Aprilia Dorsoduro 900 im Fahrbericht

Zweizylinder-Supermoto-Flitzer

Supermoto-Look und kräftiger Mittelklasse-V2: Aprilias Dorsoduro 750 war schon immer das Fun-Mobil der Italiener. Mit dem Update auf 900 Kubik Hubraum und einem ­erweiterten Ausstattungspaket soll das Grinsen auf der Aprilia Dorsoduro 900 jetzt noch breiter werden. Ob das klappt, zeigt der Fahrbericht.

So dürfen Arbeitstage gerne beginnen: Vor dir breitet sich ein sonnendurchflutetes Alpenpanorama aus, in der Hand dampft köstlicher Cappuccino, und dein Auge blickt auf eine sauber aufgereihte Parade der neuen Aprilia Dorsoduro 900. Die Männer aus Noale verkünden im nächsten Augenblick: „Schnapp dir irgendeine, vollgetankt sind sie. Fahr dem Guide hinterher und hab Spaß.“ Wer kann dazu Nein sagen? Flugs den Helm übergestülpt und einen der Zweizylinder-Supermoto-Flitzer besetzt.

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Neues TFT-Display überzeugt

Was sofort auffällt: Aprilia hat der Aprilia Dorsoduro 900 Display-mäßig auf die Sprünge geholfen, ein feines TFT-Instrument spendiert, das je nach Lichteinfall zwischen heller und dunkler Ansicht wechselt. Da freut sich die Ablesbarkeit. Einstellbare Hebel für Bremse und Kupplung am Lenker sowie für die Füße runden den guten ersten Eindruck ab. Wie von selbst packen die Hände den angenehm breiten, konifizierten Lenker, findet der Po auf der 870 Millimeter hohen, flach geschnittenen Sitzbank das passende Plätzchen.

Video zur neuen Aprilia Dorsoduro 900

Supermoto-Look und kräftiger Mittelklasse-V2: Aprilia Dorsoduro 750 war schon immer das Fun-Mobil der Italiener. Mit dem Update auf 900 Kubik Hubraum und einem erweiteren Ausstattungspaket soll das Grinsen jetzt noch breiter werden. Klappt das?

Drei Fahrmodi stehen zur Auswahl

Nach dem ersten Druck auf den Starter ist der 90-Grad-V-Motor sofort da, brabbelt sonor aus den kecken Töpfen im Heck. Mit um 15 Prozent verringerter Handkraft soll die neue Kupplung punkten, ist aber immer noch ein Stück weit von servounterstützten Exemplaren entfernt. Der erste Gang rastet sicher ein, der Motor hängt kalt sauber am Gas. Da die ersten Fahrmeter eher gemütlicher Natur sind, bleibt Zeit, die Features im Cockpit genauer unter die Lupe zu nehmen. Sport ist da zu lesen und bezieht sich auf den Fahrmodus. Davon hat die Aprilia Dorsoduro 900 drei an Bord, Touring und Rain stehen noch zur Auswahl.

Serienmäßig 95 PS

Letztgenannter kappt die serienmäßigen 95 PS auf gut 70 Pferdestärken, spricht eher zurückhaltend an. Ab dem Touring-Mode darf der per elf Millimeter Hub-Vergrößerung von 750 auf fast 900 cm³ gewachsene Motor der Aprilia Dorsoduro 900 sein volles Potenzial entfalten. Da Aprilia zudem ein neues, leichteres Ride-by-Wire samt ECU aus den V4-Modellen adaptiert hat (Marelli 7 SM), reagiert das Aggregat mit 90 Grad Zylinderwinkel aber auch im Sport-Modus mit dem aggressivsten Ansprechverhalten immer noch ruck- und lastwechselfrei auf Gasbefehle, weshalb das offensivste Motor-Mapping drinbleiben darf.

Dreistufige Traktionskontrolle neu an Bord

Ebenfalls neu bei der Aprilia Dorsoduro 900 ist die dreistufige Traktionskontrolle, die sich bei Bedarf ganz abstellen lässt. Schon die ersten kurzen Sprints aus den Kurven rund um Madonna di Campiglio machen klar: Erscheint die Drei als defensivste Variante im Display, blinkt es nur aufgeregt im Cockpit, und der Vortrieb wird zu früh gekappt. In den Stufen zwei und eins gibt es derlei Klagen nicht. Wobei die aufgezogenen Dunlop Sportmax Qualifier D 209 satte Haftung bieten, selbst beim nun flotten Strich des Guides nicht zucken. Was ihnen allerdings etwas abgeht, sind Rückmeldung und Eigendämpfung. Und mit ihrem Aufstellmoment über Längsrillen sammeln sie auch keine Pluspunkte.

