Zehn-Jahres-Treffen der Hayabusa-Internet-Community Die 300km/h-Familie

Wie feiern Fans der 300-km/h-Legende Suzuki Hayabusa? Burnplatte, Strip- shows, kistenweise Alk? Nicht, wenn die Organisatorin Honda-Fahrerin ist.

Mit rund 30 Kilometern hatte es ?XXmotorbiene65", die im richtigen Leben Heike Möller heißt, nicht ganz so weit. Es ist Samstagnachmittag, und Heike sitzt mit ?Ukiwaza" bei Kaffee und Kuchen im sonst leeren Speisesaal des Veilbronner Landgasthofs. ?Ukiwaza" sitzt da, weil er nach der langen Anfahrt keine Lust auf eine der drei von Tourguides geführten Tagestouren durch die an diesem Tag verregnete Fränkische Schweiz hatte. Heike sitzt da, weil sie das gesamte Treffen organisiert hat und, während die Teilnehmer auf der Straße sind, die eigens dafür eingerichtete Handy-Hotline betreut. Doch das Telefon klingelt nur einmal: Keine 20 Kilometer vom Hotel ist Board-Member ?Littlebuddah" liegen geblieben, Kupplungszug gerissen. Heikes Mann Hartmut ist mit Auto und Hänger schon zur Bergung bereit. Am frühen Abend stehen die knapp 90 Maschinen wieder auf dem eigens dafür ausgeschilderten Hotelparkplatz, und Heike atmet auf: Gott sei Dank, alle heil geblieben; noch nicht einmal ein Polizei-Knöllchen gab’s für die Männer und die (wenigen) selbstfahrenden Frauen auf den 185-PS-Maschinen. Aber auch ein paar Kawasakis und Yamahas, ja sogar zwei BMWs parken zwischen den Suzukis. ?Bei uns kann im Grunde jeder mitmachen, ich selbst fahre ja auch keine Hayabusa, sondern Honda Doppel-X", erklärt ?XXmotorbiene65". Wie die übrigen Member trägt Heike ihren Board-Namen während des Treffens auf dem eigens dafür gedruckten schwarzen T-Shirt. ?Wir kennen uns aus dem Forum viel eher über unsere Board-Nicknames und sprechen uns natürlich auch hier auch mit denen an", erklärt sie, die seit einem Jahr Super-Mode-ratorin ist, und als solche in ihrer Freizeit das Forum von www.hayabusa.de mit seinen rund 3500 Usern pflegt und verwaltet. ?Die Doppel-X galt ja vor der Hayabusa als das stärkste Serienmotorrad der Welt, und später schielten die Honda-Fahrer immer neidisch in Richtung Suzuki. Ich auch, so kam ich zum Board. Aber die Honda hab’ ich trotzdem behalten", grinst die 44-Jährige. Hauptpunkt am Freitagabend war die Tombola mit 100 Preisen (die Hälfte des Erlöses von 1000 Euro geht an die Sicherheitsaktivisten von Mehrsi). Für Samstagabend hat Heike den Klassiker ins Programm geschrieben: ?Benzin-gespräche." Der Saal des Gasthofs ist mit den Treffenteilnehmern gut gefüllt. Die meisten sind Männer, kaum einer ist unter 40, nur wenige sind mit Familie angereist, die Kleiderordnung ist bürgerlich-leger. Da sticht Tom mit seinem knallroten Hemd schon aus der Menge. Tom ist Speedfreak, wie es sich für einen Hayabusa-Fahrer gehört, und trotz seiner erst 38 Jahre so etwas wie der Vater dieser Internet-Community: ?Nachdem ich 1999 gelesen hatte, dass Suzuki ein über 300 km/h schnelles Motorrad bringt, habe ich mir sofort eine bestellt und auch gleich die Internet-Domain www.hayabusa.de für mich schützen lassen." Die Website ist genauso alt wie das Bike, um das es sich darauf dreht. Welches zehnjährige Jubiläum wird also hier gefeiert? Das der Hayabusa oder das des Hayabusa-Forums? ?Keine Ahnung, irgendwie beides. Ist das wichtig?" Ist es nicht, zumindest nicht für die Board-Member. Und die 300 km/h? ?Die haben die wenigsten je auf dem Tacho gesehen", meint Tom. ?Aber schreib das nicht." Geht klar. Doch manchmal brauchen Benzin-gespräche eben einen Funken, die im Internet sowieso. Und so wichtig ist die magische 300 wohl wirklich nicht. Denn ihren Spaß auf dem tatsächlich sehr familiären Treffen hatten die Mitglieder der 300-km/h-Familie auch so.
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