Vergleichstest Showbikes: Bimota Mantra, Moto Guzzi Centauro und Triumph Speed Triple

Die Schaulustigen

Nur keine falsche Bescheidenheit. Warum sich nicht etwas abheben mit einer Bimota Mantra, einer Moto Guzzi Centauro oder einer Triumph Speed Triple?

Haben Sie diese Erfahrung nicht auch schon mal gemacht? Sie fahren sonntags einen beliebten Motorradfahrertreffpunkt an und werden das beklemmende Gefühl nicht los, daß bei Ihrer Ankunft beim dort versammelten Bikervölkchen sofort alle Gespäche verstummen. Hunderte Augenpaare sind nur auf Sie gerichtet. Betont vorsichtig parken Sie ihre Maschine, Marke tut nichts zur Sache, im hintersten Winkel und wundern sich dann auch noch, daß Ihnen niemand einen der raren Sitzplätze anbietet. Sie schwören sich, in Zukunft solche Bikeraufläufe zu meiden.
Das muß nicht sein. Gehen Sie in die Show-Offensive. Wenn Sie mit einem der von MOTORRAD getesten drei Bikes an Ihrem Lieblingstreff auftauchen, ist Ihnen der große Auftritt sicher. Parken Sie ruhig in der ersten Reihe. Nur Mut, denn den haben die Designer der Bimota Mantra, der Moto Guzzi Centauro und der Triumph Speed Triple auch bewiesen. Was vor allem für die T 509 von Triumph gilt, gaben sich die Motorräder aus Hinkley doch bislang wie Mitglieder der Konservativen Partei: solide, traditionsbewußt, aber nicht unbedingt das, was einem spontan den Kopf verdreht. Nicht so bei der Speed Triple der zweiten Generation. Ein wahrhaft gewagtes Outfit verbunden mit Bauteilen vom Feinsten, wie etwa der Einarmschwinge oder dem stabilen Alu-Brückenrohrrahmen. Beim Motor setzen die Engländer ebenfalls auf eine komplette Neukonstruktion, wenn auch mit bekannten Maßen für Bohrung und Hub: den 885-cm³ -Reihen-Dreizylinder mit elektronischer Einspritzanlage. Noch immer leidet das Triebwerk jedoch unter unerklärlichem Leistungsschwund. Von den versprochenen 108 PS (siehe auch Kasten Seite 35) bleiben auf dem Prüfstand nur 98 übrig. Sei’s drum, spontan am Gas hängt der Motor trotzdem. Und dann dieser unvergleichliche heisere Klang. Die Speed Triple kann ihre Abstammung von der Daytona nicht verleugnen. Eine Fahrmaschine, ganz klar das sportlichstes ab Werk käufliche Showbike, das außerdem noch eine gute Alltags- und Zweipersonentauglichkeit zu bieten hat.
Extravagantes Styling, das war bislang eine Domäne der Italiener, allen voran der kleinen riminesischen Marke Bimota. Ein Hersteller, der in Kleinserie exklusive und nicht gerade günstige Sportmotorräder fertigt. Wenn man dort auch der Zeit in Sachen Experimentierfreude bisweilen meilenweit voraus ist. Man erinnere sich nur an die achsschenkelgelenkte Tesi. Bei der Mantra geht Bimota dagegen auf Nummer Sicher. Ihr Äußeres wirkt zwar extrovertiert, aber beim Motor setzen die Riminesen auf bewährte Technik. Nicht ohne Stolz steht auf der Bugverkleidung »Powered by Ducati«. Ein Lob vorweg: Bimota hat dem luftgekühlten Zweizylinder der Ducati 900 SS, ansonsten als rauh, aber herzlich bekannt, feine Manieren beigebracht. Saubere Gasannahme, mit 78 PS satte Leistung und gute, da vibrationsarme Laufkultur: Herz, was willst du mehr? Hinzu kommt, daß die Mantra der Triumph Speed Triple in Sachen Handling kaum nachsteht. Kunststück, bei einem mit 1370 Millimetern extrem kurzen Radstand und einem fahrfertigen Gewicht von nur 198 Kilogramm. Daß die Mantra nicht nur auf schlechtem Fahrbahnbelag etwas zappelig wirkt, na ja, das sollte man ihr nachsehen. Dafür verwöhnt sie zumindest den Fahrer mit einem sofagleichen Sitz- und Federungskomfort. Und einem kernig-wohligen Sound, der aus der karbonfaserverschalten Zwei-in-vier-Auspuffanlage erklingt. Respekt für den, der einen so italienfreundlichen TÜV-Prüfer für die Einzelabnahme gefunden hat. Schon allein deshalb liegt die Mantra in der inoffiziellen Aufmerksamkeitswertung - wenn auch nur knapp vor der Speed Triple - vorn, völlig egal, wo man mit ihr auch auftaucht. Beim Design der Frontpartie allerdings scheiden sich die Geister. Der feist herausragende Scheinwerfer erinnert im ersten Moment fatal an den Autoscooter-Stand vom letzten Rummelplatzbesuch. Auch die Wurzelholzimitation im Cockpit ist nicht jedermanns Geschmack. Nicht zur Diskussion steht dagegen, daß sich die Bimota-Techniker die müde dahinfunzelnden Anzeigeleuchten aus dem Elektrobaukasten ihrer Bambini geliehen haben müssen. Welch ein Stilbruch. Und trotz der erfreulichen Preissenkung von fast 30000 auf 23449 Mark absolut nicht standesgemäß. Dafür hat sich der Designer bei der Heckpartie der Mantra mächtig ins Zeug gelegt: einfach schön anzusehen.
Was nicht wenige Kollegen auch von der Moto Guzzi Centauro V 10 behaupten. Etwas gewöhnsbedürftig kommt sie daher, ihrem Namen gleich, das Fabelwesen Centauro (halb Mensch, halb Pferd) aus Mandello. Wenn die Bezeichnung »Macho-Bike« überhaupt auf ein Motorrad zutrifft, dann auf die Guzzi. Hut ab erstmal für dieses gewagte Design. Und dann für diesen Motor. Um es mit einem Wort zu umschreiben: urgewaltig. 99 PS und 96 Newtonmeter maximales Drehmoment aus einem luftgekühlten Zweizylinder, da sage noch einer, Moto Guzzi müßte schnellsten über ein neues Motorenkonzept nachdenken. Wobei auch die Verarbeitungsqualität der Moto Guzzi überzeugt, was im übrigen für die Bimota und die Triumph ebenfalls gilt.
Allein das Anlassen dieses Brockens gestaltet sich zum Erlebnis. Das Vierventil-Triebwerk lebt, bebt, röchelt, stampft und vibriert, aber nicht unangenehm – ganz im Gegenteil. Zwar gibt sich der Einspritz-Motor im kalten Zustand noch etwas widerwillig, doch einmal – mit Bedacht – auf Betriebstemperatur gebracht, zeigt er ab 4500/min sein wahres Gesicht. Dann zieht einem die Centauro die Arme lang, stürmt die 246 Kilogramm schwere Maschine unwiderstehlich nach vorn. In Sachen Durchzug brauchen sich die Speed Triple und die Mantra erst gar nicht mit der Centauro zu messen – zumindest bis 120 km/h. Negative Auswirkungen des offenliegenden Kardanantriebs? Fehlanzeige. Aber auch schaltfaules Dahingleiten im letzten Gang bereitet dem Guzzi-Motor keine Probleme. Die centaurische Höchstgeschwindigkeit von 216 km/h bleibt freilich nur ganz hartgesottenen Zeitgenossen vorbehalten. Schon die 180-km/h-Marke darf als theoretischer Wert gelten, den auch die Fahrer der Mantra und der Speed Triple gern der vollverschalten Fraktion überlassen. Wer sich mit der weit nach hinten entrückten und soziusverneinenden Sitzposition auf der Centauro erstmal angefreundet hat, dem offenbart sie auf kurvigen Landstraßen ihren ganz eigenen Charme. Klar, so leichtfüßgig wie die Speed Triple oder die Mantra läßt sie sich nicht um Kurven scheuchen. Aber so schwer, wie ihr Äußeres es im ersten Moment vermuten läßt, fährt sie sich beileibe nicht. Ihr Fahrwerk gibt sich dabei ebenso straff wie das der Triumph. Dagegen erscheint die Mantra eher als Softie. Aber zum Glück bieten alle drei ihren Besitzern jede Menge Einstellmöglichkeiten an den Federelementen, so daß sich eine passende Abstimmung finden läßt. Auch in puncto Bremsen gibt’s null Anlaß zu Beschwerden. Wobei die Triumph-Bremsanlage von Nissin den Maßstab setzt, die Brembo-Bremsen der Italienerinnen aber ebenfalls überdurchschnittlich gut und narrensicher verzögern.
Klar, über Geschmack läßt sich trefflich streiten – oder auch nicht. Eins, das sollte aber von vorneherein klar sein: Die drei Maschinen polarisieren. Sie stoßen einen ab oder ziehen einen in ihren Bann. Dazwischen gibt es nichts. Und das ist auch gut so. Sie liebäugeln jetzt mit einer Probefahrt (es lohnt sich) und entscheiden sich vielleicht tatsächlich für den Kauf einer der drei? Dann wundern Sie sich bitte nicht, wenn man Ihnen beim nächsten Ausflug zum Motorrad-Treffpunkt großzügig einen Sitzplatz anbietet und Sie in stundenlange Benzingespräche verwickelt. Sie haben es schließlich nicht anders gewollt. Und, wie schon gesagt, parken Sie ruhig ganz vorne. Niemand wird Ihnen das ernsthaft übel nehmen – außer vielleicht einige Neider.
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Speed Triple: Auf der Suche nach den verlorenen PS - Triumph programmiert neues Kennfeld für die Speed Triple

