Neuheit: Honda Africa Twin im Test

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Honda Africa Twin. Der große Erfolg der wiedergeborenen Africa Twin macht den Honda-Managern Lust auf mehr: Die sonst eher vorsichtigen Japaner wollen weitere Varianten der Reiseenduro bringen. Als Erstes steht eine Adventure auf dem Programm, und zwar schon Ende des Jahres.

Wer als Hersteller von Reiseenduros auf sich hält, der hat eine Adventure-Variante seines Flaggschiffs parat: mit größerem Tank, starkem Schlagschutz, echten Stollenreifen und anderen Features, die dem Ausflug ins Gelände zuträglich sein sollen. Denn da stammen die Reiseenduros schließlich her, weshalb eine solche Premium-Version, die auch in Sachen Preis nach Höherem strebt, gut passt. Vorgemacht hat das kommerziell erfolgreiche Pimpen BMW mit der R 1200 GS Adventure. Und immer mehr andere Hersteller ziehen nach.

Nun auch Honda. Denn die Japaner stellen ihrer Africa Twin, die seit Anfang 2016 auf dem Markt ist und viel Zulauf bekommt, noch Ende dieses Jahres eine Variante zur Seite. Das hat Honda Deutschland bereits bestätigt, will aber nicht recht damit herausrücken, um was für ein Motorrad genau es sich dabei handelt. Doch alle Vorzeichen weisen eindeutig in Richtung Adventure.

Zumal Honda über eine solche Africa Twin-Variante ohnehin verfügt und sie sogar schon öffentlich gezeigt hat: Bei der ersten Präsentation der Africa Twin auf der Mailänder Messe EICMA im November 2015 stand die Adventure Sports Concept neben der Standard-Twin, allerdings eher versteckt und leicht zu übersehen. Kein Wunder, wollte Honda doch damals die allgemeine Aufmerksamkeit auf die große Neuheit und nicht auf eine Studie gerichtet sehen. Doch die Honda-Bosse aus Japan bemerkten die in Italien entwickelte Variante damals sehr wohl und bedachten sie mit beifälligen Kommentaren – was bei den überaus zurückhaltenden Managern fast schon dem Startsignal zur Produktion gleichkam. Wer zwei und zwei zusammenzählt, kann daher davon ausgehen, dass die Maschine ziemlich genau so gebaut wird, wie sie damals gezeigt wurde. Das versetzt wiederum MOTORRAD in die ungewöhnliche Lage, ein neues Motorrad schon ein halbes Jahr vor Erscheinen zu zeigen, und zwar nicht etwa als Computerretusche oder als bis zur Unkenntlichkeit verfremdeten Erlkönig, sondern mit echten Fotos. Siehe links.

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Aus diesen Bildern wiederum lässt sich schließen: Die Änderungen an der Adventure im Vergleich zur Africa Twin-Basis (unten) dürften erfreulich zurückhaltend ausfallen. Erfreulich deshalb, weil Honda auf überbordende Dimensionen verzichtet, die sich im Gelände durch das damit verbundene Mehrgewicht in der Regel eher als hinderlich erweisen. Als sicher darf ­gelten, dass die Adventure Sports einen größeren Tank hat, von bis zu 24 statt 19 Litern Inhalt ist die Rede. Ebenso sicher scheinen neue Räder mit Schlauchlos-Reifen. Schlauchreifen mögen zwar wegen ­ihrer weltweiten Verfügbarkeit bei echten Afrika-Reisenden hoch im Kurs stehen, doch wer sich eher in Europa ins Gelände wagt, verflucht sie oft, weil wegen des ­hohen Eigengewichts von großen Reiseenduros spitze Steine schnell Löcher verursachen. Hier sorgt Honda also für mehr Komfort beim Geländeausritt. Weitere gute Nachricht: Die Erstbereifung ab Werk dürfte Pirelli/Metzeler zufallen.

Bei den Radgrößen von 21 Zoll vorn und 18 Zoll hinten soll es bleiben, ebenso bei der vergleichsweise leicht anmutenden Optik. Damit auch das reale Gewicht weiterhin unter dem der großvolumigeren Konkurrenz von GS und Co. liegt, verzichtet Honda voraussichtlich auch bei der Adventure-Version auf einen Hauptständer. Weitere Änderungen betreffen Motorschutz und Windschild, die beide etwas größer ausfallen. Gut zu Gesicht stünde der Adventure außerdem ein moderneres Display, das gern besser ablesbar sein dürfte als das jetzige. Gerüchteweise war vor einiger Zeit auch von einer möglichen Hubraum-Erweiterung um 50 bis 100 Kubik die Rede, doch die ist eher unwahrscheinlich.

Optisch wird die Neue nah dran sein an der ersten Africa Twin von 1988. Das legen jedenfalls die Farben der Studie
nahe (siehe auch Interview unten links) sowie weitere Details wie die goldfarbenen Speichenräder und der weiße Rahmen. Keine Informationen sickerten zum Preis durch. Um die 1000 Euro wird man auf den Listenpreis von 12890 Euro (ohne DCT) wohl mindestens draufrechnen müssen, was nicht zuletzt davon abhängt, ob Honda auch in der Serie auf den bildschönen Termignoni-Auspuff setzt.

