Vergleichstest Transportmittel

Avanti! Köln!

Was als hitzige Diskussion auf dem Redaktionsflur begann, nahm im Selbstversuch einen überraschenden Ausgang: Welches Transportmittel bringt einen schneller von Stuttgart nach Köln? Die Bahn, der Flieger oder doch das Motorrad?

Foto: Gargolov
Vorteil Motorrad ...
Vorteil Motorrad ...

Zwischen Stuttgart und Köln liegen rund 370 Kilometer. Ein Bekannter mit einem sehr gut motorisierten Sportwagen will diese Distanz nachts in nur einer Stunde und 55 Minuten überbrückt haben. Das ist krass. Und weit entfernt von der täglichen Realität.

Doch um die geht es hier. Um die Addition von tatsächlicher Fahrzeit und allem Drumherum. Einchecken, tanken, Wartezeiten und so weiter. Weshalb die Motorradfraktion überzeugt ist, dass ein leistungsstarkes Zweirad auf dieser Strecke durchaus Chancen gegen einen schnellen ICE oder gar einen Flieger hat. Der Start erfolgt in Stuttgart, direkt vor der Redaktion. Bedingt durch die variierenden Abfahrtzeiten von Flugzeug und Bahn können nicht alle gleichzeitig starten. Am Ziel, dem Tanzbrunnen an den Rheinterrassen, entscheidet die effektiv benötigte Zeit von »Haustür zu Haustür«.

Eine direkte Flugverbindung zwischen den beiden Städten gibt es nicht. Wohl aber fliegt die Lufthansa an diesem Tag für 182 Euro Düsseldorf an. Flugtester Michael Orth wird per S-Bahn zum Stuttgarter Airport fahren (25 Minuten, 2,90 Euro), er muss 30 Minuten vor dem Abheben einchecken. Reine Flugzeit: 60 Minuten. In Düsseldorf geht’s per Regionalexpress für 17 Euro in nur 35 Minuten direkt bis zur Haltestelle Köln-Deutz. Und die liegt nur wenige Gehminuten vom Ziel entfernt. Wenn alles reibungslos klappt, könnte man in 2.45 Stunden am Zielort sein.
Die Bahn wirbt mit nur 2.13 Stunden Fahrtdauer zwischen den Hauptbahnhöfen Stuttgart und Köln, einmal Umsteigen in Mannheim inklusive. Fahrpreis: 84 Euro. In Köln muss Bahntesterin Corinna Ehmann ohne Zusatzkosten per S-Bahn eine Station retour fahren. Rechnet man den Weg von Haustür zu Haustür dazu, könnte Corinna die Strecke theoretisch ebenfalls in nur 2.40 Stunden zurücklegen. Um diese Zeit zu toppen, müsste MOTORRAD-Testredakteur Rolf Henniges zwischen beiden Haustüren einen Schnitt von rund 160 km/h realisieren. Aber mit einem 200-PS-Bike, das locker 300 km/h läuft, dürfte das kein Problem sein. Oder etwa doch?

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Kawasaki ZZR 1400 - "Verliebt in meinen Führerschein"

In den Neunzigern gab es mal eine Werbung: Deine Mutter sagt: Du bist verrückt. Deine Frau sagt: Komm heil zurück. Dein Boss sagt: Das muss zu schaffen sein. Nun, da ging es um Zigaretten, Abenteuer und Freiheit. Ich bin Nichtraucher. Und
verliebt in meine Freiheit. Vor allem in meinen Führerschein. Deshalb ist für mich bei diesem Abenteuer die oberste Prämisse: Maximal 20 km/h schneller als erlaubt – nur außerhalb von Baustellen, versteht sich. 20 km/h drüber entsprechen 30 Euro Strafe, null Punkte, das ist zu verkraften. Ansonsten gilt: Wenn alles frei ist, dann
alles, was die Mühle hergibt.
Und das ist verdammt viel. Mit 190 vom Werk angegebenen PS ist die ZZR 1400 das stärkste Serienmotorrad der Welt. Bei 299 km/h wird der enorme Vortrieb elektronisch begrenzt. Ein Navigationssystem habe ich nicht. Aber mir die Route per Internet-Routenplaner ausgedruckt. Der sagt: 372 Kilometer Start-Ziel-Entfernung, davon 366 auf Schnellstraßen. Fahrzeit: 3.30 Stunden, Benzinkosten: 22,29 Euro. Die Basis dieser Berechnungen dürfte ein 1979er-Opel B-Kadett gewesen sein.
5.15 Uhr. Morgendämmerung. Rein
ins Leder, Visier-Check, Handschuhe zu, durchatmen, Gang rein. 5.45 Uhr, Esso-Station, Tank randvoll pressen, ein belegtes Brötchen, dazu ein halber Liter eiskalter Durstlöscher. 5.58 Uhr, Redaktionsgebäude: GPS einschalten, los geht’s.
Bis zur Stadtgrenze sind’s acht Kilometer. Die Ausfallstraße muss theoretisch mit 80 genommen werden. Bis Heilbronn ist die
A 81 abgesehen von drei kurzen Teilstücken auf 120 km/h begrenzt. Und um diese Zeit nur sehr wenig befahren. Auf dem ersten freien Stück schnellt der Tacho kurz auf 270 km/h. Und ruft die Worte eines Kollegen wach: »Wenn du mit 300 auf eine 120er-Zone aufläufst, bist du da durch,
bevor du die Schilder realisiert hast und bremsen kannst.« Ganz so ist es nicht.
Hinter Heilbronn wird’s eng. 120 km/h, mehr Verkehr, eine auf 80 begrenzte Baustelle. Aufholbar, klar. »Die A 5 ist völlig unbegrenzt«, hat mir ein Freund gesteckt. Das ist auch der Grund, warum ich im weiteren Verlauf nicht die A 61, sondern die
A 3 gewählt habe. Falls ich auf Letzterer
einen Schnitt von 190 km/h realisiere, kann ich vor dem Eintreffen der anderen beiden noch genüsslich frühstücken. Irgendwas stimmt jedoch nicht. Erstens: Blasendruck. Es war nur ein halber Liter. Aber der will raus. Zweitens: Zwar ist die A 5 »offen«, durch Berufsverkehr zwischen Heidelberg und Darmstadt jedoch völlig verstopft. Es kommt noch schlimmer: Stau. Langsam taste ich mich durch, erst auf der A 67
lassen sich wieder Meter gut machen.