Bereits im ersten Test (MOTORRAD Heft 7/1997) litt die Speed Triple unter einem Leistungsdefizit. Statt der versprochenen 108 PS in der offenen Version stemmte der Dreizylinder lediglich deren 96 auf die Prüfstandsrolle. Zudem trank die Triple ungebührlich. Zusammen mit Sagem, dem Zulieferer der Einspritzelektronik, begaben sich die Triumph-Techniker auf Leistungssuche. Bislang nur mit einem Teilerfolg, denn mit 98 PS verfehlte die T 509 die gewünschte Topleistung erneut. Dafür sank der Spritverbrauch bei konstant gefahrenen 160 km/h um über einen Liter. Speed Triples wird das neue Kennfeld kostenlos ab Anfang Mai 1997 ins Steuergerät programmiert.

2. Platz - Bimota

Topleistung interessiert Sie nicht. Für Sie zählt vor allem die extravagante Optik. Sie wollen ein exklusives Motorrad, das nicht nicht an jeder Straßenecke zu sehen ist? Dann liegen Sie mit der Bimota Mantra genau richtig, zumal ihr neu kalkulierter Preis von 23449 Mark in Ordnung geht. Die Mantra garantiert nicht nur den etwas anderen Auftritt, sondern wird Sie auch mit einer bequemen Sitzposition, ihrer Handlichkeit und einem prima abgestimmten Ducati-Motor überzeugen.

1. Platz - Triumph

Ihr Spitzname lautet »Stoppie«, weil Sie auf wilde Bremsmanöver stehen. Die Einarmschwinge der 916 hat Ihnen sowieso schon immer gefallen. Dazu stehen Sie auf High-Tech: Die Saugrohr-Einspritzung ist ganz nach Ihrem Geschmack. Und die verkrampfte Sitzposition auf Ihrem Supersportler war Ihnen erstens schon immer zu unbeqeum, zweitens fährt mit so ’nem Ding – Ihrer Meinung nach – inzwischen jeder Heini rum. Höchste Zeit für Sie, über eine Probefahrt mit der Speed Triple nachzudenken.

1. Platz - Moto Guzzi

Hämische Blicke verwirrter Menschen, die sich mit dem Design Ihrer Maschine nicht anfreunden wollen, stören Sie nicht im geringsten. Von einem Motorrad verlangen Sie vor allem Leistung pur, aber man sollte bitte auch was davon spüren. Dann gibt’s für Sie nur eins: die Moto Guzzi. Ein urwüchsiges Kraftpaket names Centauro mit einem harten, aber stabilen Fahrwerk. Sowas bekommen eben nur die Italiener hin, aber das wußten Sie ja schon immer. Preis und Verarbeitungsqualität? Passen.

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