Schwarzpulver-Rallye des MSV Hammelbach Motorrad-Rallye: Moppeds, Vorderlader, Lagerfeuer

Schnitzeljagd trifft Schützenfest und Motorradtreffen: Jedes Jahr im März startet die Schwarzpulver-Rallye in den Odenwald.

Foto: Rotard

Frühling. Endlich. Durch das offene Visier zieht ein Hauch von Zweitaktgemisch, aber auch eine Ahnung von warmem Waldboden: Der Odenwald holt Luft nach einem langen, kalten Winter. Solo-MZs und Gespanne, moderne BMWs und Japaner der 80er-Jahre, Harleys und KTMs, alle schwingen über die kurvigen Sträßchen mit einem Ziel: die 44. Schwarzpulver-Rallye in Hammelbach, eines der ältesten Motorradtreffen Deutschlands. Es balanciert traditionell auf der Grenze zwischen Winter und Frühling. Hageln kann es jetzt, Mitte März, genauso wie dauernieseln bei zehn Grad; Bodenfrost und Eisregen sind ebenso möglich wie Sonnenschein. Dieses Mal jedoch neigt sich die Rallye deutlich der wärmeren Jahreszeit zu. Das war die letzten beiden Jahre anders: Eis und Schnee haben die Teilnehmerzahl - früher waren 400 Anmeldungen normal - schrumpfen lassen. Und zwar so dramatisch, dass die Ausrichter, die Motorsportvereinigung Hammelbach, zum ersten Mal Werbung gemacht haben: "Wir sind aufs Elefantentreffen gefahren", erzählt der Vorsitzende Horst Hörr, "und haben dort Einladungen verteilt." Das hat sich gelohnt.

Nach mageren Jahren haben 2011 über 230 Motorradfahrer die Buchstaben des Wertungsworts "Parabolspiegel" gesammelt, natürlich sauber per Stempel von Polizeidienststellen oder Bahnhöfen dokumentiert, dann - daher der Name - mit alten Vorderladern am Schießstand Punkte erzielt und zum Schluss eine Geschicklichkeitsübung mit dem Motorrad absolviert. "Die war neu", sagt Horst Hörr, "weil bisher nur das Schießen darüber entschieden hat, wer gewinnt. Denn das Lösungswort schaffen alle." Dabei ist auch das je nach Wetter kein Pappenstiel, denn 700 Kilometer Anfahrt, um die Buchstaben zusammenzutragen, sind keine Seltenheit.

 

Am Samstagnachmittag bricht die Sonne sich endgültig Bahn und wärmt den Platz am Schützenhaus im Wald. Die Fahrer sitzen zufrieden auf der schon trockenen Wiese, begrüßen alte Bekannte von den letzten Rallyes, und vom Schießstand dröhnt immer wieder das Krachen der Flinten herüber. Im Wald oberhalb wächst inzwischen die kleine Zeltstadt, ein paar Lagerfeuer flackern gemütlich vor sich hin. Es werden Bierkästen aus den Seitenwägen der Gespanne ausgeladen und mit den Nachbarn wird auch mal eine Bratwurst gegen Schokolade getauscht. Als es dunkel wird, erzählen die einen weiter Anekdoten und schauen dabei in die heimeligen Flammen, während sich der andere Teil ins Schützenhaus aufmacht, um zur Liveband zu rocken. Noch später wird vereinzelt Schnarchen zu hören sein zwischen den Bäumen und das leise Knistern erlöschender Feuer. Man schlummert weiter dem Frühling entgegen.

Anzeige

Rallye-Infos

Detail-Infos zu Anmeldung und Ausschreibung sowie dem genauen Ablauf und der Geschichte der Veranstaltung plus Ergebnislisten (2011) im Internet unter: www.schwarzpulver-rallye.de

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel