Fahrbericht BMW C1

Less risk, more fun

Wer behauptet da, ohne Risiko gäbe es keinen Spaß? Sicher wie ein Kleinwagen, sagt BMW, ist der neue 125er-Roller C1. Deshalb darf er als einziges Zweirad ohne Helm gefahren werden. MOTORRAD hat ihn ausprobiert.

Es regnet selten in Marbella. Das prädestiniert den gepflegten Badeort und Jachthafen an Südspaniens Küste nicht nur für Urlaub, sondern auch für Fototermine zu Jahreszeiten, die in Deutschland als eher unfreundlich gelten. Der März zum Beispiel: Höchste Zeit für BMW, die Serienversion des C1 vorzustellen. Denn schon im April soll der innovative 125er beim Händler sein.
Mit ihrem ersten Roller haben sich die Münchner viel vorgenommen. Nicht nur, dass er als erster Viertakt-125er einen geregelten Kat hat und trotzdem das erlaubte 15-PS-Limit ausschöpft. Nein – eine ganz neue Kategorie von Fahrzeug sieht BMW im C1. Er soll typische Roller-Eigenschaften wie leichte Handhabung, Wendigkeit und Wetterschutz mit der passiven Sicherheit eines modernen Kleinwagens verbinden. Eine Art Brückrahmen aus Aluminium, zwei Überrollbügel, eine Frontpartie mit Knautschzone und der erstmals an einem Roller verwendete Telelever vollbringen zusammen mit seitlichen Protektoren, Kopfstütze und einem aufwendigen Mehrpunkt-Gurtsystem das Wunder. Lohn der Mühe: Schon jetzt ist in vielen europäischen Ländern (inklusive Deutschland) erlaubt, den C1 ohne Helm zu fahren.
Vor das Fahren haben die BMW-Techniker allerdings zwei Hürden gesetzt. Stecken die Gurte nicht im Schloss, lässt sich der Motor zwar starten, kommt aber nicht auf die zum Anfahren erforderliche Drehzahl. Dafür sorgt das elektronische Motormanagement, das auch noch andere schlaue Dinge kann: Es regelt den Kaltlauf, heizt der Lambdasonde ein, erhöht bei schwacher Batterie die Leerlaufdrehzahl, und selbstverständlich ist es auch für Zündung und Einspritzung zuständig.
Nach dem Angurten heißt es Abbocken. Zwei Hebel unter dem Lenker müssen gezogen und gedrückt werden – der große zuerst. Er hebt und senkt das Vorderrad, der kleine Hebel klappt den Ständer ein und aus. Beim Aufbocken, logisch, funktioniert die Sache umgekehrt. Beides geht leicht, der C1 steht sicher.
Und wie fährt er sich? So simpel wie jeder moderne Automatikroller: Gas geben, lenken, bremsen – das ist alles. Fliehkraftkupplung und stufenlose Variomatik übertragen das Antriebsmoment ans Hinterrad. Der wassergekühlte Vierventiler schiebt den leer 185 Kilogramm schweren C1 samt nicht unbeträchtlichem Fahrergewicht kräftig genug an, um an der Ampel zügig wegzukommen. Und wenn der BMW-Roller mal in Schwung ist, rappelt er sich laut Tacho zu 110 km/h auf.
Für helmgewohnte Zweiradler wirkt die ungedämpfte Wahrnehmung der vom Antrieb produzierten Geräusche auf den ersten Kilometern fast erschreckend. Die ganze Betriebsamkeit von Ansaugen, Auspuffen, rotierenden Massen, schleifenden Riemen, Scheiben und Rollen stürmt akustisch auf den Fahrer ein. Freilich ist das alles ganz normal, und ein vorbeifahrender C1 klingt auch nicht anders als etwa ein Aprilia Leonardo 125, in dessen Rotax-Motor der modernere BMW-Antrieb wurzelt.
Beeindruckender als die Geräuschkulisse, an die man sich rasch gewöhnt, sind die anderen Reize, die das C1-Fahren vermittelt. Guten Gewissens ohne Helm, Handschuhe und sonstige Schutzkleidung auf ein Zweirad steigen, zügig durch die Stadt und mit hundert Sachen über die Autobahn brausen – das hat schon was. Und das Schönste: Windgeräusche bleiben praktisch drausen. Kein Wummern, kein Gejaule am Helm. Der kühlende Luftzug um Kopf und Hüften wird im Sommer zur Wohltat.
Richtig gut gelungen ist das Fahrwerk. Die Befürchtung, der C1 sei wegen seines Aufbaus toplastig, stellt sich als grundlos heraus. Niedrige Sitzposition und hoher Lenker vermitteln das Gefühl exakter Kontrolle. Enges Wenden, Schritt fahren – kein Problem. In schnelleren Kurven üben selbst routinierte Zweiradfahrer anfangs Zurückhaltung. Obwohl es viel zackiger ginge, traut man sich nicht. In zu ungewohnter Weise führen die vorderen Streben des Überrollbügels die Schräglage vor Augen. Es braucht ein paar Kilometer, bis dieses Schauspiel seine Wirkung verliert. Dann kann man auch den C1 flott ums Eck scheuchen. Lenkpräzision und Richtungsstabilität sind dank langen Radstands und großer Räder für Rollerverhältnisse ausgezeichnet.
Wer sich auskennt und weiß, wie schlecht manche Roller auf holprigen Straßen zurecht kommen, wird den BMW-Telelever an der Front erst richtig schätzen. Er spricht gut an, hält das Vorderrad sauber in der Spur und vermittelt trotz straffer Abstimmung guten Komfort. Den beiden dazu passend ausgelegten hinteren Federbeinen verdirbt allerdings die Rückenlehne den Applaus, denn sie versetzt dem Fahrer bei derben Schlaglöchern schon mal einen Tritt ins Kreuz. Wer auf minderwertigen Straßen aufs Anlehnen verzichtet, findet den ersehnten Komfort.
Einfach klasse sind die Scheibenbremsen vorn und hinten, die bei den Präsentationsmodellen mit dem aufpreispflichtigen, sanft regelnden ABS kombiniert waren: Mit wenig Handkraft sind sie fein dosierbar und packen bei Bedarf kraftvoll zu.
Der C1 wäre kein BMW, ließe er sich nicht mit zahlreichen Extras komfortabler ausrüsten. Gepäcksystem, Notsitz, Audiovorbereitung, Leseleuchte, Sitz- und Griffheizung, Aktenkoffer – die Zubehörliste ist endlos lang. Serienmäßig sind die Frontscheibe aus Glas samt Scheibenwischer und -wascher. Ob der Fahrer trocken bleibt, konnte in Marbella freilich nicht ausprobiert werden. So gesehen ist es fast schade, dass es dort so selten regnet.
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