Honda CBR 1100 XX

Druckmittel

Mit der CBR 1100 XX huldigt Honda ganz unmißverständlich dem Leistungsprinzip - und setzt die etablierte Konkurrenz der Starken und Schnellen gehörig unter Druck.

Die Spatzen auf den Dächern pfeifen schon seit geraumer Zeit das Lied von einer supersportlichen CBR, einer Steigerung der Fire Blade, einer Maschine, die in puncto Leistung und Spitzengeschwindigkeit alles bisher Dagewesene in den Schatten soll. Nun stellt sich heraus: richtig gepfiffen - und doch wieder nicht. Richtig, weil die neue CBR 1100 XX motorisch das Zeug hat, das Blaue Band des schnellsten Großserienmotorrads zu erobern, falsch, weil die »XX« kein Supersportler geworden ist, sondern ein »Super-Sportler« (Originaltonton Honda), was als blumige Umschreibung des Begriffs Sporttourer zu interpretieren ist.Honda legt denn auch Wert darauf festzustellen, daß bei der CBR 1100 XX Leistungsziele nicht um der Leistung willen verfolgt worden seien, vielmehr habe das Streben nach höchstmöglicher Fahrqualität oberste Priorität gehabt. Sei´s drum - dann sind den Motorenkonstrukteuren eben so ganz nebenbei 164 PS und 125 Nm herausgerutscht. Und das mit ganz konventionellen Mitteln: oberhalb der Gürtellinie vier in Reihe angeordnete Zylinder, gekrönt von kompakten, vierventiligen Brennräumen, das ganze flüssigkeitsgekühlt. Die Beatmung übernimmt - nein, keine Einspritzanlage, sondern ein schnödes Vergaserquartett. Womit sich die Frage nach einer zeitgemäßen Abgasreiningung auch schon erledigt hat.Im Untergeschoß dreht sich eine fünffach gleitgelagerte Kurbelwelle, die über Stirnräder mit Kupplung und Sechsganggetriebe kommuniziert. Der linke Kurbelwellenstumpf trägt den Lichtmaschinenrotor, vis-à-vis sitzt das Ritzel für den Kettenantrieb der Nockenwellen. Alles total normal, gäbe es da nicht hinter der Zylinderbank, oberhalb des Getriebes, zwei gegenläufige, mit doppelter Kurbelwellendrehzahl rotierende Ausgleichswellen, die den vierzylindertypischen Massenkräften 2. Ordnung den Garaus machen. Hochfrequente Vibrationen sollen dem neuen CBR-Vierer also fremd sein, weswegen er - fest mit dem Rahmen verschraubt - eine tragende Rolle spielen kann. In Fassung gerät der Triebwerksblock durch eine Aluminium-Brückenkonstruktion, die ebensowenig technisches Neuland betritt wie die Zweiarm-Hinterradschwinge und die Telegabel mit 43 Millimeter dicken Standrohren und Cartridge-Dämpfung.Die schon von der CBR 1000 bekannte Verbundbremse (CBS - Combined Braking System) mit Dreikolbensätteln an allen drei Scheiben ist auch bei der CBR 1100 XX für die Verzögerungstaktik zuständig. Daß auf die Stopper an Bord der Neuen einiges zukommt, geht nicht allein auf das Konto des potenten Motors. Es ist vielmehr die Verkleidung, die mit aufsehenerregend guten aerodynamischen Qualitäten das Beste aus der gebotenen Leistung zu machen verspricht. Hinter vorgehaltener Hand ist von erzielbaren Spitzengeschwindigkeit um die 290 km/h die Rede - ein Indiz, daß der im Windkanal geborene Verkleidungsbug tatsächlich so widerstandsarm durch die Atmosphäre pflügt, wie seine schlanke Form suggeriert.Deutschen Honda-Kunden freilich werden Erlebnisse der ganz schnellen Art offiziell vorenthalten, denn die CBR 1100 XX geht hierzulande mit angezogener Bremse ins Rennen: Unter dem Kennzeichen D muß sie sich mit 98 PS begnügen - und das ist wirklich nicht die Welt für ein Motorrad, das als »The Worlds Greatest Super Sport« angepriesen wird.
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