Vorstellung

BMW K 1200 RS

Mit der 130 PS starken K 1200 RS bekennt sich BMW zu sportlichen Ambitionen. Kleiner Wermutstropfen: 286 Kilogramm Gewicht kosten eine Menge Kraft.

Für BMW-Fans steht die Welt seit dem 1. Oktober 1996 Kopf. Anläßlich der IFMA in Köln nämlich bekannten sich auch die Motorradbauer aus München offen zur Leistung. Die neue K 1200 RS stellte mit der Telelever-Vorderradaufhängung aus der Boxer-Baureihe nicht nur fahrwerkstechnisch das Beste zur Schau, was die weißblaue Marke zu bieten hat, sondern ihre Erbauer kitzelten zur Freude ihrer sportlicher angehauchten Kunden aus dem liegenden Vierzylinder glatt 130 PS heraus. Wahrlich eine kleine Sensation, wenn man bedenkt, daß die Bayern im letzten Jahrzehnt so lange an der 100 PS-Grenze festhielten, bis schließlich die Vermutung keinte, sie schafften einfach nicht mehr.Dem ist wohl nicht so. Für den Leistungssprung um 30 Prozent zeichnet nicht nur das Hubraumplus gegenüber der alten K 1100 RS verantwortlich - ein fünf Millimeter längerer Hub ermöglich jetzt 1171 statt 1092 cm³. Kürzere Saugrohre vor der Einspritzanlage und ein verändertes Kennfeld der Motorelektronik sorgen ebenfalls für den Leistungsschub, der bei einer Drehzahl von 8750/min endet. Eine 98 PS-Variante - hier dreht der Vierzylinder nur bis 7000 Touren hoch - bietet BMW ebenfalls an. In Deutschland und Frankreich sogar ausschließlich, aber weniger aus versicherungstechnischen Gründen, sondern weil die Einführung einer EU-Betriebserlaubnis mit einheitlicher PS-Obergrenze immer noch auf sich warten läßt. Solange hier nichts entschieden ist, wollen die Bayern an dem bestehenden Gentlemen-Agreement festhalten, auch wenn die Japaner längst wettrüsten, was das Zeug hält.Vorerst also muß der K 1200 RS-Kunde einen geschäftstüchtigen BMW-Dealer finden, der die PS-trächtigen Teile aus dem Ausland, etwa aus England, besorgt, einbaut, und die Einzelabnahme ermöglicht. BMW München leistet hier keine Hilfestellung.Schade, denn offen hat die neue K richtig Dampf: Mehr als 100 Nm bereits ab 3500/min, in der Spitze bei 5500/min gar 118 Nm versprechen satte Durchzugswerte. Da wird ein Loblied fällig auf die erhöhte Verdichtung, die geänderten Steuerzeiten sowie das um einen auf sieben Liter erhöhte Airbox-Volumen. Und wie alle modernen Hochleistungsmotoren kommt auch dieser Vierzylinder um eine Staudruckaufladung, eine Zwangsbelüftung über die Verkleidungsfront à la Kawasaki, Honda oder Yamaha also, nicht herum. Auch an der Laufkultur, am Ansprechverhalten und an der Drehfreudigkeit des großvolumigen Vierzylinders soll sich einiges verbessert haben: Ventile mit geringerem Schaftdurchmesser sparen Gewicht, leichtere Kolben und Kolbenbolzen reduzieren die zu beschleunigenden Massen.Wie der Sporttourer selbst geht auch die Motronic der K 1200 RS in die dritte Generation. Mit durchaus praktischen Nebenwirkungen, denn dank Kaltstartautomatik und elektronisch gesteuertem Drosselklappenansteller entfällt nunmehr der obligatorische Chokehebel. Weiterer Nutzen der neuen Motronic MA 2.4: Angeschlossen an einen mobilen Diagnose-Computer sollen Fehler in der Bordelektrik im Nu entlarvt sein.Die K 1200 RS ist auch der erste BMW-Vierzylinder, den ein neu entwickeltes Sechsganggetriebe ziert. Ein überarbeiteter Schaltautomat soll Schaltkomfort und Schaltpräzision verbessern. Und weil sich die Paraleverschwinge von nun an nicht mehr im Getriebegehäuse, sondern im Rahmen dreht, dürften die Schaltvorgänge künftig geräuschärmer vonstatten gehen.Anders als der neue Boxer nämlich trägt die K 1200 RS wieder einen »echten« Rahmen. Statt sowohl die Telelever-Vorderradaufhängung als auch die Paraleverschwinge im Motor zur lagern, übernimmt ein Aluminiumgußrahmen die tragende Aufgabe. Nur so war es möglich, den Motor durch massive Gummielemente schwingungstechnisch völlig vom Fahrwerk zu lösen, ohne die Fahrstabilität negativ zu beeinflussen.Während die neuen 3,5 beziehungsweise fünf Zoll breiten Leichtmetallgußräder mit fünf schicken Doppelspeichen prunken, vorn einen 120/70 und hinten einen 170/60 breiten Reifen aufnehmen, verläßt sich BMW bei der Wahl der Bremsanlage auf Bewährtes und greift vorn wie hinten samt ABS der zweiten Generation auf K 1100 RS-Teile zurück. Wie das ABS werden auch die beiden (!) geregelten Katalysatoren zur Standardausrüstung der 27 400 Mark teuren, 286 Kilogramm schweren K 1200 RS gehören.Daß der Sporttourer, anders als einige wichtige Konkurrenten, nochmals Gewicht zulegen mußte, trübt die Vorfreude. Auch dann, wenn das erweiterte Ergonomiepaket in Sachen Fahrerhaltung alles hält, was es verspricht. Der Lenker ist dreifach längs- und höhenverstellbar, die einteilige Sitzbank kann über drei Zentimeter in der Höhe , sogar die Fußrastenanlage horizontal um 30, vertikal um 26 Millimeter variiert werden. Da scheint geradezu selbstverständlich, wenn auch das Windschild in zwei Positionen arretiert.Neukonstruierte Lenkerarmaturen mit ergonomisch günstiger plaziertem Hupenknopf und integriertem Schalter für die Warnblinkanlage sowie die hydraulische Kupplungsbetätigung und die automatische Blinkerabschaltung runden die Bemühungen um des Fahrers Wohl ab.Und im Cockpit darf er dann Designer-Werke bestaunen: Runde Einzelinstrumente bis hin zur Wassertemperatur- und Benzinstandsanzeige, ganz dominant und zentral angeordnet der Drehzahlmesser. Zum Schluß als »Highlight« noch der Tandemscheinwerfer. In seinem Zentrum sitzt eine H7-Glühlampe für das Abblendlicht, direkt davor ein kleiner Spotreflektor mit einer H3-Lampe, die dem Abblendlicht bei Aufblenden zugeschaltet wird. Eine neuartige Lichttechnologie, die unsere Straßen aber so schnell noch nicht erleuchten wird. Erst ab nächstem Frühjahr strahlt die K 1200 RS in den Schaufenstern der Händler.

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