Fahrbericht Harley-Davidson FXDX Dyna Super Glide Sport

Alles bleibt anderst

Jetzt ist es passiert! Keine Rede mehr von »good vibrations«. Die überarbeitete Super Glide Sport: Das ist die Diskussion über Zugstufendämpfung und Federvorspannung. Oder doch nicht?

Harley-Davidson: für die einen die einzig erbauliche Art, sich auf zwei Rädern fortzubewegen, für die anderen ähnlich sinnstiftend wie alkoholfreies Bier . So ist das – und so wird das immer bleiben. Jedenfalls, wenn man den Dogmatikern hüben wie drüben Glauben schenkt.
Dass ausgerechnet Harley selbst antritt, um bei den richtigen Motorrädern – der 1200er-Motor der Sportster Sport läuft in Hardcore-Kreisen höchstens unter Schnappsglasklasse – zwischen beiden Parteien eine Brücke zu schlagen, ist erfreulich. Vor allem, weil sich doch zumindest in der jüngeren Vergangenheit mit der selbst auferlegten Enthaltsamkeit in Sachen Fahrdynamik ein gutes Geschäft machen ließ.
Dabei bleibt es natürlich, auch wenn die für das Modelljahr 2000 gründlich überarbeitete Dyna Super Glide Sport mit Goodies aufwartet, die für sich betrachtet eindeutig in Richtung Fahrwerks-high tech gehen. Nach wie vor satte 300 Kilogramm schwer, verbinden nun eine voll einstellbare Gabel und zwei in Federbasis und Zugstufendämpfung justierbare Federbeine die gefederten und ungefederten Massen. Dass zudem Gabel und Federbeine über progressiv gewickelte Federn verfügen, im Heck gar gasdruckunterstützt gedämpft wird, zeigt die Richtung auf und wird von den neuen Vierkolben-Festsattelbremsen vorne und hinten nochmals unterstrichen. Dyna goes sportwärts.
Um diesen Anspruch zu unterstreichen, rollt hinten ein 150er-Reifen statt des bisherigen 130ers. Dafür wurde der Zahnriemen schmaler, dank des Einsatzes von Kohlefaser aber auch standfester.
Ob das alles reicht, um aus einer Harley einen Sportler zu machen? Sicher nicht. Soll auch nicht. Harley spricht von »Sport Custom«, möchte neben der traditionellen Klientel auch routinierte Fahrer anderer Marken ansprechen. Darum bleibt beim ersten Fahrtermin im sonnigen Portugal die Rennstrecke von Estoril links liegen. Es locken Landstraßen jeder Ordnung.
Also den Choke zwischen den beiden Zylindern gezogen, Druck aufs Knöpfchen – und da sind sie wieder, die Vibrationen. Unübersehbar schüttelt sich der Twin zwischen den Beinen, der in der Dyna-Reihe ohne die Ausgleichswellen der B-Version des Twin Cam 88-Motors auskommt. Scheinbar entkoppelt von der Peripherie, weil der Motor in Gummilagern hängt. Aber nur scheinbar. Bemerkbar machen die Vibrationen sich immer. Genau wie das Getriebe. Ein Knall, der Erste sitzt. Der Milwaukee-Twin stampft los. 68 PS aus fast 1500 Kubikzentimetern: Das geht ab 1500/min schön ruckfrei und gleichmäßig. Wenn es sein muss, bis hin zum roten Bereich bei 5500/min. Theoretisch. Praktisch entwickelt der linke Fuß auf seinem Weg zum letzten Gang zwar keine Hektik, wohl aber eine Dynamik, die sich trefflich mit dem grundsätzlichen Charakter der Dyna Glide Sport verbindet und den ganzen Fahrer ruck, zuck vereinnahmt. Sport – das ist bei Harley nicht der Ritt auf der letzten Rille. Sport ist, wenn selbst bei zügigem Tempo straßenbauliche Gegebenheiten wie Fahrbahnunebenheiten, Kurven, aber auch kilometerlange Geraden den Fahrgenuß nicht nachhaltig stören.
Diese Vorgabe erfüllt die aufgepeppte Sport-Dyna durchaus überzeugend. Die neue Gabel glänzt mit feinem Ansprechverhalten, ohne bei schärferen Bremsmanövern – und dazu sind die Vierkolbensättel vorne wie hinten durchaus in der Lage – ungebührlich weit abzutauchen oder gar auf Block zu gehen. Etwas härter sind die Federbeine ausgelegt, aber auch hier gilt: Reserven sind immer vorhanden. Begrenzt wird das Vergnügen eigentlich nur von der geringen Schräglagenfreiheit. Rechts setzt die Fußraste auf, links suchen Fußraste und unterer Schalldämpfer schnell Kontakt zur Fahrbahn und signalisieren: Jetzt reicht´s, das war zu forsch.
Oder doch nicht? Weil die Qualitäten der Harley weiter reichen als ihre Bodenfreiheit, schlägt jetzt die Stunde der Wahrheit. Problemlos sind die hinteren Federn mittels Hakenschlüssel komplett vorgespannt, die Zugstufendämpfung wird fast zugedreht. Gleiches gilt für die Dämpfung der Gabel. Ergebnis: Die Dyna fühlt sich deutlich straffer an, setzt später auf und gewinnt an Handlichkeit. Lässt sich recht behände von einer Schräglage in die nächste werfen, schiebt gelassen aus den Ecken, macht einfach Spaß. Der könnte allerdings noch höher sein, wenn die Handkraft am Bremshebel geringer wäre. Oder wenn die wirkungsvolle Hinterradbremse besser dosierbar wäre. Deren Hebel liegt nämlich so hoch, dass der Fuß von der Raste genommen werden muß und so – praktisch frei schwebend – feinmotorischen Ansprüchen nicht mehr genügt. Und noch ein kleines Manko: In schnellen Kurven pendelt auch die sportlichste Dyna ein wenig. Trotz neuer Federelemente.
Doch diese Eigentümlichkeiten sieht man ihr nach. Genau wie das Zündschloss unter der Sitzbank, das separate Lenkschloss oder den trotz Überarbeitung immer noch nicht gut erreichbaren Seitenständer. Denn auch wenn an der Dyna vieles anders ist, bleibt alles anders. Da bleibt Harley sich selbst treu.
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Technische Daten - HARLEY - DAVIDSON Dyna Super Glide Sport

DatenMotor: Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor, Kurbelwelle querliegend, zwei untenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, zwei Ventile pro Zylinder, Hydrostößel, Kipphebel, Trockensumpfschmierung, ein Keihin-Gleichdruckvergaser, Ø 40 mm, kontaktlose Transistorzündung, ungeregelter Katalysator, E-Starter, Drehstromlichtmaschine 416 W, Batterie 12 V/20 Ah.Bohrung x Hub 95,3 x 101,6 mmHubraum 1449 cm³Verdichtungsverhältnis 8,8 : 1Nennleistung 50 kW (68 PS) bei 5500/minMax. Drehmoment 106 Nm (10,8 kpm) bei 2900/minKraftübertragung: Primärantrieb über Duplexkette, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Zahnriemen, Sekundärübersetzung 70:32.Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Standrohrdurchmesser 39 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Stahlprofilen, zwei Federbeine, verstellbare Federbasis, Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Vierkolbensättel, Ø 292 mm, Scheibenbremse hinten, Vierkolbensattel, Ø 292 mm.Speichenräder 2.15 x 19; 3.00 x 16Reifen 100/90 H 19; 150/80 B 16Fahrwerksdaten: Radstand 1607 mm, Lenkkopfwinkel 62 °, Nachlauf 104 mm, Federweg v/h 175/78 mm.Maße und GewichteL/B/H 2325/940/1200 mmSitzhöhe 685 mmWendekreis mmGewicht vollgetankt 300 kgZulässiges Gesamtgewicht 492 kgZuladung 192 kgRadlastverteilung v/h 45/55 %Tankinhalt/Reserve 18,6/1,9 LiterGarantie ein Jahr ohne KilometerbegrenzungFarben Schwarz, Blaumetallic, Silbermetallic, Orangemetallic, RotLeistungsvarianten 34 PS (25 kW)Preis inkl. MwSt. 27 200 Mark

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