Test Triumph Tiger, Modell 2004

Gewetzte Krallen

Foto: Bilski
Triumph Tiger, Modell 2004
Triumph Tiger, Modell 2004
Sie hat gefehlt, die Tiger, beim Vergleichstest der Reiseenduros in MOTORRAD 8/2004. Aus gutem Grund. Denn zu dieser Zeit wurden der britischen Raubkatze zu Hause in Hinckley noch die Krallen gewetzt, um zum großen Sprung auf die Konkurrenz anzusetzen. Nun pirscht sie sich erstmals auf Leichtmetall-Gussrädern und Schlauchlos-Gummipfoten durchs Asphalt-Jagdrevier. Die auf 170 Millimeter Federweg gekappte Telegabel erhielt wie das modifizierte Federbein härtere Federn und eine geänderte Dämpfungscharakteristik. In Richtung leichteren Handlings zielen verkürzter Radstand und Nachlauf sowie steilerer Lenkkopf.
Trotzdem stakst der Tiger-Dompteur ein bisschen gefühllos und entkoppelt von der Fahrbahn ums Eck. Nur mittelprächtig ist die Zielgenauigkeit in lang gezogenen, schnellen Kurven, Bodenwellen regen das Fahrwerk zu leichtem Nachwippen an. In engen Kurven gebärdet sich die 251-Kilogramm-Fuhre mit ihrem ziemlich hohen Schwerpunkt ein wenig kippelig, verlangt Korrekturen. Die straffer gewordenen Federelemente filtern harte, trockene Stöße nicht gänzlich aus dem Teer-Dschungel.
Immerhin fällt das Einknicken der Vorderhand beim Griff zu der für Triumph-Verhältnisse ungewohnt stumpf zubeißenden Doppelscheibenbremse geringer aus. Ruhigen Blutes neigt die Tiger zu flotter, aber nicht übertrieben schneller Gangart. Das Chassis hat schließlich in seinen Grundzügen bereits 1999 das Licht der Welt erblickt, damals noch mit 885-cm3-Motor.
Mittlerweile ist der Dreizylinder auf 955 Kubikzentimeter angewachsen und auf 106 PS Nennleistung erstarkt, nach wie vor glänzt er mit linearem, gut kontrollierbarem Leistungszuwachs und recht geringem Benzinverbrauch. Allerdings bleiben auf dem Prüfstand nur 99 PS und 84 Newtonmeter an der Kupplung hängen, mobilisiert die neue Software gegenüber dem 98-PS-Modell nur ganz oben und unten auf der Drehzahlleiter mehr Muskeln. Also, besser gleich den optionalen Drosselsatz mitordern und die gesparte Versicherungsprämie in die nächste Reise investieren. Denn als Tourer macht die Tiger, deren Stahlrohr-Rückgrat und Schwinge nun silbern erstrahlen, eine prima Figur.
Und weil lackierte Koffer samt Trägersystem, Hauptständer und muckelig warme, zweistufig regelbare Heizgriffe zum serienmäßigen Erbgut gehören, könnte die Tiger für komplett 10600 Euro gar das Angebot mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis ihrer Klasse sein. Das ist doch was. tsr
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Technische Daten - Triumph Tiger Modell 2004

Motor: wassergekühlter Dreizylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Einspritzung, geregelter Katalysator, Sechsganggetriebe, Kette.
Bohrung x Hub 79,0 x 65,0 mm
Hubraum 955 cm3
Verdichtungsverhältnis 11,2:1
Nennleistung 78 kW (106 PS) bei 8900/min
Max. Drehmoment 95 Nm bei 6200/min

Fahrwerk: Brückenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 43 mm, Zentralfederbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Doppelkolben-Schwimmsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 285 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel.
Reifen 110/80 VR 19 TL; 150/70 VR 17 TL
Maße und Gewichte: Radstand 1550 mm, Sitzhöhe* 850 mm, Gewicht vollgetankt* 251 kg, Zuladung* 234 kg, Tankinhalt/Reserve 24/3 Liter.
Garantie zwei Jahre
Farben Orange, Grün, Silber
Preis inkl. Nebenkosten 10600 Euro

MOTORRAD-Messungen - Triumph Tiger Modell 2004

Höchstgeschwindigkeit1 215 km/h

Beschleunigung
0–100 km/h 3,9 sek
0–140 km/h 6,8 sek
0–200 km/h 24,5 sek

Durchzug
60–100 km/h 4,7 sek
100–140 km/h 5,1 sek
140–180 km/h 8,8 sek

Verbrauch im Test
Landstraße 4,9 l/100 km

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