Ecomobile

Steuerparadies

Ein Steuererlebnis der besonderen Art lockt in die Schweiz: eine Fahrt im Cockpit des Super-Ecomobiles mit dem Antrieb der BMW K 1200 RS.

Das Schicksal eines Visionärs teilt der Schweizer Flugzeugkonstrukteur Arnold Wagner mit seinem berühmten Kollegen Ferdinand Piech. Den obersten VW-Lenker möchte er denn auch bald kennenlernen. Um ihm das Konzept seines Ecomobiles, eines Kabinenmotorrads, das seinesgleichen vergeblich sucht, nahezubringen.
Denn Wagner, pensionierter Jumbo-Pilot der Suisse Air, sieht in seinem zweirädrigen Vehikel, in dem der Fahrer wohlbehütet und vollständig umgeben von einer Karosserie im edlen Schalensitz kauert, das ideale Zukunftsfahrzeug. Sparsam im Verbrauch, wenig Verkehrsraum beanspruchend und ziemlich schnell. Der ideale Kompromiß zwischen Auto und Motorrad also, so sieht es der Eidgenosse aus Winterthur zumindest. »Wenn ein großer Automobilhersteller das Prinzip des Ecomobiles übernähme, könnte es sicher für 25 000 Mark gebaut werden.« Denn der Konstrukteur erhofft sich, das Prinzip Eco möge eines Tages als konstruktive Basis zu einer Art Volksgefährt gereichen.
Bislang konnten sich die Automobilkonzerne mit dieser Sichtweise noch nicht recht anfreunden. Als Wagner kürzlich die BMW-Führungscrew um Bernd Pieschetsrieder zu ausgiebigen Probefahrten einlud, zeigten sich die Herren zwar begeistert, das war`s aber auch schon. Nun hofft Wagner auf den Visionär an der Spitze des VW-Konzerns. Bis es soweit ist, lautet die Devise: Wir bauen ein Luxus-Vehikel für Wohlbestallte, denen ein Auto zu langweilig und ein Motorrad zu ordinär vorkommt. Schon wegen der Handarbeit muß der Eco-Bauer auf minderbemittelte Kunden derzeit verzichten. »Allein die zugekauften Teile kosten mehr als 55 000 Mark.« So geriet das Eco in seiner neuesten Version folgerichtig zu einem üppig ausgestatteten, futuristischen und 139 500 Mark teuren Fahrgerät.
Zweifarbiges Leder ziert die beiden hintereinander angeordneten Schalensitze, eine Klimaanlage macht das Ausharren in der selbsttragenden Zelle aus glasfaserverstärktem Kunstoff erträglich. Zum Serienumfang gehört ein aufwendiges Radio mit vier Lautsprechern, der betuchte Käufer gönnt sich dazu ein Satelliten-Navigationssystem, welches das abhebende Gefühl in der ähnlich einem Flugzeugrumpf konstruierten Kapsel noch verstärkt. Funktelefon sowieso, vielleicht noch eine Sitzheizung, die im Winter wichtige Körperteile wärmt. Denn das Eco taugt als Ganzjahresfahrzeug.
Übergehen wir das aufwendige Zeremoniell des Einsteigens und Anfahrens und erleben das ergreifende Fahrfeeling. Nachdem die Stützräder per Knopfdruck blitzschnell in ihren Aufnahmen in der Karosse verschwunden sind, beschleunigt das Eco wie ein Porsche. Dank des extrem niedrigen Luftwiderstands geht dem vom 130 PS starken Vierzylinder der K 1200 RS befeuerten Ei erst bei 260 km/h die Puste aus. Dieses Tempo zu fahren erfordert einige Konzentration. Luftverwirbelungen zerren an der Karosserie, jeden noch so kleinen Impuls am Motorradlenker beantwortet das Kabinengefährt mit Schlangenlinien. Neben dem Autobahnheizen - Wagner nennt es »Daimler jagen« - kommt bei der Kurvenhatz richtig Freude auf. Trotz des ultralangen Radstands kippt das Eco äußerst willig in Schräglage, denn der Schwerpunkt sitzt sehr tief. Der Grenzbereich birgt weniger Probleme als bei einem konventionellen Motorrad. Im schlimmsten Fall rutscht die Fuhre hinten weg, das Stützrad fängt aber den Schlenker auf. Unter Eco-Fahrern gehört es auf der Rennpiste ohnehin zum guten Ton, auf drei Rädern ums Eck zu fegen.
In der modernsten Version verfügt das Super-Eco über eine ABS-unterstützte Verbundbremse. Per Fußpedal wird eine vordere und die hintere Scheibenbremse aktiviert. Im Zweifelsfall voll drauftreten - fertig. Sollte die Bremsanlage einmal ermüden - auf Rennkursen geschieht das schon mal -, hilft die Zusatzbremse, per Handhebel betätigt, aus der Bredouille.
Schade, daß nur wenige in den Genuß des Eco-Fahrens kommen. Allein mit Steuern sparen ist das skurrile Vehikel nicht zu finanzieren.
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Ecomobile (FB)

Peraves Super-Ecomobile K 1200 RS (Turbo-Eco K 100) MotorWassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, Kurbelwelle längsliegend, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier über Tassenstößel betätigte Ventile pro Zylinder, Naßsumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, Motormanagement, zwei geregelte Katalysatoren, E-Starter, Drehstromlichtmaschine 720 W, Batterie 12 V/40 Ah.Bohrung x Hub 70,5 x 75(70 x 67) mmHubraum 1171 (987) cm³Verdichtungsverhältnis 11,5(XX) : 1Nennleistung 130 PS bei 8700/min (143 PS bei 7000/min) Max. Drehmoment 117 Nm bei 6800/min (142 Nm bei 4800/min).Kraftübertragung/Fahrwerk/BremsenEinscheiben-Trockenkupplung. Vierganggetriebe mit elektrisch entsperrbarem Rückwärtsgang, elektrisch geschaltet, Kardanantrieb, Telegabel vorn, BMW Monolever hinten, drei Scheibenbremsen mit Vierkolbenzangen, hinten innenbelüftet, Vollverbund- und elektronisches Antiblockiersystem, mechanische Parkbremse auf Hinterrad, elektrisch ausfahrbares Stützfahrwerk mit Pannen-Handzug.Federweg vorn 130 mm hinten 115 mmFelgengröße vorn 3.00 X 17 hinten 4.50 X 18 wahlweise hinten 5.00 X 17Reifengröße vorn 130/80 VB 18 hinten 160/60 VB 17 wahlweise hinten 180/55 ZR 17KarosserieSelbsttragende Schalenkonstruktion aus GFK, Stahlrohrkonstruktion für Motoraufhängung und Hinterradlagerung,AusstattungLeder-Schalensitze, Heizungs- und Belüftungsanlage mit Dreistufengebläse, Spiegelheizung, Klimaanlage, Becker Mexiko RDS-Audiosystem; auf Wunsch Satellitennavigationssystem, Sitzheizung, Vakuumservobremse, AirstabsystemMaße und GewichteLeergewicht 460 kg. Tankinhalt 47 Liter. Kofferraum 200 Liter. Zulässiges Gesamtgewicht 685 kg. Service 20.000 km bzw. jährlich. Garantie 1 Jahr, Karosserie 25 Jahre.Preis (inklusive MwSt. und Nebenkosten, ab Werk): Super-Eco K 1200 RS 139 500 MarkTurbo-Eco 147 500 MarkInfos: Peraves AG, CH 8406 Winterthur, Telefon 0041/52 202 54 24, http://www.meos.ch/peraves

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