7.29 Uhr, 195 Kilometer sind zurückgelegt, ich erreiche die A 3. Ebenfalls stark frequentiert vom Berufsverkehr. Da nützen 190 Pferde wenig. Angasen, bremsen, angasen. Dynamisches Parken auf der
linken Spur. Deutsche Realität. 7.39 Uhr, viertel voller Tank, Blase mit Überdruck. Ich stoppe bei der Raste Bad Camberg. Auf den hinter mir liegenden 234 Kilometern hat die 1400er exakt 16,84 Liter abgefackelt. Nachfüllen, rauspressen, zahlen. Toll, vor mir lediglich ein Kunde, ein schwarzer Mann aus Ghana. Seine Kreditkarte kommt ebenfalls aus Westafrika. Sechs Versuche, Abbruch, verzweifelte Geldscheinsuche. Fünf Minuten verpuffen. Die entsprechen 12,5 Kilometer Wegstrecke bei einem Schnitt von 150 km/h. Oje, diese Zeit ist nur noch reinzuholen, wenn die A 3 frei ist.
Ist sie auch. Und kurvig. Hier kommt die ZZR ihrer Bestimmung nach: stabil wie hingedübelt, unglaublich spurtstark, sehr effektiv abzubremsen. Mein Tempo pendelt zwischen 230 und 280 km/h. Neben mir
die ICE-Trasse. Der Zug kann auf diesem Teilstück angeblich schneller als 300 km/h
fahren. Aber eben nur auf diesem, hähä... Wenn jetzt nichts dazwischen kommt, bin ich als Erster in Köln. Doch der Himmel zeigt kein Verständnis für meine Test-
fahrt. Aus bleifarbenen Wolken beginnt es zu nieseln. Dann erste dickere Tropfen.
Ich drossele das Tempo geringfügig, hoffe darauf, dass es nicht richtig schüttet.
Und habe Glück. Die Fahrbahn wird nur leicht feucht, der Regen stoppt. Bei Bonn geht’s auf die A 560, anschließend auf die A 59 und weiter auf der A 559. Es
ist 8.29 Uhr, ich gleite als Fragment der Berufspendlerschlange gen Köln. Mehr als 120 km/h sind nicht drin. Sehe meine Chancen zerbröseln, habe aber noch Hoffnung. Wieder Stop-and-go, gelangweilte Mienen hinter getönten Scheiben. Egal, wenn alles klappt, ist Corinnas Zugzeit doch irgendwie zu knacken. Um 8.45 Uhr rollt der Vorderreifen über Kölns Stadtgrenze. Jetzt nur noch den Schildern Richtung Messe folgen...
Die Storys des Lebens sind mitunter krude. Mir nix, dir nix lande ich in einem Schilderwald. Umgehung hier, Umfahrung dort. Und ohne Ortskenntnis... Köln Messe, Eingang Ost, Durchfahrt verboten. Ich muss hier aber durch, irre umher, frage den Erstbesten. Der erklärt mir den Weg zum Tanzbrunnen. Das Ziel ist nur 300 Meter Luftlinie entfernt. Laufen? Mit den Stahlschuhen? Im Lederdress? Um die Blöcke? Hilflos wieder umherirren? Nein, fahren! Rechts, links, wieder links. Wäre der Weg nicht verirrleitet, hätte ich das
Ziel um 8.49 Uhr, nach exakt 2.51 Stunden erreicht. Mit fragen, irren und umleiten komme ich auf 3.03 Stunden. Hoffentlich hatte der Zug Verspätung.

