Test Kawasaki KLX 650 R

Auf ein neues

Nach zweijähriger Abwesenheit meldet sich die Kawasaki KLX 650 R auf dem deutschen Parkett zurück. Zwar in der Leistung beschnitten, dafür aber immer noch reichlich grün.

Sie hat es nicht leicht, die KLX 650 R. 1993 als sportlicher Ableger der zivilen KLX 650 auf den Markt gebracht, sollte sie eine ernstzunehmende Gegnerin für die etablierten Wettbewerbs-Enduros vom Schlage einer KTM, Husqvarna, Husaberg oder Hondas XR-Baureihe werden. Das drehmomentstarke Triebwerk begeisterte zwar, doch um gegen die Konkurrentinnen bestehen zu können, fehlte es der Grünen im Gelände an Handlichkeit und geeigneter Fahrwerksabstimmung. Die KLX im aggressiven Cross-Design scheiterte an ihrem im Grunde soften Wesen und verschwand nach nur drei Jahren aus dem Kawasaki-Modellprogramm.
Zwei Jahre später beendet nun Kawasaki Deutschland diesen Dornröschenschlaf und startet einen erneuten Versuch, die sportive KLX-R auf dem hiesigen Markt zu plazieren. Wobei es der deutsche Importeur dem engagierten Kawasaki-Händler Zimmerer (Telefon 08824/1334) überlassen hat, die KLX-R über die Zulassungshürde zu hieven. Eine viel längere Sekundärübersetzung, ein geänderter Gasschieber nebst modifizierter Vergaserabstimmung und ein entsprechender Auspuffschalldämpfereinsatz trimmen die KLX-R auf Zulassungskurs, verändern den potenten Gelände-Einzylinder aber nachhaltig: Von den offen 45 PS bleiben nach der Anpassung an die gesetzlichen Geräusch- und Abgasbestimmungen nur noch deren 25 übrig.
Geblieben ist der KLX-R ihr gutmütiges Startverhalten. Egal ob kalt oder warm, der Kickstarter muß selten mehr als einmal getreten werden. Doch schon auf den ersten Metern offenbart die Kawasaki, in welcher Leistungsklasse sie nun spielt. Ziemlich weit unten. Trotz voll geöffneter Drosselklappe legt die 650er nur sehr gemächlich an Tempo zu. Jeder Versuch des mächtigen Einzylinders, so etwas wie Spritzigkeit zu entwickeln, wird sofort von der endlos langen Sekundärübersetzung im Keim erstickt. Was bleibt, ist ein gequältes Schütteln des strangulierten Einzylinders.
Auch in den oberen Gängen zeigt sich die gedrosselte KLR 650 R wenig temperamentvoll. Von der vielgelobten Durchzugsstärke des 45-PS- Triebwerks ist leider nichts mehr zu spüren. Damit der Fahrspaß nicht gänzlich auf der Strecke bleibt, beschränkt sich der Schaltfuß nach kürzester Zeit auf die ersten drei Gänge des leicht und präzise zu schaltenden Fünfganggetriebes.
Erwartungsgemäß hat das gegenüber dem Vorgängermodell nur leicht modifizierte Fahrwerk keine Probleme, der gebotenen Leistung Herr zu werden. Trotz leicht verkürzten Nachlaufs und steileren Lenkkopfwinkels ist der Geradeauslauf der gedrosselten Version tadellos. Offen allerdings zieht die dann immerhin fast 160 km/h schnelle Enduro heftig schlingernd ihre Bahn. Gute Arbeit leisten die Bremsen. Die vordere zeigt ordentlichen Biß für scharfe Asphaltritte, und hinten überzeugt der Stopper durch zahmes Ansprechen und gute Dosierbarkeit, so daß man auf losem Untergrund nicht gleich überbremst. Die Abstimmung der Federelemente ist zwar für den Straßenbetrieb etwas zu straff, schafft aber Reserven für den forcierten Geländeeinsatz. Und da gehört die KLX 650 R eigentlich auch hin. Für rund 500 Mark von der Last jeglicher Drossel befreit, ist der neue Jahrgang der grünen Enduro eine gute Basis für den Einsatz abseits befestigter Wege.
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