Test Ducati M 600 Monster Dark

Nacht-Ausgabe

Kein Grund, angesichts dieser M 600 schwarz zu sehen: Die Monster Dark bietet die preisgünstigste Möglichkeit, als Ducati-Pilot Farbe zu bekennen.

Paint it black. Was Ratbikern recht ist, war den Schöpfern der Monster Dark in zweifacher Hinsicht billig: Die großzügige Verwendung mattschwarzer Farbe hebt die Maschine aus der Masse farbig herausgeputzter Motorräder heraus - und spart Lackierungskosten. Das macht die kleine Schwarze einen glatten Tausender billiger als die weiterhin lieferbare Hochglanzausführung der M 600.
In ihrer konsequentesten Darreichungsform präsentiert sich die Dark mit schwarzem Rahmen und schwarzen Rädern als leibhaftiges Nachtgespenst. Wahlweise sind die Fahrwerkszutaten aber auch in Rot oder - wie bei der Testmaschine - in Gelb erhältlich. Ein Kontrastprogramm, das etwas Licht ins Dunkel bringt.
Überschattet wird das Konzept der Dark in jedem Fall von ihrer Motorisierung: Mit 600 Kubik und nominell 50 PS ist ihr zweiventiliger Desmo-V2 beim besten Willen nicht angetan, Respekt oder gar Furcht zu verbreiten. Spektakuläre Kunststücke, die man von einem zweirädrigen Monster erwarten mag - schwarze Striche auf den Asphalt radieren oder erhobenen Hauptes aus engen Kehren herausbrechen - hat die M 600 nicht in ihrem Repertoire.
Daß sich das Leben an der 50 PS-Grenze gleichwohl recht unterhaltsam gestaltet, ist der benutzerfreundlichen Art zuzuschreiben, in der sich die Leistungsabgabe des kleinen V2 gestaltet. Wenn’s sein muß, dreht der Kurzhubmotor klaglos und ohne nennenswerte Vibrationen bis zum Gehtnichtmehr. Derart ausgepreßt, läßt er die Maschine in standesgemäßen fünf Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h schnalzen. Doch der Kleine kann auch anders: Sauber, mit Nachdruck und ohne größere Unmutsäußerungen befreit er sich im Handumdrehn aus dem unteren Drehzahldrittel - eine Übung, bei der es viele hubraumstarke Twins buchstäblich schüttelt.
Lediglich im Wirkungsbereich der Leerlaufdüsen seiner zwei Mikuni-Gleichdruckvergaser kommt der 600er ins Stolpern: Bei minimal geöffneten Drosselklappen gerät der Motorlauf zum ruckligen Stop and go-Betrieb - kein Spaß bei den Wechselfällen innerstädtischen Verkehrsgeschehens. Gut in diesem Zusammenhang, daß wenigstens die Kraftübertragung keine zusätzlichen Steine in den Weg legt. Das Spiel im Antriebsstrang ist nahe Null, und das Getriebe schaltet sich präzise, wenn auch nicht immer geräuschlos.
Abgesehen von den kleinen Unstimmigkeiten in der Vergaserabstimmung, ist die M 600 eigentlich prädestiniert für die Bewältigung fahrtechnisch kniffliger Situationen. Zumindet suggeriert sie dies auf psycholgisch höchst geschickte Weise: Monster hin, Dark her - diese Ducati legt es nicht darauf an, Distanz zu schaffen. Klein und zierlich wie sie ist, weckt sie eher Beschützerinstinkte denn Berührungsängste. Auch nach Inbesitznahme zeigt sich die kleine Monster von der einschmeichelnden Seite. Niedrige Sitzposition, schmaler Tank, breiter, dem Fahrer zugetaner Lenker und geringes Gewicht - lauter vertrauenerweckende Merkmale, die auf zwanglose Zusammenarbeit zwischen Mensch und Monster hoffen lassen.
Hoffnungen, die nicht enttäuscht werden, denn tatsächlich gelingt es der M 600, ihre spielzeughaften Züge bis in die letzten Winkel des Straßennetzes zu tragen. Zackig im Kurvenansatz, präzise im Bogenschlag, munter auf dem Sprung zum nächsten Eck, vertrauenswürdig auf der Bremse - und das alles begleitet von einer schauerlich-schönen Geräuschkulisse, wie sie nur 90-Grad-V2-Motoren zustande bringen.
Es soll freilich nicht verschwiegen werden, daß sich fahrwerksseitig immer wieder Trommelschläge ins Konzert der M 600 mischen: Obgleich die Maschine vorn und hinten weich gefedert ist, scheitern Gabel und Zentralfederbein an der Aufgabe, kurze, trockene Stöße zu verarbeiten. Kommen diese in Serie, bietet die Ducati sogar die Gelegenheit, beim Beschleunigen das Phänomen »Lenkerschlagen« kennenzulernen - bei Solobetrieb in milder Ausprägung, im Zweipersonenbetrieb auch in etwas heftigerer Form. Letzterer Hinweis ist allerdings insofern nicht sonderlich relevant, als die M 600 wegen der gebotenen Platzverhältnisse ohnehin ein Fall für Alleinunterhalter ist.
Gute Unterhaltung für beliebig viele Personen bietet die Monster dagegen als technisches Anschauungsobjekt. Der kompakte Desmo-V2, der sauber verarbeitete Gitterrohrrahmen, die perfekte Zugänglichkeit aller servicerelevanten Bauteile unter dem hochklappbaren Tank - das alles ist unter dem Begriff »technische Hochschule« zusammenzufassen. Insofern ist es dann doch ein bißchen schade, daß der Nachtausgabe der M 600 - oberflächlich betrachtet - kein glänzenderer Auftritt vergönnt ist.
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