Aprilia RSV mille gegen Falco

Aprilia RSV mille gegen SL 1000 Falco: Dynamiker unter sich

Fuchsröhre, Adenauer Forst, Pflanzgarten: Wer das für Begriffe aus der Welt der Jäger und Sammler hält, liegt nicht so falsch. Auf der Jagd nach schnellen Zeiten lassen sich hier trefflich Schrecksekunden, Schwitzhände und Herzklopfen sammeln. Egal, ob Anfänger oder Kenner. Aber auch Momente innerer Befriedigung kann man hier erleben. Dann nämlich, wenn eine Passage einmal so geklapppt hat, wie es sich der Fahrer wünschte. Das gilt speziell für Anfänger. Voraussetzung freilich ist, dass das Motorrad funktioniert. Das gilt für Neulinge und Streckenfüchse gleichermaßen.
Aprilia bietet neben der Mille die Falco an. Gemeinsam ist beiden das rustikale V2-Herz mit 60 Grad Zylinderwinkel, ebenso wie der Alu-Brückenrahmen, die allerdings bei der Falco ein wenig filigraner ausfällt. Unterschiedlich hingegen die Sitzposition und die Auslegung der Federelemente. Für die reine Rennstreckenjagd die Mille, für die fröhliche Landstraßenhatz die Falco. Aber wo liegen die Unterschiede – und was sticht hier besser?
Also, ab geht’s. Von der neuen Einfahrt auf der Döttinger Höhe einfach nur geradeaus. Der Windschutz der Mille ist für einen Sportler . . .Oops, I did it again! Es geht hier nicht um touristische Qualitäten. Aber es geht auch nicht um die letzte Rille. Keine Zeiten, keine Experimente, kein Schrott. Flott unterwegs sein und sich wohlfühlen. Will heißen, genug Leistung haben, aber nicht zu viel. Angespannt sitzen, aber nicht verkrampft. Rückmeldung bekommen, aber nicht durchgeschüttelt werden. Also, wo waren wir? Ach ja, Döttinger Höhe. Nicht Vollgas, sondern rollen, sich auf dem Motorrad einrichten. Das fällt auf der Falco leichter, weil bei der Mille der Oberkörper weit über den Tank gespannt werden muss, um die tiefen Lenkerstummel zu erreichen. Die Falco gibt sich auch sportiv, aber selbstverständlicher. Und genau mit diesem Gefühl geht’s ins Kurvengeschlängel. Links, rechts, links, rechts. Vorbei an der Einfahrt zum GP-Kurs, dann scharf links herum den Berg hinunter. Während die Mille ihrem Fahrer nach anfänglichem Zögern nun formal die Hand reicht, sind Falco und Pilot schon dicke Kumpel. Mit federleichtem Handling nimmt der Sporttourer die ersten Bögen, schwengt zielgenau ein, bollert ab dem Scheitelpunkt satt raus. Und dann diese scharfe, schnelle Rechts. Die Tendenz, viel zu langsam abzubiegen, ist auf der Falco größer als auf der Mille, die spätestens jetzt beim vertrauten »Du« angelangt ist, weil die vorderradorientierte Sitzhaltung Mut macht für ein paar km/h mehr. Durch das anschließende Hatzenbach-Geschlängel steppen dann beide Aprilia so leichtfüßig wie Fred Astair selig durch diverse Hollywood-Schinken. Einfach schön und mit hohem Unterhaltungswert. Kein Wunder also, dass alle sechs Testfahrer Falco und Mille ein sehr gutes Handling bescheinigen.
Und so ballern die beiden Twins dann Kopf an Kopf aus dem Eck. Schieben nachhaltig und gleichmäßig vorwärts, die Mille etwas nachhaltiger und gleichmäßiger. Es warten Quiddelbacher Höhe, Flugplatz, Schwedenkreuz. Schnelle Kurven, furchtbar schnelle. Wie zum Hohn mit Kuppen dazwischen und Senken. Stabile Fahrwerke sind gefragt – und die haben beide. Wunderbar zielgenau und doch immer stramm auf Linie knallen die Aprilia durch die lange Doppel-Rechts, durch die ultralangen linken Bögen. Mit einem Unterschied: Die Falco macht mit ihrer leicht nervösen Heckpartie darauf aufmerksam, dass ihre Reserven erschöpft sind. Voll vorgespannt die Feder, beinahe über Gebühr zugedreht die Zugstufendämpfung: Sie hält sich wacker, aber es gibt Grenzen. Doch die sind im Fall Falco für recht weit oben angesiedelt. Folgerichtig bleibt der Sporttourer seiner Bestimmung treu und immer im Windschatten der Racing-Schwester, egal ob Fuchsröhre, Klostertal oder Hohe Acht. Die Bodenfreiheit reicht für die Nordschleife, die Bremsen sind nicht superbissig, aber gut dosierbar. Beides Eigenschaften, die auch für das V2-Herz der Aprilias gelten. Immer genug Kraft, aber – noch wichtiger – nie zu viel. Das taugt für Neulinge ebenso wie für Hobby-Rennfahrer, und selbst die Profis sind zufrieden. Der Punktevorsprung, den die Mille einsammelt, will daher interpretiert sein. Der häuft sich an, wenn’s richtig schnell wird. Mindestens diesseits der neun Minuten. Wer langsamer fährt, ist mit der Falco ebenso gut bedient. Und auf der Landstraße sogar besser.
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