Test Honda VTR 250

Viertelpfünder

Sie ist klein, leicht und wieselflink. Schon ihr Anblick macht reichlich Appetit: Mit einem bescheidenen viertelliter Hubraum und strammen 30 PS versucht die kleine Honda VTR 250, großen Vorbildern aus Italien nachzueifern.

Beinahe könnte man meinen Ducati habe die Monster-Baureihe um ein weiteres Modell erweitert. Doch weit gefehlt. Was sich da in bester Monster-Optik präsentiert, stammt aus Japan und hört auf den Namen Honda VTR 250.
Da die Honda-Offiziellen diese hübsche Maschine dem Deutschen Markt vorenthalten, hat sich die Red Baron Zweirad GmbH aus Neuss (Telefon 02131/21037) kurzerhand dazu entschlossen die VTR selbst zu importieren.
Wie nicht anders zu erwarten, wird auch die Japan-Replika standesgemäß von einem V2-Triebsatz befeuert. Je zwei obenliegende Nockenwellen und vier schlepphebelgesteuerte Ventile pro Zylinder entlocken dem wassergekühlten 90-Grad-V-Motor rund 30 muntere Pferdchen.
Der Twin braucht ordentlich Drehzahlen, um sein feuriges Temperament zu entfalten. Schon knapp über Leerlaufdrehzahl zieht er sauber an, richtig Leistung gibt es aber erst ab 8000/min. Begleitet von feinen Vibrationen jubelt der Hubraum-Bonsai locker bis in den fünfstelligen Bereich. Erst knapp jenseits der 12000er Marke setzt ein Begrenzer dem munteren Treiben ein Ende. Wer glaubt, solche Drehzahlorgien müßten mit einer immensen Geräuschkulisse erkauft werden, der sieht sich getäuscht: Anders als seine italienischen Vorbilder geht der kleine Twin leise und kultiviert zur Sache und nimmt so dem Fahrer jegliche Hemmung, ungeniert am Gas zu schrauben. Erfreulich, daß sich das kleine, so geschundene Kraftwerk mit nur 4,5 L/100km Normalbenzin zufrieden gibt.
Nicht ganz so sportiv wie der Motor gibt sich das Fahrwerk der VTR 250. Zielgenau läßt sich die nur 156 kg leichte Mini-Monster geradezu spielerisch von einer Schräglage in die andere werfen. Allerdings setzen die weich abgestimmten Federelemente ziemlich enge Grenzen - schnell überfahrene Bodenwellen in Schräglage quittiert die VTR mit einem leichtem Rühren. Auch der Mitnahme einer zweiten Person ist sie wenig zugeneigt. Die Sitzbank fällt für einen Sozius zu kurz aus, und voll beladen schlagen die Federelemente sowohl vorn wie hinten kräftig durch. Schade, denn die beiden Scheibenbremsen lassen sich auch von dieser zusätzlichen Belastung kaum beeindrucken. Gut dosierbar und mit ordentlichem Biß sorgen sie dauerhaft für eine adäquate Verzögerung.
Alles in allem: Wenn es also für den Einstieg nicht unbedingt ein italienisches Monster sein muß, ist die kleine VTR aus dem fernen Nippon eine echte Alternative. Leider läßt sie sich dies mit einem Preis von 9650 Mark auch hoch genug vergüten.
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