Damit nicht genug, scheint Honda weitere Pläne mit der Africa Twin zu haben. Als Baukastenmodell entwickelt, könnte sie auch als Basis für ein reines Straßenmotorrad dienen. Für eine Version mit 19-Zoll-Vorderrad hatte sich Honda in den USA bereits vor drei Jahren den Namen Elsinore schützen lassen. Doch dieses Projekt scheint auf Eis gelegt, offenbar verfolgen die Japaner jetzt eher den Gelände-Ansatz. Auf der Messe in Mailand im letzten Herbst stand jedenfalls eine weitere Offroad-Variante der Africa Twin: die Studie Enduro Sports, die mit ihrer schmalen, rasanten Linie und den zahlreichen Leichtbauteilen nicht nur bei Rallye-Profis für echte Begeisterung sorgte.

Genau diese Profis bekommen aber erst mal eine andere Version aufgetischt, nämlich die Africa Twin Rally. Entwickelt wurde sie in Italien vom Dakar-Piloten Paolo Ceci gemeinsam mit der Firma Red Moto, dem externen Offroad-Vertrieb von Honda Italien. Mit vielen Alu- und Karbonteilen bestückt, kommt sie mit hochwertigen Excel-Felgen, soll sieben Kilogramm weniger wiegen als das Serienmotorrad und dank Racing-Auspuff gut fünf PS mehr leisten. Dafür wird dann der stolze Preis von 21490 Euro ohne und 22630 Euro mit DCT-Getriebe fällig. Die Rally ist dank DB-Killer im Termignoni-Auspuff zulassungsfähig und soll sich laut Red Moto nicht nur für den Rallye-Einsatz, sondern auch für lange Touren eignen.

Mag sein, doch im Vergleich zur hauseigenen Honda-Studie Enduro Sports wirkt die teure Rally eher behäbig, weshalb die meisten Honda-Filialen in Europa sie erst gar nicht importieren.

Die neue Africa Twin Adventure hingegen, die Ende des Jahres in den Handel kommt, nehmen natürlich alle gern. Denn sie hat genau wie die bisherige Africa Twin das Zeug zum Kassenschlager. Das zeigen allein schon die Erfahrungen der Konkurrenz mit ihren jeweiligen Adventure-Varianten. Denn für nichts – so sagen die Marketing-Abteilungen – zahlen die Kunden lieber und mehr als für das Image des echten Abenteurers im Mann.

Interview „Ganz nah an der originalen 650er“

Die Adventure Sports-Studie stand schon 2015 auf dem Mailänder Salon, direkt neben der damals brandneuen Africa Twin. Wie ist die Studie entstanden?
Parallel zur Africa Twin, sozusagen zum Basismodell, das eben auf dieser Messe vorgestellt wurde. Als Designer ist man ja nie wirklich zufrieden, logischerweise müssen wir immer Kompromisse machen, sei es wegen der Technik, sei es wegen der Kosten. Aber den Ingenieuren geht es da auch nicht besser ... Natürlich gab es auch bei der Entwicklung der Africa Twin Kompromisse. Persönlich habe ich mir ein Motorrad ganz nah an der allerersten Africa Twin gewünscht, also an der 650er von 1988. Deshalb habe ich neben der Basis-Version eben noch die Studie Adventure Sports entwickelt, mit sehr starken Anklängen an die Ahnin.


Wo genau liegen denn nun die Unterschiede?
Am auffälligsten ist natürlich die Optik. Für die Adventure Sports habe ich mich an die traditionellen Farben der 650er von 1988 gehalten, also Rot, Weiß und Blau. Zum weißen Rahmen kommen goldfarbene Räder, wie sie damals üblich waren, und Stollenreifen. Das Heck der Adventure Sports ist schmaler, außerdem ist die ganze Struktur stärker gekapselt, etwa mit größeren Seitendeckeln. Denn wer viel im Dreck fährt, will ja danach nicht stundenlang putzen. Die Sitzbank ist flach, ebenfalls wie bei der originalen 650er, der Motorschutz größer, und wenn man genau hinschaut, sieht man unter der Sitzbank ein kleines Fach für Werkzeug. Das hatte die alte Africa Twin auch.


Die Adventure Sports Concept zielt ja auf Gelände-Einsatz. Ist sie höher als die Africa Twin?
Ja, aber nur etwa 20 Millimeter, was am etwas anderen Fahrwerk liegt. Auch der Lenker sitzt weiter oben, wegen der erhöhten Riser.


Was ist mit dem Tank? Ist der größer? Das lässt sich nicht eindeutig erkennen.
Ja, er fasst deutlich mehr Benzin, nämlich 24 statt 19 Liter.


Und der Termignoni-Auspuff? Der sieht ja ziemlich scharf aus.
Ich habe damals für ein anderes Projekt mit der Firma zusammengearbeitet, und Paolo Termignoni hat mir die Auspuffanlage dann für die Studie zur Verfügung gestellt. Mir gefällt die auch sehr gut.


Baut Honda die angekündigte Africa Twin-Variante denn nun tatsächlich so wie die Adventure Sports-Studie?
(lacht) Hey, ich kann mit euch nur über die Studie reden, wie sie auf der Messe in Mailand stand! Ob das Motorrad jetzt so kommt oder doch anders, darf ich nicht verraten.

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