Hubraumplus hat richtig gutgetan

Dafür ist dann wieder die Aprilia Dorsoduro 900 zuständig, was vor allem an ihrem Motor liegt. Das Hubraumplus hat ihr richtig gutgetan. Hinzu kommt noch: Im Gegensatz zur Shiver 900 (Fahrbericht Ausgabe 14/2017) verfügt sie über eine kürzere Endübersetzung, besitzt ein 15er-Ritzel, die nackte Schwester indes eines mit 16 Zähnen. Das macht sich weniger im Durchzug im sechsten Gang bemerkbar als vielmehr beim Rausfeuern aus den Kurven und Kehren vor Ort. Flugs dreht der Motor seinem Drehmomentgipfel von 90 Newtonmetern bei 6.500 Umdrehungen entgegen. Das sind immerhin acht Newtonmeter mehr als noch beim 750er-Vorgänger, auf welchem der Motor basiert.

Einsparungen beim Gewicht

Neben dem erweiterten Hub bei gleicher, 92 Millimeter messender Bohrung spendierten die Italiener dem Supermoto-Zweizylinder noch leichtere Kolben und Bolzen und überarbeiteten die Ölversorgung, die nun einen Ölkühler obsolet macht. Damit die Dynamik noch weitere Schärfepunkte sammeln kann, verrichtet in der Aprilia Dorsoduro 900 eine neue, 41er-Kayaba­Upside-down-Gabel Dienst, die fast ein Pfund leichter als das vormals montierte 43er-Exemplar ausfällt. Hinzu kommen noch leichtere Felgen, die das Gewicht der rotierenden Massen um mehr als zwei Kilogramm absenken sollen.

Verlässlich durch enge und weite Radien

Gute Voraussetzungen für zackigen Kurvenspaß, die aber nur im direkten Vergleich zu spüren sind. Denn gerade jetzt, beim lustvollen Ausloten der Schräglagenfreiheit, verlangt das Fahrwerk nach Aufmerksamkeit – und zwar hinten. Im Gegensatz zur Gabel, die das Vorderrad trotz 170 Millimeter Federweg kommod und straff genug führt, gautscht es hinten bei schweren Fahrern schon mal am Kurvenausgang, will die Aprilia Dorsoduro 900 wie von selbst die weite Linie wählen. Der Sachs-Dämpfer mit 160 Millimeter Federweg hinten kann in der Vorspannung und der Zugstufe angepasst werden, also flugs Erstgenannte erhöht und die Dämpfung der Ausfederbewegung um eine halbe Umdrehung geschlossen. Schon biegt die laut Aprilia 212 Kilogramm wiegende Dorsoduro präziser ums Eck, fliegt – engagiert bewegt – verlässlich durch enge und weite Radien.

Für 9.990 Euro steht die Neue beim Händler

Das macht richtig Laune, zu der die Bremsen ihren Teil beitragen. Knackig beißen die Radialzangen an der Gabel in die zwei 320er-Scheiben. Allenfalls die Dosierbarkeit dürfte sensibler ausfallen. Falls der Druck im System zu spontan steigt, greift ein Zweikanal-ABS von Continental regelnd ein, vermeidet ein blockierendes Vorderrad. Unterm Strich bleibt nach dem Erstkontakt ein breites Grinsen, wünscht sich der eine oder andere maximal ein paar Pferde mehr oben raus, schließlich besaß die 750er eine ähnliche Spitzenleistung. Aber: Aprilia will die Dorsoduro trotz sportlich-aggressiv angehauchter Optik auch für A2-Einsteiger anbieten, weshalb bei 95 PS Schluss ist. Über den Deckel beim Preis freut man sich da eher. Für 9.990 Euro steht die Aprilia Dorsoduro 900 beim Händler. Das ist exakt genauso viel wie fürs Vorgängermodell, nur dass es dafür jetzt einen satten Drehmomentzuschlag samt aufgewerteter Ausstattung gibt. Aprilias Straßen-Supermoto-Fans wird’s freuen.

Was ist neu an der Aprilia Dorsoduro 900?

Aprilia Dorsoduro 900 (Modelljahr 2017)

Motor:

  • Erfüllt Euro4
  • Hub bei gleicher Bohrung um 11 mm auf 67,4 mm vergrößert
  • Kolben reibungsoptimiert samt neuen Bolzen
  • Kupplungskraft um 15 Prozent reduziert

Fahrwerk/Ausstattung:

  • leichtere Kayaba-Upside-down-Gabel
  • leichtere Felgen
  • Ride-by-Wire leichter
  • Marelli 7 SM Ecu samt neuer Traktionskontrolle
  • TFT-Display
  • Endübersetzung durch ein um einen Zahn kleineres Ritzel verkürzt
  • Vorbereitet für Aprilia Multi­media Plattform (AMP), um das Smartphone mit dem Display zu koppeln

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