Test Triumph Thunderbird Sport

Gelb-Wucht

Von wegen Café-Racer: Der drehmomentstarke Retro-Klassiker von Triumph ist für Kurztrips zur nächsten Eisdiele viel zu schade.

Sieht so aus, als habe es Triumph übertrieben mit dem britischen Understatement. Die einzige echte Neuheit, die die Briten diesen Herbst präsentierten, bezeichnen sie als Nischenmodell. Offizielle Sprachregelung: Café-Racer. Doch schon auf dem Seitenständer – einen Hauptständer sucht man leider vergeblich – outet sich die Thunderbird Sport als gelungene Mischung aus 60er Jahre-Look und zeitgemäßer Technik.
So setzen die Techniker bei der Sport auf eine voll einstellbare und gut ansprechende Vordergabel. Das Zentralfederbein, bei der Ur-T-Bird heftig kritisiert, ersetzten die Briten durch eine straffere Variante mit mehr Federweg. Gänzlich neu ist die vordere 310er Doppelscheibenbremse.
Richtig ins Schwärmen geraten Menschen, die sich dem Klassischen verbunden fühlen, dann beim Betrachten der Hinterrad-Schutzblechs und der Drei-in-zwei-Auspuffanlage: gekonntes Design vereint mit einer guten Verarbeitung. Und Pragmatiker freuen sich spätestens beim Ertönen des bärigen 900er Dreizylindermotors. Er hat nahezu die gleiche Abstimmung wie der Drilling der Enduro Tiger und wird für das deutsch-österreichische Umweltgewissen mit einem ungeregelten Kat ausgerüstet.
Gerade wegen dieses nominell 78 PS starken Motors scheint Triumph mit der Sport der große Wurf gelungen zu sein. Keine Spur mehr vom schlechten Ansprechverhalten der alten Thunderbird oder miesen Kaltstarteigenschaften. Der Wechsel des Vergaser-Lieferanten wirkt tatsächlich Wunder. Im Test stemmte das Triebwerk 85 PS und verfügt zudem über eine außergewöhnliche Leistungsentfaltung: Das maximale Drehmoment von 84 Newtonmetern liegt bereits bei knapp über 2800/min an. Ergibt zusammen mit dem sicheren und erstaunlich handlichen Fahrwerk ein prima Landstraßengefährt – trotz der immerhin 244 Kilogramm Gewicht. Lediglich die fast schon etwas zu engagiert verzögernden Bremsen sind etwas gewöhnungsbedürftig.
Noch einfacher fährt es sich, wenn anstelle der Avon-Erstbereifung – sie wurde eigens für die Sport entwickelt – die ebenfalls homologierten Dragon GTs von Pirelli montiert werden. Die Avons verfügen zwar über ausreichend Grip, aber sie benötigen beim Einlenken eine kräftige Hand. Zudem fallen sie durch ein starkes Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage unangenehm auf, was dem Dragon GT fast völlig fremd ist. Umbereift läßt sich die Sport leichter und neutraler in Kurven lenken, wobei in Rechtskurven bei allzu forscher Gangart ein dezent aufsetzender Auspuffkrümmer als Schräglagenmesser fungiert. Ein weiterer Pluspunkt: Die Pirelli-Reifen schwächen ein Phänomen ab, das Triumph mit der schweren Auspuffanlage begründet – die Sport zieht leicht nach rechts.
Den hohen Spritverbrauch der Ur-Thunderbird geschmähten hat man in Hinkley inzwischen ebenfalls in den Griff bekommen: Gut fünf Liter Super bleifrei Durchschnittsverbrauch sind bei flotter Landstraßenfahrt ein ehrenwertes Ergebnis. Das macht aus der bequem schnell zu fahrenden T-Bird Sport trotz des kleinen 15 Liter Tanks beinahe einen Tourer, einzig die zu weich gepolsterte Sitzbank und ein zu schwach gekröpfter Lenker könnte ihrem Fahrer auf Dauer den Spaß vermiesen.
Der vielleicht auch dem deutschen Importeur verlorengeht: Dem Vernehmen nach hat er nämlich mit gut 400 T-Bird Sport etwas zu vorsichtig geordert. Zu viel Understatement schadet eben manchmal.
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