Fahrbericht Sachs ZX 125

Pauschal-Angebot

Die neue Sachs-Enduro bietet alles inklusive: munterer Motor, großzügiges Platzangebot - und das gute Image eines deutschen Herstellers.

Viel Zeit blieb nicht. Als im Februar 1996 die neue Führerschein-Regelung für die 125er bis 15 PS eingeführt wurde, witterte die deutsche Traditionsfirma Sachs Morgenluft. Wenn es in den wenigen Monaten bis zur IFMA im Herbst gelänge, dort eine oder gar mehrere 125er vorzustellen, würden vielleicht die häßlichen Gerüchte über die bevorstehende Firmenschließung verstummen, Sachs wäre wieder in aller Munde, und es käme Geld in die Kasse.
Der Plan scheint aufzugehen. Sachs zeigte in Köln die Enduro ZX 125 sowie die Prototypen einer 125er Roadster und einer 125er Sportmaschine. Von Schließung spricht heute keiner mehr. Ganz im Gegenteil, zwölf Prozent Marktanteil bei den 125ern sind mittlerweile das hehre Ziel.
Die ZX 125 wurde als erste des Trios fertig, sie wird dieser Tage an die Händler ausgeliefert. MOTORRAD hatte Gelegenheit, anläßlich einer Präsentation einige Vorserien-Exemplare zu fahren. Der erste Eindruck beim Umschleichen des Stoppelhüpfers: Das ist doch keine 125er. Richtig ausgewachsen wirkt sie, die ZX. Ausgestattet mit Gepäckträger, gezahnten Fußrasten und klappbarem Schalthebel bietet sie fast alles, was der Geländefahrer (oder der, der dafür gehalten werden möchte) braucht. Fast, denn die ZX hat keinen Motorschutz. Leider ist so der mattschwarze Krümmer dem Schmutz und der gelbe Rahmen hohen Hindernissen schutzlos ausgeliefert.
Der Motor hingegen ist ohne Einschränkung ein Gedicht. Dieses Lob kann sich Sachs zwar nicht direkt an die Brust heften - schließlich ist das wassergekühlte Triebwerk keine Eigenentwicklung, sondern stammt von Minarelli -, aber immerhin haben es die deutschen Entwickler verstanden, den Motor mit der Yamaha-Auspuffanlage sehr sauber abzustimmen. Der Zweitakter springt sehr gut an, zieht bereits ab niedrigen Drehzahlen kräftig durch und bekommt ab zirka 6000/min einen zweiten Wind. Zirka, weil die ZX keinen Drehzahlmesser hat, und zweiter Wind, da sich ab dieser Drehzahl die elektronische Auslaßsteuerung ins Geschehen einmischt. Die 80-km/h-Version, gedrosselt über eine Blende im Krümmer und eine andere Sekundärübersetzung, verhält sich erwartungsgemäß nicht so spritzig - der Pep bei hohen Drehzahlen fehlt. Mit Vibrationen ist bei beiden Leistungsvarianten dank der Ausgleichswelle in den Tiefen des Motors Fehlanzeige.
Die Sitzposition ist mit der Höhe von 860 Millimetern recht hoch ausgefallen. Die Extreme: Ein Zwei-Meter-Mensch sitzt gerade noch entspannt, ein kurzbeiniger 1,65-Meter-Fahrer kommt gerade noch mit ausgestreckten Zehenspitzen auf den Boden. Zumindest den Kurzen kann geholfen werden, denn mit Hilfe eines geänderten Umlenkhebels am Federbein und dem Entfernen der Vorspannhülsen aus der Gabel kann die Enduro um fünf Zentimeter abgesenkt werden. Inklusive eines gekürzten Seitenständers berechnet Sachs die Materialkosten für diesen Akt mit rund 70 Mark. Die Sitzbanklänge ist dagegen, rutscht der Fahrer ein wenig zum großen 14,6-Liter-Tank hin, völlig ausreichend für zwei Fahrer mit 1,80 Metern Länge.
Das Fahrwerk ist ziemlich straff abgestimmt. Bis die 250 Millimeter Federweg vorn und hinten aufgebraucht sind, bedarf es schon mächtiger Schläge. Vorteil: Das Fahrwerk verhält sich bei flotter Kurvenfahrt sehr spurstabil. Selbst derbe Bodenwellen in Schräglage steckt die ZX lediglich mit einem kurzen Zucken weg. Übrigens, wer die Grundeinstellung des White Power-Federbeins verändern möchte, muß sich ein wenig Zeit nehmen, denn um an den Verstellring der Federbasis zu gelangen, muß der Batteriekasten ausgebaut werden.
Die Scheibenbremse im Vorderrad konnte in der Vorserien-Version trotz serienmäßiger Stahlflex-Bremsleitung noch nicht ganz überzeugen. »Zu geringe Bremsleistung, zu hohe Handkräfte«, befand der Testfahrer. Die Sachs-Entwickler versprachen, sich noch einmal dieses Problems anzunehmen.
Insgesamt aber ein dickes Lob an die Entwickler: In so kurzer Zeit ein so erwachsenes Motorrad auf die Beine zu stellen, verdient Respekt. Keine Frage: Diese Enduro hat Sachs-Appeal - alles drin, (fast) alles dran.
Anzeige

Technische Daten

SachsZX 125MotorWassergekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor, eine Ausgleichswelle, Membraneinlaß ins Kurbelgehäuse, Getrenntschmierung, Dellorto-Schiebervergaser, 0 28 mm, kontaktlose CDI-Zündung, ungeregelter Katalysator, E-Starter, Drehstromlichtmaschine 95 Watt, Batterie 12 V/5,5 Ah.Bohrung x Hub 56 x 50,7 mmHubraum 124,8 cm³Nennleistung 15 PS (11 kW) bei 8000/minMax. Drehmoment 1,3 kpm (12,9 Nm) bei 7800/minFahrwerkEinschleifen-Stahlrohrrahmen, Telegabel, Standrohrdurchmesser 40 mm, Zentralfederbein, Scheibenbremse vorn und hinten (0 260/220 mm).Federweg v/h 250/250 mmReifengröße vorn 3.00 x 21 hinten 4.00 x 18Maße und GewichteLänge 2190 mmBreite 815 mmSitzhöhe 860 mmGewicht vollgetankt 129 kgTankinhalt 14,6 LiterAusstattung/PreisLieferbare Farben Blau/Gelb, Schwarz/GelbGarantie ein Jahr ohne KilometerbegrenzungPreis inkl. Nebenkosten 7760 Mark

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote