Fahrbericht

Yamaha SR 125

SR - das steht bei Yamaha für grundsolide Eintopfgerichte. Nach dem Dauerbrenner SR 500 und der längst vergessenen SR 250 probieren es die Japaner nun mit dem einsteigergerechten Achtelliter Hubraum.

»Jahaa, komm’, zeig’s mir! Gib mir alles! Meeehr! Zieh Baby! Mach mich heiß...« »Mein Gott, Riebesehl«, stöhnte Gati, »kannst du nicht einmal einen Lkw überholen wie jeder andere auch?«Kann Riebesehl nicht, denn er ist mit zwölf PS und rund 100 km/h unterwegs. Damit wird jeder flott gefahrene Lkw zum langandauernden Überhol-Erlebnis. Doch fürs Brummi-Jagen auf der Autobahn ist sein Untersatz eh nicht gebaut. Mit 125 cm³ ist die Yamaha SR 125 für die neue Einsteiger-Klasse gedacht. Und Einsteiger gehören überall hin, nur nicht auf die Autobahn. Die Zielgruppe ist neu, das Zielgruppen-Produkt nicht. Yamaha Motor Deutschland brauchte nur das Europa-Programm des japanischen Mutterhauses etwas genauer zu studieren, um mit der SR 125 etwas Passendes zu finden. Bereits seit Anfang der neunziger Jahre wird der kleine Viertakter in der Schweiz und in Österreich verkauft.Was den alpinen Eidgenossen recht ist, kann für Otto Normaleinsteiger nicht schlecht sein. Stimmt, vorausgesetzt die Betonung liegt auf »normal«, denn die SR 125 ist so etwas von konventionell, konventioneller geht es nicht. Kein Schnickschnack, kaum Chrom, null Technik-Gimmicks - das 115 Kilogramm-Leichtgewicht ist einfach nur Motorrad. Und das hat Vorteile, zum Beispiel bei der Sitzhöhe. Kurze Menschen um 1,60 Meter fühlen sich auf der SR wohl, Standard-Größen um 1,75 Meter fühlen sich sehr wohl, und die Langen um 1,90 Meter fühlen sich nicht deplaziert. SR 125 - eine für alle.Zum Anlassen muß das Technik-Verständnis so weit reichen, um bei eingeschalteter Zündung den unscheinbaren schwarzen Anlasser-Knopf zu drücken und zuvor den gleichfarbigen Chokehebel am Vergaser zu ziehen. Muskelbildende Tretarbeit bleibt der großen Schwester SR 500 vorbehalten - die kleine SR hat keinen Kickstarter. 500 Meter Fahrstrecke reichen nach dem sommerlichen Kaltstart aus, um die Choke vollständig zurücknehmen zu können. Der Single läuft mit sonorem Brabbeln rund. Das goldrichtig abgestufte Fünfganggetriebe erlaubt den Tanzschuh-Einsatz, so leicht und locker flutschen die Gänge hin und her. Müssen sie auch, denn der Einzylinder liebt Drehzahlen. Wie viele, bleibt dem Fahrer verborgen, denn Yamaha hält einen Drehzahlmesser für entbehrlich. Der Begriff »Handkraft« im Zusammenhang mit der butterweichen Kupplungsbetätigung ist fehl am Platz. Kräftig zulangen darf der SR-Pilot dagegen am Bremshebel, dafür belohnt die Scheibenbremse aber mit einem exakten Druckpunkt und ordentlicher Wirkung. Die hintere Bremse ist in Form einer Trommel vorhanden. Mehr nicht, eine spürbare Bremswirkung geht von ihr nicht aus.Bis 80 km/h spurtet die SR 125 flott voran, bis zur 90er Marke dauert es etwas länger, und darüber wird es zäh. Bei echten 105 km/h ist Feierabend. Gegen mutig bewegte Automatikroller sieht die SR keine Schnitte, durchschnittlich motorisierte Mittelklassewagen sind im Stadt- und Vorortverkehr dagegen kein Problem. Zum Problem werden fiese Fahrbahnbeläge. Gibt sich die Telegabel noch alle Mühe, derbe Schläge halbwegs passabel wegzustecken, zeigt sich das Heck dank der völlig unterdämpften Federbeinen äußerst beschwingt. Auf normalem Untergrund benimmt sich die SR dagegen absolut gutmütig und gibt höchstens Anlaß, sich über die billigen Armarturen und den fehlenden Tageskilometerzähler zu ärgern. Haupt- und Seitenständer sind dafür serienmäßig, der Tank abschließbar und der Preis von 4750 Mark noch kurz vor der Schmerzgrenze.
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