Fahrbericht Bimota SB 8 R

Gebt Acht!

Ende 1997 präsentierte Bimota die SB 8 R, Anfang 1998 die ersten Prototypen, jetzt die ersehnte Serienversion. Hat sich das Warten gelohnt?

Die Geschichte der Bimota SB 8 R beginnt auf dem Mailänder Salon 1997. Verbundrahmen, feinste Federelemente, viele Kohlefaserteile, dazu der kraftvolle Suzuki-TL 1000 V-Zweizylinder - ein echter Appetithappen unter den Supertwins. Im Februar 1998 nimmt MOTORRAD dann Kontakt mit den ersten Prototypen auf. Die Probefahrt verläuft vielversprechend, die Vorfreude auf die Serienmotorräder ist geweckt. Aber ach, die lassen auf sich warten. Erst jetzt, im März 1999, präsentierte Bimota die Serienversion der SB 8 R. 400 der exklusiven Stücke sollen produziert und für knapp 40 000 Mark unters Volk gebracht werden. Kein Sonderangebot, aber angesichts der Ausstattung auch nicht unbedingt zu viel.
Technisch hat sich seit der ersten Ausfahrt recht wenig verändert. Neu ist vor allem die Einspritzanlage, die nun nicht mehr von TDD, sondern von Weber-Marelli stammt. Anders als zuvor wird der Kraftstoff nun wieder mit, nicht gegen die angesaugte Luft eingespritzt, allerdings in unterschiedlichem Winkel zum Suzuki-Original. Andere Einspritzdüsen - zwei pro Einlaßkanal - sollen eine sehr feine und homogene Kraftstoffzerstäubung gewährleisten. Die 59 Millimeter durchmessenden Ansaugschlünde bleiben, allerdings wuchsen die Lufteinlässe an der Verkleidungsfront im Querschnitt, wovon sich die Bimota-Konstrukteure einen höheren Luftdurchsatz und somit gute Füllung versprechen. Das Verkleidungsoberteil besteht jetzt übrigens aus Kohlefaserlaminat.
Das Fahrwerk präsentiert sich gegenüber dem 1998er Stand leicht modifiziert: Nach wie vor läßt sich der Lenkkopfwinkel durch exzentrische Einsätze variieren, die im Steuerkopf geklemmt sind. Die Innereien der Paioli-Upside-Down-Gabel mit beschichteten Standrohren profitieren nochmals von kräftiger Überarbeitung. Ein Öhlins-Lenkungsdämpfer hält eventuelles Kickback des in massiven Alu-Brücken geklemmten Teils im Zaum. Die Öhlins-Mannen steuern auch das hintere Federbein bei.
Eine lange Schubstange überträgt die Bewegungen der voluminösen Alublechschwinge auf Umlenkung und Federbein. Im Interesse guter Massenkonzentration - Bimota propagiert eine Gewichtsverteilung von 51 zu 49 Prozent, was für einen Supersport-Twin äußerst gelungen wäre - lagern diese vor dem Schwingendrehpunkt, oben zwischen Rahmen und hinterem Zylinderkopf. Apropos Rahmen: Das laut Bimota extrem torsionssteife wie auch leichte Teil besteht aus einem großdimensionierten Verbund. Die mit dem Lenkkopf verschweißten Rahmenprofile sind mit den Kohlefaserplatten, die die Schwingenlagerung aufnehmen, gleichzeitig verschraubt und verklebt. Auch die Schwinge geriet üppig, Steifigkeitsprobleme sollten diesem Fahrwerk fremd sein. Im Interesse kurzer Baulänge hoben die Bimotisti den Motor vorn um sechs Grad an.
Viel schöne und pfiffige Technik also, aber entscheidend ist natürlich das Benehmen des exklusiven Zwillings. Der erste optische Eindruck täuscht. Trotz der voluminösen Verkleidung mit dem im Tank verschwindenden Ansauggeröhr bietet die SB 8 R einen äußerst schmalen Knieschluß. Schnell kommt Freude an der Sitzposition, die den Fahrer integriert, und der guten Bewegungsfreiheit auf. Die flache Verkleidungsscheibe schützt ganz gut vor Wind und Wetter, und der 1000er V2 hängt noch knackiger am Gas als in der TL 1000 R. 135 Pferde will man gemessen haben. Diese posaunen ihr Temperament mit sattem Ton aus den Arrows-Schalldämpfern und haben gefühlsmäßig leichtes Spiel mit der nominell nur 193 Kilogramm wiegenden SB 8 R.
Superhandlich ist die Bimota auch mit unkonventionellem 120/65 ZR 17-Vorderreifen nicht geraten. Im Kreise supersportlicher Zweizylinder gehört sie aber selbst verglichen mit einer RSV mille zur leichtfüßigen Fraktion. Beim Bremsen in Schräglage stellt sich die Sportlerin kräftig auf, was aber ebenso der Bereifung anzulasten sein dürfte wie das leichte Rühren um die Hochachse, daß die SB 8 R bei Highspeed vollführt. Wie schon so oft überzeugt die Brembo-Bremsanlage nicht restlos. Sie verzögert erst nach kraftvollem Zug am Handhebel zufriedenstellend und verwässert so das Gefühl für die Dosierung. Andere Beläge könnten hier Wunder wirken, unverständlich, daß fast alle Italiener die Brembos immer wieder so verbauen. Ansonsten viel Sonnenschein: Sehr präzise folgt die SB 8 R Lenkbefehlen, wozu die steife, sensibel ansprechende Gabel ihren Teil beiträgt. Die informiert auch stets klar über den Fahrzustand des Vorderrads. Die Hinterradaufhängung arbeitet angenehm unauffällig und sorgt im Verein mit dem tollen Federbein für satten Grip und gute Rückmeldung. Für den Rennstreckenbetrieb dürfte die Feder noch ein bißchen straffer sein, was bei Bimota Deutschland aber schon im Lastenheft steht. Bodenfreiheit? Riesig und lediglich durch die Reifenhaftung limitiert.
Unterm Strich keine schlechte Vorstellung: Ein von den Anlagen tolles Sportmotorrad, das die gute Funktion hoffentlich in der Serie bestätigt. Andere Reifen iund Bremsbeläge würden die Schönheitsfehler wahrscheinlich im Handumdrehen beseitigen. Auf jeden Fall macht die SB 8 R Lust auf den ersten Vergleichstest.
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Black Power - SB 8 R Special

