Fahrbericht Ram-Hayabusa Turbo

Keine Gnade

Was sich abspielt, wenn der Turbolader dieser Hayabusa seine Arbeit aufnimmt, ist unglaublich. Dagegen ist ein Raketenstart der reinste Kindergeburtstag.

Sie wollen wirklich wissen, wie sich 339 PS anfühlen? Na dann stellen sich einfach mal vor, Sie wären ein Fußball. Ja, ein einfacher Fußball aus Leder. Nicht wundern, tun Sie’s einfach. Und nun stellen Sie sich vor, Oli Kahn nimmt Sie locker vom Boden auf, wiegt Sie vertraut zwischen seinen riesigen Torwarthandschuhen und tippt Sie – dupps, dupps, dupps – schicksalsträchtig auf dem weichen, kurzgeschorenen Rasen auf. Spätestens jetzt sollten Sie nachdenklich werden. Denn jeder Mensch, ob Fußball-Fan oder nicht, ahnt, was folgt. Ein Tritt nämlich, mit der Kraft eines Elefanten, der Sie in Sekundenbruchteilen auf Warp neun beschleunigt und Ihnen kurzfristig das Bewusstsein vernebelt. Und wenn Sie wieder zu sich kommen, befinden Sie sich schon vorm anderen Tor und hoffen, dass Sie der gegnerische Torwart nicht so schnell zu fassen kriegt.

So ähnlich verhält sich das mit der Hayabusa, die vom italienischen Tüftler Arnaldo C. Cappa mittels Turbolader auf Trab gebracht wurde. Wobei PS in diesem Fall genau so gut für »Power Digital« stehen könnte. Denn die Leistungsentwicklung ist alles andere als harmonisch. Der Turbo-Kick setzt nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip ein. Dass dem Geschoss das typische Turboloch fehlt, macht die Sache nur unwesentlich lustiger.

Und so wird’s gemacht: Den ersten, zweiten, dritten Gang am besten vergessen und schon bei Schrittgeschwindigkeit mindestens Stufe vier, besser aber noch Stufe fünf einlegen. Dann langsam den Gashahn ein Viertel öffnen und warten, bis die Drehzahlmessernadel 4000/min überschreitet. Jetzt heißt es: Augen geradeaus und höchste Konzentration. Denn wenn bei 4700/min ein Ladedruck von 0,5 bar die Leistung schlagartig von 105 auf über 280 PS hochpustet, schnalzt das Vorderrad – und wir reden von einer Geschwindigkeit um die 160 km/h – so blitzartig gen Himmel, dass man kaum das Gas zumachen kann. Selbst im Sechsten bei Tempo 250 verliert das Vorderrad beim Gasaufziehen noch den Bodenkontakt. Der helle Wahnsinn.

Bei den Testfahrten auf der 2,5 Kilometer langen Landebahn des Flughafens im spanischen Tarragona war keiner der anwesenden Testfahrer auch nur annähernd in der Lage, die unvorstellbare Kraft dieser Hayabusa auszuschöpfen und, sei es auch nur für einen Bruchteil einer Sekunde, den Gasgriff auf Anschlag zu drehen. Erst auf dem Prüfstand ist man dann mutig und lässt dem Lader mit seinen vollen 0,9 bar Ladedruck sowie dem zusätzlich im spezellen Einlasstrakt integrierten Einspritzsystem freien Lauf. Beim Anblick der senkrecht ansteigenden Leistungs«kurve« wird spätestens klar: Vollgas impossible. An ein »normales Fahren« im Straßenverkehr ist bei diesem digitalen Leistungseinsatz nicht zu denken. Es sei denn, man bewegt sich im Sicherheitsbereich unterhalb von 4000/min.

Aber was soll so eine Turbo-Hayabusa dann eigentlich? Erbauer Arnaldo C. Cappa antwortet gelassen: »Wer noch Platz zwischen dem SL und dem Ferrari in seiner Garage hat und den ultimativen Kick sucht, der ist bei mir richtig.« Seine Firma RAM in Monaco (http://www.ram.mc) hat neben dem 6650 Euro teuren Hayabusa-Kit Turbolader für rund 15 weitere Modelle von Suzuki, Honda, Kawasaki und Yamaha im Angebot, die eine Leistungssteigerung um die 60 Prozent versprechen. Na dann, guten Flug.
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