Die Zugfahrerin - "Ich werde gewinnen"

Von Stuttgart nach Köln – mit der Bahn? Rolf kann Fragen stellen. Und ich dachte, ich komme mal wieder zum Motorradfahren. Na gut, das krieg’ ich hin. Und ich werde gewinnen, will den Pokal.
6.30 Uhr. Start am Redaktionshaus. Das fängt ja gut an! Gleich die erste
Verzögerung. Das GPS-Gerät will nicht funktionieren. Ständig bringt es neue
Anweisungen: »Suche neu starten« oder »Batterie sparen«. Von wegen, ich muss nur aufs Knöpfchen drücken, wie man mir versichert hat. Statt S-Bahn gehe ich lieber zu Fuß zum Hauptbahnhof, vielleicht findet sich bis dahin Empfang. Bis 6.51 Uhr schaffe ich das locker, der Bahnhof liegt Luftlinie exakt 850 Meter entfernt.
Auf Gleis 8 steht der ICE 694 schon bereit, der Bahnsteig ist voll mit Menschen. Wodurch ich mich von den meisten unterscheide: Ich habe kein Laptop dabei. Klar, Berufsverkehr.
Jetzt im ICE nur noch den reservierten Platz finden, und es kann losgehen. Immerhin, wir fahren pünktlich ab. Nur leider rückwärts. Nicht gerade jedermanns Sache und meine auch nicht. Profis hätten das sicher bei der Reservierung verhindert. Egal, dafür herrscht hier im Gegensatz zum hektischen Verkehrsgewühl auf den Straßen Totenstille. Alles schläft, nur ich kämpfe mit meinem Tischchen, das sich nicht ohne Lärm ausklappen lässt. Bin wohl lange nicht mehr Zug gefahren. Das heißt Zug schon, aber nicht ICE. Mit Hilfe meiner netten Nachbarin gibt sich das Tischchen endlich geschlagen und klappt aus. Jetzt erst bemerke ich die vielen Knöpfe und den kleinen Bildschirm vor
mir. Doch 1. Klasse? Nein, wie ich später erfahre, hat fast jeder ICE einen solchen Videowagen. In der 2. Klasse. Na ja, bei exakt 84 Euro oneway darf man ein bisschen Luxus erwarten.
Ob Michael wohl mittlerweile gestartet ist? Eindeutiger Vorteil gegenüber dem Flieger: Die Beinfreiheit ist mindestens dreimal so groß. Die Begrüßung des Zugbegleiters ähnlich freundlich wie vom Flugkapitän, und nach kurzer Zeit rollt die
mobile Getränkestation vorbei. Nachteil: Hier muss man für einen Kaffee löhnen, und zwar nicht wenig. 2,60 Euro für den normalen, 2,80 für ’nen Cappuccino. Kaum habe ich mich häuslich eingerichtet und könnte mir jetzt in aller Ruhe einen Film reinziehen, ist es 7.27 Uhr. Und um 7.28 Uhr heißt es Umsteigen in Mannheim. In sieben Minuten soll es weitergehen.
Wunderbar, der Anschlusszug ICE 604 steht auf dem Bahnsteig gegenüber, und nach etwas Verwirrung ist der richtige Waggon und Platz gefunden. Jetzt geht’s vorwärts (im wörtlichen Sinn), mit der Ausstattung dagegen rückwärts. Nix mehr mit Video. Bleibt noch mein Navi zum Zeitvertreib, das nach wie vor häufig nach
Aufmerksamkeit verlangt. 8.10 Uhr: Halt
in Frankfurt/Flughafen. Michael müsste
inzwischen in Düsseldorf gelandet sein. Hey, was ist los? Eigentlich sollte der Zug doch schon wieder fahren. Um 8.16 Uhr kommt die Durchsage, dass der ICE 604 wegen Gleisbauarbeiten Verspätung hat. Mist, jetzt wird’s eng. Allerdings auch das Wetter immer schlechter. Und bei Regen steigen meine Chancen zumindest gegenüber dem Motorrad, 300 km/h sind dann nicht drin, viel zu gefährlich. Oder wird Rolf trotzdem durchladen, wenn’s frei ist?
8.38 Uhr. Endlich die Chance zum Überholen. Die ICE-Trasse verläuft nun
parallel zur Autobahn, und auf der läuft’s eher zäh, hihi. Die Anzeige auf dem Info-Display steigt schnell in Richtung 300 km/h. Wow, ein Spitzengefühl, zum ersten Mal 300. Mühelos rausche ich an dicken BMW, Mercedes oder Porsche vorbei.
Eine blaue ZZR 1400 kann ich allerdings nirgends ausmachen. Habe ich Rolf abgehängt, oder genießt er bereits das Frühstück? Noch 20 Minuten bis Köln.
Der Dom ist in Sichtweite, die Haltestelle Köln-Messe/Deutz auch – halt, stopp, hier will ich raus. Keine Chance, dieser
ICE hält hier nicht. Die eine Station muss ich mit der S-Bahn leider zurückfahren. Wenigstens haben wir die Verspätung
wieder reingeholt. Pünktlich um 9.04 Uhr kommt der Zug in Köln-Hauptbahnhof zum Stehen. Endspurt. Ich bin die Erste an der Tür. Wo bitte geht’s zur S-Bahn? Runter, rüber, hoch, und siehe da, sofort rollt die richtige Linie ein. Eine Station muss reichen, um mir den Weg zum Tanzbrunnen erklären zu lassen. Na ja, irgendwie durch die Riesenbaustelle, dahinter sei der Tanzbrunnen. Aha. Ein Taxi? Nein, lieber nicht. denn wer weiß, ob und wann ich eins von diesen Dingern erwische.
Die Baustelle ist in der Tat nicht zu übersehen – und Rolf am vereinbarten Treffpunkt ebenfalls nicht. Trotzdem, noch ist nichts verloren. »Und, wie lange bist du schon da?« Rolf grinst und gibt dann zu: »Rund 20 Minuten. Das wird verdammt knapp, vermutlich warst du schneller.« Rolf ist nämlich eine halbe Stunde vor mir in Stuttgart gestartet.