Sie ist klein, sie ist schwarz, und sie wirkt ungeheuer muskulös. Die Bimota SB 8 R Special präsentiert sich ganz im dunklen Kohlefaserkleid. Aber nicht nur die Schale, sondern auch einige Anbauteile werden aus dem leichten und stabilen High-Tech-Werkstoff gefertigt. Sei es das selbsttragende Monocoque-Heck, sei es die Schubstange des Schaltgestänges, oder die Fußschützer der Fußrastenanlage. An selbiger ist übrigens die Rastenposition einstellbar. In Verbindung mit etlichen Leichtteilen spart die Special gegenüber der normalen SB 8 R immerhin zwei Kilogramm Gewicht ein. Spielentscheidender ist aber die optische Aufwertung, und die treibt den Preis um stolze 3000 Mark in die Höhe.Für Rennstreckenheizer bietet Bimota allen SB 8 R-Fahrern einen Kit, der neben einer offenen Arrow-Auspuffanlage auch noch Magnesium-Gabelbrücken (mit Steuerrohr aus Ergal) und Schnellverschlüsse für die Räder umfaßt. Per Handrad lassen sich an einer speziellen Blackbox acht verschiedene Zünd-/Einspritzkennfelder aufrufen, die so angelegt sind, daß die Anpassung der SB 8 R an andere Ansaug- oder Auspuffkonfigurationen leicht fallen sollte.Vom Jahr 2000 an plant Bimota, das Potential der SB 8 R in der Superbike-WM unter Beweis zu stellen. Die laufende Saison wird für Tests genutzt, während derer die SB 8 R einzelne Läufe der italienischen Superbike-Meisterschaft bestreiten soll. Auf jeden Fall wird das Team Bimota-Könemann die Langstrecken-WM 1999 mit der eigenständigen Italienerin bereichern.

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