Fahrbericht Magni Sport 1200 S

Ciao bella!

Fragt nicht nach der Leistung. Und nicht nach dem Preis. Fragt nicht nach Sinn und Zweck. Zunächst mal zählt, dass es Motorräder wie diese MV Agusta-Replika gibt. Weil ein Leben ohne sie nur halb so schön wäre.

Ja, die Welt braucht solche Motorräder. Motorräder, die weder »nutz« oder »multi« noch »hyper« oder sonst was sind, sondern einfach nur »da!« – und dabei schön. Wir brauchen sie, um herunterzukommen von diesem flachen Waschmittel-Slogan-Denken: »Jetzt noch frischer, stärker, besser. Nicht nur sauber, sondern rein.«
Die Magni Sport 1200 S ist sauber – und das reicht. Eine saubere Nachbildung der MV Agusta 750 S, des italienischen Vierzylinder-Wunders aus dem Jahr 1974, das bereits am Tage seiner Geburt heilig gesprochen wurde: 72 PS, 14000 Mark – vor einem Vierteljahrhundert nagelten solche Zahlen den echten Freak ans Garagentor. Hilflos musste er zusehen, wie die Reichen mit der Göttlichen von dannen zogen. Ihm blieben mit etwas Glück eine Honda CB 750 und der Traum von »später«. Später aber ging MV bankrott.
Jetzt, pünktlich zur Auferstehung des glorreichen Namens in Gestalt der hochmodernen MV Agusta F4, lässt die kleine Firma Magni die guten alten Zeiten wieder aufleben. Mit charkteristischer Vier-in-vier-Auspuffanlage, üppig geschwungenem Alu-Tank, »very old fashioned« Sitzposition und allem, was dazu gehört. Im Zentrum des Geschehens: ein luft-/ölgekühlter 1200er-Vierzylinder von Suzuki.
In Anbetracht dessen grenzt die Handlichkeit der Sport an Hexenwerk, ebenso ihre mikroskopische Sitzhöhe von gerade mal 740 Millimetern. Dahinter steckt die kompakte Auslegung des hausgemachten Magni-Doppelschleifenrahmens aus Stahlrohr. Sie sorgt für dieses ganzheitliche Fahrgefühl, das nur ein Motorrad mit tiefem Schwerpunkt, radikaler Lenkgeometrie und integrativer Ergonomie vermitteln kann. Prägnant in der Hand, präzise auf der Spur, schnell und souverän beim Schräglagenwechsel. Die Talente des Fahrwerks reichen weit über volkssportliche Ansprüche hinaus. Trotz der eher durchschnittlichen Federelemete und Bremsen.
Der 98 PS starke GSX 1200-Motor fügt sich selbstbewusst in seinen edlen Zweitwohnsitz ein. Dieses dicke, fette Drehmoment kombiniert mit jener leichten, italienischen Art, das hat was von einem Big Mac auf echtem Meissener Porzellan. Mal was anderes. Kommt aber überraschend gut. Genau wie die Magni Sport insgesamt. Die uns zwar keine weltbewegenden Rekorde bescheren wird, aber noch so manch bewegenden Moment.
Anzeige

Technische Daten -

Motor: Luft-/ölgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Schlepphebel, Nasssumf-Schmierung, Keihin-Gleichdruckvergaser, ( 32 mm. Bohrung x Hub 79 x 59 mm, Hubraum 1157 cm³, Verdichtungsverhältnis 9,5:1.Nennleistung 72 kW (98 PS) bei 8500/minMax. Drehmoment 98 Nm (10 kpm) bei 4500/minKraftübertragung: Primärantrieb über Zahnräder, Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette.Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, ( 43 mm, Zweiarmschwinge, zwei Federbeine, Doppelscheibenbremse vorn, (320 mm, Vierkolbensättel, Scheibenbremse hinten, ( 230 mm, Zweikolbensattel, Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17, Reifen 120/65 ZR 17; 180/55 ZR 17, Radstand 1455 mm, Lenkkopfwinkel 66 Grad, Nachlauf 91 mm, Federweg v/h 130/120 mm.Maße und Gewicht: L/B 2170/700 mm, Sitzhöhe 740 mm,Trockengewicht 196 kg.Preis rund 30000 Mark

Arturo Magni - eine Legende

Ein Vierteljhrhundert lang war Arturo Magni Rennleiter bei MV Agusta. Unter seinem Management gewannen die Italiener 75 Weltmeistertitel und 3000 Rennen. Ein Rekord, der bis heute unerreicht ist, MV jedoch nicht vorm Untergang retten konnte. Als die Rennabteilung 1977 geschlossen wurde, gründete Magni seine eigene Motorrad-Schmiede. Markenzeichen: selbst entwickelte Stahlrohrrahmen. Zunächst wurden diese mit MV-Vierzylindern bestückt, dann mit Honda Bol d’Or- und BMW Boxer-Motoren. 1985 verlegte sich Magni aufs Umrahmen von Guzzi-Zweizylindern.

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote