperbahn denn sonst besuchen? Eben. Nur wirklich schade, dass nicht alle 108000 Harleys da waren.

Wechseln wir den Ort des Ge-schehens nach Neukirchen am Großvenediger. Ein Wochenende lang ist der kleine Ort mitten in Österreich sehr britisch. Bereits zum vierten Mal finden hier die Tridays statt, laut Eigenwerbung der weltweit größte Triumph-Event. Das klingt nach Massenveranstaltung, ist aber eine überschaubare, sympathische Party Gleichgesinnter. Unterm Strich kommen an allen Tagen zwar beachtliche 20000 Besucher, doch übervoll wirkt es zu keinem Zeitpunkt. Und das Treffen selbst? Entpuppt sich als Schauspiel in bester Shakespeare-Tradition.


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Die Inzenierung beginnt perfekt, indem man ortseingangs nicht länger das behagliche Neukirchen, sondern den „Royal Borough of Newchurch“ betritt. Bis zum Montag nach dem Treffen wandelt sich der Marktplatz zum Tree Corner, und am Ortsende rauchen die Reifen auf der Kevin-Carmichael-Road. Sind wir sogleich beim Helden des Geschichte. Der ist waschechter Schotte und zeigt auf Speed- und Street-Triple, dass Fahrphysik in schnöder Theorie und ansehnlicher Praxis weit auseinanderklaffen kann. Und weil Schotten erst im Regen richtig aufblühen, hat die Requisite auch das österreichische Wetter perfekt abgestimmt. Für den mehrfachen Stunt-Champ Kevin Carmichael kann das asphaltierte Parkett nicht rutschig genug sein. Dementsprechend stark ist das Raunen im Publikum, bis es sich in stehenden Ovationen entlädt.
Zufrieden lehnt sich der Regisseur zurück. Uli Brée heißt er und gilt als Mastermind der Tridays. Als erfolgreicher Drehbuchautor weiß er, wie perfekte Szenen auszusehen haben. Die Tridays haben den Touch einer familientauglichen Samstagabend-TV-Show, zotige Entgleisungen gibt es so wenig wie lähmende Durchhänger.
Und der Mix passt: Nach Stuntshow folgt Straßencomedy, und auf den zwei Bühnen in „Up- and Midtown of Newchurch“ geben sich Künstler und Musiker unterschiedlichster Couleur das Mikro in die Hand. Dazwischen ist „sehen und gesehen werden“ angesagt. Entweder beim Cruisen über die „Main Street“ von Newchurch oder indem man sich auf einer der zahlreich angebotenen Touren die Berg-luft der monumentalen Hohen Tauern um die Nase wehen lässt.
Und Romeo und Julia? Natürlich ist auch etwas knisternde Lovestory mit dabei. Die spielt sich Samstagabend zwischen BP-Pub und Scrambler-Bar ab. Auf der einen Seite posiert mit reichlich Augenaufschlag die einheimische Damenwelt, die andere antwortet mit kurzen Gasstößen in den Begrenzer. Doch bevor für manche neue Paarung der letzte Akt im Underground oder der Titty-Twister-Bar eingeläutet wird, lassen wir lieber den Vorhang fallen.


 

Und wechseln nach Garmisch, wo pünktlich um 17 Uhr am Samstag die Welt unterging: Einem Dammbruch gleich entleerte sich der Himmel über dem neunten BMW-Treffen am Fuß der Zugspitze. Wer zu diesem Zeitpunkt schon von der Alpentour zurück auf dem Treffen-Gelände am Rand des 30000-Einwohnerstädtchens war, dem blieb nur noch die Flucht nach vorn: ab ins proppenvolle Bierzelt – und Party!

 

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Doch die offiziell 30000 Besucher waren nicht allein zum Feiern gekommen. Manche wollten auch fahren. So wie der 27-jährige Bernhard aus Kaiserslautern, der mit seiner dem Onkel kürzlich abgekauften R 1100 S und einigen Kumpels zum ersten Mal in Garmisch war: „Tolles Angebot hier, nur dass man für Test-Motorräder so lang anstehen muss, das nervt.“ Am Samstagmorgen war Bernhard unter den Ersten gewesen, die geduldig auf eine der insgesamt 70 Probefahrt-BMWs warteten. Fast 900 geführte Anderthalb-Stunden-Touren durch Bayerns Bergwelt konnten die Besucher am Treffen-Wochenende kostenlos absolvieren. Und schließlich hat Bernhard eine R 1200 GS ergattert. Wieder zurück, überlegt er beim Bummel durch die Gassen mit den Händler-Zelten, ob er mit seinem Sportler jetzt noch glücklich werden kann – erfolgreich angefixt.

Das haben Bertl und Franz schon eine Weile hinter sich. Aus dem rund 50 Kilometer von Garmisch entfernten Bad Tölz kommend, sind die BMW-Homelands im bayerischen Süden für die zwei End-Vierziger nichts Besonders mehr. Die beiden GS-Fahrer sind eher zum Gucken gekommen, „zum Schau’n“, wie sie’s nennen. Und zum Schau’n gibt es hier viel: Offizielles, wie die rund 100 Info-Zelte zu Reisezielen vom österreichischen Kaunertal bis zum Kap von Südafrika, oder Zelte von Zubehörspezialisten wie Siebenrock und Touratech, jeweils mit einer Reihe an Show-BMWs. Oder Inoffizielles, wie die Bikes der Besucher, die das zirka zehn Fußballfelder große Areal inklusive frisch ausgebaggerter Motocross-Strecke und Stunt-Parcours weitläufig zuparkten: GS in sämtlichen Variationen, aufgerüstet mit Weltreise-Zubehör oder gechoppt zur minimalistischen Fahrmaschine, die neusten K-Sportler, angewitterte Zwei-Ventil-Boxer, eine Riege von meist weiblich gelenkten Einzylinder-F-Modellen, Italiener, Franzosen, Tschechen, sogar ein paar russische Kennzeichen sind dabei. Mit 50 Prozent plus x, wie jahrzehntelang das amtliche Wahlendergebnis der CSU lautete, wäre die BMW-Dichte an diesem Wochenende hier noch viel zu niedrig beziffert.
Doch zurück ins Bierzelt, wo sich ein Mix aus Junggebliebenen und nicht mehr ganz so Jungen langsam zum traditionellen Erstürmen der Bierbänke warm läuft. Ozapft is’ schließlich schon lang, und der Rest passt auch: Das Catering kommt von Käfer, das Bier von Erdinger. Sauber! So wie die zentral im Gelände platzierten Dusch- und Toilet-tencontainer auch morgens um halb drei noch frisch geputzt und serienmäßig mit Lukiluft Kiefernduft überzeugen. Wie eine perfekt geschmierte Maschine kommen die BMW Biker Days abends auf Drehzahl, während Oktoberfest-erprobte Profi-Cover-Bands Gas geben. Der Weltuntergang ist da schon eine ganze Weile wieder vorbei.
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