Ducatis in allen Variationen prägten so manchen Stand.

Der Teilemarkt in Imola Schnäppchenjagd der besonderen Art

Um auf klassischen Teilemärkten noch Schnäppchen zu ergattern, muss man zum Teil weite Wege gehen, einige Geduld mitbringen und ein Quäntchen Glück haben.

Foto: Dietmar Edel
Ducatis in allen Variationen prägten so manchen Stand.
Ducatis in allen Variationen prägten so manchen Stand.

Am zweiten September-Wochenende 2009 stand auf der Rennstrecke von Imola der traditionelle Markt für klassische Motorräder und Teile auf dem Programm. Wer sein Nachtlager in etwa 50 Kilometer Entfernung aufschlug, konnte die Reisekasse deutlich entlasten. Im Stau auf der Autostrada sind sowieso alle gleich, und die Parkplatzsuche gestaltet sich von Jahr zu Jahr abenteuerlicher. Doch das für Mitte September ungewöhnlich warme Wetter entschädigte die Besucher. Allein kurze Regenschauer sorgten für Abkühlung.

Auch heute noch tauchen Raritäten auf, wie zum Beispiel eine der begehrten 125er-MV Agusta Monalbero im Originalzustand, wie sie Privatfahrer in den 50er-Jahren kaufen konnten. Als Kontrastprogramm stand in direkter Nähe ein Rumi-Eigenbau mit Vierzylinder-V-Motor. Offensichtlich hatte ein versierter Handwerker die beiden serienmäßigen Zylinder um ein stehendes Paar ergänzt und ein absolut seltenes Stück geschaffen, aber eben nichts für Sammler von Originalen.

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Für die stellte eine Ducati 350 Desmo der letzten Serie von 1974 für zirka 9000 Euro ein weit interessanteres Angebots dar, zumal im Preis das Werkstatt-Handbuch inbegriffen war. Typisch für die italienische Szene sind Spezialisten, die Teile oder ganze Motorradrahmen nachfertigen. Neben den arrivierten Herstellern wie Menani sticht seit einiger Zeit Claudio Chiodinos Handwerkskunst ins Auge. Er präsentierte in diesem Jahr den Nachbau eines MV Agusta Squalo-Rahmens. Der unlackierte Zustand ist in diesem Fall sogar von Vorteil: So lassen sich die Verarbeitung, speziell die Schweißnähte gut kontrollieren.

 

Außer den zahlreichen Repliken berühmter italienischer Gabeln und Trommelbremsen von Ceriani und Fontana waren an einem Stand nachgefertigte Teile für Dell’Orto SSI-Rennvergaser zu bestaunen. Die Lufttrichter und Kronen leisten bei der Restaurierung von Rennmaschinen wertvolle Dienste. Erstaunlicherweise erscheint in Imola auch immer wieder deutsches Kulturgut: Neben einer BMW R 63 und einer DKW NZ war eine Zündapp KS im Angebot, allerdings zu Preisen jenseits des vierstelligen Bereichs.

 

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Foto: Dietmar Edel
Zwei- und Vierzylinder-Hondas stärkten die Japanfraktion.
Zwei- und Vierzylinder-Hondas stärkten die Japanfraktion.

Große italienische Sportler wie eine Moto Guzzi V7 Sport und die Königswellen-Zweizylinder von Ducati sind weitgehend verschwunden. Allenfalls wechseln sie noch zu horrenden Preisen den Besitzer. Hingegen sind italienische Sport- und Gebrauchsmaschinen mit kleinen und mittleren Hubräumen immer noch reichlich vorhanden. Von 50ern von Itom, Mondial oder gleich einem halben Dutzend Moto Morini Corsarino reichte die Palette über jede Menge 125er- und 175er-Einzylinder italienischer Herkunft bis zu Zweizylindern von Rumi und 3½er-Morini.

Japanische Klassiker der 70er-Jahre waren, wenn auch nicht zahlreich, aber doch in den unterschiedlichsten Kategorien und Marken vertreten. Das Urmodell einer Kawasaki Mach III von 1969 in Weiß/Blau, die größere Schwester, die 750er-H2, sowie ein Suzuki-Wasserbüffel wärmten sich perfekt restauriert in den letzten Strahlen der Herbstsonne. Doch die Preise für solche raren Schätze im Best zustand sind bereits weit in den fünfstelligen Bereich gewandert. Auch einige Zwei- und Vierzylinder-Honda in weniger guter Verfassung suchten einen Käufer.

 

Foto: Dietmar Edel
125er-MV Agusta-Rennmaschine mit ohc-Einzylinder.
125er-MV Agusta-Rennmaschine mit ohc-Einzylinder.
Zwei Japaner schoben mit sichtlichem Besitzerstolz frisch eroberte Trophäen, eine 150er-MV Agusta und eine 175er-Mondial gen Ausgang. Die erste Überraschung erleben sie vermutlich beim Gang durch den Zoll. Am Rande fiel der Rückgang des Angebots an Schinkenschneidemaschinen auf; die haben wohl eine andere Messe gefunden. Doch mit Glück kann der Zweirad-Gourmet noch manche Delikatesse in Imola ergattern.

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