Pitlane: PS-Rookie fährt KTM Super Duke Battle Schlachtenbummler

Der PS-Rookie ist zurück. Nach eher verhaltenem Auftakt zur Racer-Karriere in Hockenheim durfte er diesmal bei einer Hobby-Serie starten. Das erste Renn­wochenende der KTM Super Duke Battle 2008 bot die perfekte Kulisse.

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Woah – Schmerzen! Da kann die Duke noch so handlich sein. In Rennhocke mit richtig Speed haben die Unterarme an so einem hohen, breiten Lenker und nackten Motorrad ganz schön was zu halten. Nach dem PS-Rookie-Einsatz zieht es jedenfalls gewaltig zwischen Handgelenk und Ellbogen, links wie rechts! Das Feeling ist dennoch großartig. So irgendwie muss Superbiken zu Eddie Lawsons Zeiten gewesen sein.

Verglichen mit dem Supersportler bei meiner Racer-Jungfernfahrt, den 1000 Kilometern von Hockenheim, ist das jedenfalls eine ganz andere Art, Rennen zu fahren. Und genau darum geht es hier in Oschersleben: 1000 Berge Trophy, Auftakt zur KTM Super Duke Battle 2008, der ersten von acht Schlachten in dieser Saison.
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Außer mir kamen 38 weitere Fahrer, um den Schnellsten zu finden und gemeinsam Spaß am Motorrad-Racen zu haben. Volles Fahrerfeld! Die Startampel erlischt, und die mächtige Zahl an 990er-Twins schickt ein gewaltiges Gebrüll über die sonntägliche Magdeburger Börde.

Doch so ein Rennwochenende beginnt früher. Die Einschreibeprozedur steht vor jeder Rennveranstaltung wie die technische Abnahme des Motorrades und des Helms. Danach bleibt bis zum freien Training an diesem Samstagnachmittag noch Zeit, einen Platz in der Box zu finden und das Motorrad vorzubereiten. Als Gaststarter werde ich vom Fahrerfeld freundlich aufgenommen. Einige kennen sich vom letzten Jahr – so ein Cup hat offensichtlich Suchtpotenzial – oder von Renntrainings. Die neuen Kombis aus dem Fahrerpaket werden anprobiert, Brandings kommentiert und in lockerer Atmosphäre gefachsimpelt.
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Der PS-Rookie beim KTM-Battle in Oschersleben

Menschlich bunt geht es zu in so einem Hobby-Cup. Der eine gehört zu den Stillen, der andere hat ein unglaubliches Mitteilungsbedürfnis, es gibt komische Typen, seltsame Jungs, hochkonzentrierte Ehrgeizler, eine schnelle Frau, Titelfavoriten, Zügige und weniger Zügige, Neulinge und die Entourage, bestehend aus Frauen, Freundinnen, Kindern und dem einen oder anderen Hund.

Um 17 Uhr ist es mit dem bunten Allerlei vorbei. Die Twins röhren, die Visiere klappen herunter, die Meute ist hungrig auf Action. "Super Duke Battle zur Boxengassen-Ausfahrt", fordert der Streckensprecher. Ab jetzt geht es für alle in eine Richtung. Die meisten im Feld waren schon einmal hier, ich noch nie. Gehört habe ich dagegen schon viel von der Motorsport­arena: "tolle Motorradstrecke", "technisch anspruchsvolle Passagen", "schnelle Kurven", "Mutecken".
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Das Motorrad geht prächtig, etwas wenig Gasspiel vielleicht, aber sonst passt es ganz gut. Ich hänge mich an den Kollegen Glück, der die gesamte Battle mit seiner KTM bestreiten wird und mir hier die Linie zeigt. Die Hasseröder-Kurve ist eine wunderschön gleichmäßige und überhöhte 180-Grad-Links. Dann geht es hinaus auf die Dreifach-Links, die in einem möglichst großen Bogen fast an einem Stück ziemlich schnell gefahren werden kann; Erfahrung und Mut machen sich hier bezahlt. Kaum Zeit und Platz bleiben dann, um die recht langsame Hotelkurve, eine Rechts, anzubremsen. Mit dem richtigen Gang und sauber herausbeschleunigt fliegt die Schikane heran, die die meisten fast schnur­gerade nehmen, indem sie voll über die Curbs brettern. Die Duke macht das Ge­holper willig mit und winkelt dann mit viel Zug rechts ab auf die Gegengerade hinaus. Für die anstehende Rechts-links-Kombination ist es wichtig, den Brems- und Einlenkpunkt gut zu erwischen. Wieder Gas auf, kurze Gerade, schnelle Rechts, und dann gleich wieder rechts, wenn auch erheblich langsamer, auf Start/Ziel.

