Szene: Mogo Hamburg Grüß Gott

Über 30000 Motorräder, rund 100000 Teilnehmer - die Anziehungskraft des Hamburger Motorradgottesdienstes ist nach 27 Jahren größer denn je.

Foto: Grube
Maria Jepsen steht im Hintergrund und - darf man das bei einer Landesbischöfin sagen? - grinst sich eins. So erlebt sie Gottesdienste sonst nicht. Immer wieder brandet vor dem Barockaltar im prall gefüllten Hamburger Michel Applaus auf. Etwa für Altrockerin Inga Rumpf, deren Mogo-Song nicht nur von den Besuchern in der Kirche, sondern auch von den vielen Tausend draußen mitgesungen wird. Heftiger Beifall unterbricht auch immer wieder die Predigt von Pastor Erich Faehling, die ebenfalls per Lautsprecher nach draußen übertragen wird. „Hinter der Kurve“ lautet ihr diesjähriges Motto. Der Pastor, privat auf einer 1200er GS unterwegs, zieht dabei Parallelen zwischen dem Motorradfahren und dem Leben selbst. Aber er erinnert auch an den Tod. In Stille wird der verunglückten Biker gedacht. Das muntere Quieken eines Kleinkinds beendet das gemeinsame Schweigen: Das Leben geht weiter. „Auch so kann es in der Kirche zugehen, unkonventionell und fröhlich“, freut sich Jochen Ernsting. Er ist langjähriger Förderer und Leiter der BMW Motorrad Zentrums Hamburg, neben Triumph einer der Hauptsponsoren des Mogo. Der Hamburger Motorradgottesdienst gilt als größter weltweit und geht nicht von der Kirche, sondern vom Mogo e.V. aus, stellt Ernsting klar: „Protestanten, Katholiken, Konfessionslose - hier sind alle dabei.“ Wie beim anschließenden Konvoi. Auf der eigens dafür stundenlang gesperrten A7 fährt vom Roller bis zum Supersportler alles aus der Hamburger Innenstadt ins 40 Kilometer nördlich gelegene Kaltenkirchen. Der Strom scheint endlos: Als die Ersten am Ziel sind, bei Live-Musik, Benzingesprächen und Grillwürstchen, werfen die Letzten vor dem Hamburger Michel gerade erst den Motor an.

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