Fahrbericht Yamaha XP500 TMAX

Tyrannosaurus Max

Die Saurier sind los. Jetzt auch bei den Rollern. Der neue Yamaha TMax hat 500 cm3 und ist eine technische Revolution.

Das Wettrüsten der Roller-Hersteller scheint endlos. Größer, schneller, komfortabler – Yamahas neuer XP500 TMax stellt alles bislang da Dagewesene in den Schatten. Und das gilt sowohl für das Fahrwerk als auch für den Motor.
Völlig neu entwickelt, setzt die Antriebseinheit des XP500 einen Meilenstein im modernen Roller-Motorenbau: zwei Zylinder, je vier Ventile, über zwei obenliegende Nockenwellen und Tassenstößel betätigt, Wasserkühlung. Darüber hinaus griffen Yamahas Motorentechniker tief in die Trickkiste und besannen sich beim Massenausgleich des Boxermotors. Auf der Kurbelwelle des Paralleltwins ist auf einem dritten Hubzapfen ein weiteres Pleuel angelenkt. Es bewegt entgegengesetzt zu den Arbeitskolben einen dritten in einer Gusslaufbuchse hin und her. Der Wunsch nach optimaler Laufkultur rechtfertigt offensichtlich den enormen Bauaufwand. So lässt sich ein Motor mit gleichmäßigem Zündabstand und vollständigem Ausgleich der Massenkräfte erster und zweiter Ordnung realisieren.
Die Kraftübertragung erfolgt von der Kurbelwelle über eine Variomatik mit Keilriemen auf die Mehrscheiben-Ölbadkupplung. Deren Scheiben werden bei steigender Drehzahl durch einen Fliehkraftmechanismus mit Rollen und Rampen wie bei der Variomatik zusammengepresst. Zahnräder treiben dann die Abtriebswelle an, die koaxial zur Schwingenlagerung platziert ist. Von dort führt ein zweistufiger Sekundärantrieb per Zahnketten im Ölbad zum Hinterrad. Kettenspannen und -schmieren entfällt.
Durch die rolleruntypische starre Lagerung des Motors halten sich die ungefederten Massen am Hinterrad in Grenzen. Außerdem realisierten die Konstrukteure eine fahrdynamisch günstige Gewichtsverteilung von 47 Prozent vorn und 53 hinten sowie einen sehr tiefen Schwerpunkt. Gut so, denn der TMax zählt mit 197 Kilogramm trocken zu den Schwergewichten unter den Rollern.
Und ist dennoch äußerst agil. Die von Yamaha angegebenen 40 PS katapultieren den dicken Max in nur 7,5 Sekunden über die 100-km/h-Marke und verzagen erst 60 Stundenkilometer später. Auch bei Höchstgeschwindigkeit fährt der XP500 spurstabil und pendelfrei. Ein Verdienst des langen Radstands, der stabilen Telegabel mit 38 Millimetern Standrohrdurchmesser und der 14-Zoll-Räder. Roller goes Motorrad.
Aber halt. Obwohl sich der TMax fast motorradtypisch bewegen lässt, ist er immer noch Roller geblieben. Die Sitzposition aufrecht thronend, die Beine vor den Körper gestellt. Dabei genießt der Oberkörper ordentlichen Windschutz, während der Wetterschutz für die Beine nicht gerade überragend ist. So sorgten die ersten Fahrten im Regen für nasse Hosenbeine.
Bei Sonnenschein jedoch kann der Yamaha glänzen. Die vier Zentner TMax unter dem Fahrer sind kaum zu spüren. Geradezu kurvenfanatisch ist er, der Max. Protzt mit üppiger Schräglagenfreiheit, die montierten Dunlop D 305 bieten enormen Grip. Für einen Roller, versteht sich. Das Lenkverhalten des XP ist zielsicher und präzise, die Federung und Dämpfung setzt absolut neue Maßstäbe in diesem Bereich. Ebenso die für Rollerverhältnisse riesigen Bremsscheiben, welche die Fuhre in jeder Lage problemlos und sicher wieder stoppen.
Ebenfalls neu in diesen Kreisen: der Preis. Auch wenn seit Jurassic Parc Saurier hoch in der Gunst des Publikums stehen, könnten 16500 Mark die Begeisterung so manches TMax-Interessierten dämpfen.
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