Dann spüre ich es erstmals, nach fünf Runden: Meine Unterarme fühlen sich mega-dick an und ziehen mächtig. Heilfroh bin ich, als die karierte Flagge das Training abwinkt. Michael Roth, Cup-PR-Mann und Racer im Krankenstand, hilft mir beim Einstellen der Armaturen, irgendwie muss ich meine Arme entlasten. Außerdem korrigieren wir das Spiel am Gaszug. Dann kommen die Trainingszeiten: 1:48,4 min sind nicht berauschend, aber unter diesen Umständen ein Anfang.
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Der PS-Rookie beim KTM-Battle in Oschersleben

Am Sonntagmorgen wird es ernst: erstes Zeittraining. "Die einsfünfundvierzig musst du knacken", hieß es aus der Redaktion, und der anwesende PS-Capo Schröter bekräftigt diese Forderung. Immer dieser Druck! Die Arme schmerzen erneut, aber der Spaß am Fahren, das Ranhängen an eigentlich zügigere Jungs und die besser angeordneten Brems- und Kupplungshebel machen das vergessen. Am Ende stehen 1:46,1, immer noch keine Heldentat, aber eine deutliche Verbesserung. Beim zweiten Zeittraining vor dem Mittag­essen läuft es noch besser: 1:45,3 – ich nähere mich dem Soll. Noch einmal bekräftigt PS-Schröter seine Erwartungen für das erste Rennen und stellt sich als Schirmgirl im zweiten Lauf zur Verfügung, falls ich die 45er-Marke knacke.

Dann ist es so weit. Nach der Einführungsrunde stehe ich auf Startplatz 31. Die Startflagge wedelt, die Ampel leuchtet rot, die Motoren dröhnen, das Rotlicht
geht aus. Volle Pulle! Kurz hebt die KTM ihr Vorderrad, dann schiebt sie kraftvoll vorwärts. Ein paar kann ich überholen, ein paar überholen mich. Noch mehr Super Dukes ziehen vorbei, als ich vor dem Gewühl in der ersten Linkskurve mal wieder viel zu früh das Gas wegnehme. Mist!

Aber ich komme ganz gut durch die nächste Rechts und kann auf die Hasseröder zu einige meiner Widersacher überholen. Läuft doch prima, ich fahre in einer Gruppe mit, die einen guten Speed geht. Dann über­holen wir einen Racer. Die anderen nehmen in der S-Kurve die Innenbahn, und mir bleibt nur außen Platz: Mit dem Rechts-Schlenker des Überholten hatte ich nicht gerechnet, ich muss ausweichen, und schon holpere ich über die Außencurbs in den Rasen. Von nun an bin ich damit beschäftigt, wieder Anschluss an die Gruppe vor mir zu bekommen. Mal komme ich näher, mal mache ich einen Fehler, gehe in Kurven zu weit oder erwische den falschen Gang. Als ich dran bin, kommt die Ziel­flagge – urplötzlich sind 17 Runden plus zwei Minuten rum.
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Was für ein tolles Gefühl. Hätte ich das mal früher gewusst – so mit 18 oder 20 Jahren. Man steckt sich im Rennen immer wieder neue Ziele: Die Vorderleute motivieren einen, Überholen ist jedes Mal ein kleiner Triumph. Da ist es völlig egal, dass die Spitze des Feldes 9 Sekunden schneller fährt und einen im vorletzten Umlauf überrundet. In einem Cup wie der Super Duke Battle findet man immer welche, mit denen man sich ein echtes Rennen liefern kann. Kleine Schlachten – mal gewinnen, mal verlieren.

Danach in der Box springen alle um mich herum euphorisiert von den Maschinen, jeder erzählt noch immer unter Strom sein Heldenepos. Henne aus der Spitzengruppe hört mir genauso zu, wie ich Reblers und Hubys Abenteuern von Zweikampf und Bremsattacken lausche. In dem Moment sind wir alle Racer, haben unsere Schlacht geschlagen. Die ganz vorn haben unseren großen Respekt für ihren unglaublichen Speed genauso wie die ganz hinten, weil sie es gewagt haben. Sie werden besser werden, und wir auch. Die Rookie-Zeit: 1:44,6 min. Der Chef als Gridgirl – was für ein Spaß, so ein Hobby-Cup.

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