Der Flieger - "Das Schlimmste: die Mitreisenden"

Das Flugzeug ist schnell, sauschnell, macht locker über 800 Sachen. Das Problem ist nur: Der Vogel startet nicht vor der Haustür, sondern braucht ja einen
verdammten Flughafen, und der liegt weit draußen zwischen Krautfeldern. Pünktlich um 5.47 Uhr drückt sich die S-Bahn wie eine Wurst aus dem Tunnel in die Haltestelle Stadtmitte. In der Wurst hängen müde Leute und muffige Luft. Es ist eins vor sechs, der Zug passiert Stuttgart-Vaihingen, als vom benachbarten Sitz ein komisches Geräusch kommt. Unmittelbar darauf stinkt es. Der Typ, ein junger, gegelter Dunkelhaariger mit Trainingshose, guckt, als wäre nix gewesen. Aber der Mief wabert über den hässlich blau karierten Sitzen bis zum Flughafen. Überhaupt das Schlimmste an den Öffentlichen: Mitreisende. Und dass man sie sich nicht aussuchen kann.
Taxi wäre besser gewesen. Nicht nur der besseren Luft, auch der Zeit wegen. Für den Flug um 7.10 Uhr hätte man bis zwanzig vor sieben einchecken können. Bis dahin bleiben 28 Minuten. Lausige zwei mehr hätten es für die spätere Bahn sein müssen. Oder auch nicht. Ein Anzugtyp mit holziger Rasierwasserschleppe und Aktenkoffer presst sich durch die Schlange, und ohne weiteres lotst ihn der Offizielle ganz nach vorne zum Schalter. Er sagt nur: »Hamburg«. Damit ist die Sache geritzt. Zu spät kommen und einen auf eilig und wichtig machen, statt sich brav anzustellen. Das wär’s gewesen.
Es ist fünf nach sieben, als die Flugbegleiterin verkündet, das »boarding« sei »completed«, woraufhin sich aus dem Cockpit Kapitän Achim Unger mit der vollmundigen Ansage eines »nahezu pünktlichen Fluges« meldet. Was von seiner Rede zu halten ist, zeigt sich, als das Flugzeug um kurz vor halb acht immer noch auf der Startposition wartet. Im »Kicker« des Nebenmanns findet sich Pete Sampras als »weißer Riese« betitelt. Während in der »Bild« drei Mädchen gestehen: »Wir sind 14 und hatten gerade unseren ersten Sex.« Ein Geschäftsmann Mitte 30 vertieft sich auffallend lang in die drei, fortwäh-
rend Daumen und Zeigefinger aneinander reibend. Man muss nicht in seinem Kopf sein, um zu wissen, was seine Hose denkt.
Erst dann, schon 7.32 Uhr, schwillt das Dröhnen der Triebwerke an, die Startbahn rast, die Bäume ziehen ruhig vorbei, bis der Jet die Nase hebt und seine 70 Passagiere wie in einem riesigen Fernsehsessel kollektiv nach hinten klappt. Im Kopf ein wattiges Gefühl, Druck auf den Ohren. Die Bäume sind da nur noch grüne Teppiche am Boden, und zwischen den Teppichen liegen bunt verteilt kleine Klötzchen in der Gegend herum. In den Klötzchen wohnen Menschen. Unter dem Sitz steckt eine Schwimmweste, in der Business Class gibt es belegte Brötchen, weiter hinten, immerhin, ein Getränk. Annika de Buhr, Moderatorin von »heute nacht«, gestattet im Lufthansa-Magazin einen Blick in ihr Handgepäck und verrät: »Ich ziehe dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil vor.« Eine Tafel halte locker mehrere Tage. Ihre Figur bestätigt das.
Plötzlich, 8.10 Uhr, tut es einen Schlag. Das Fahrwerk. Flachdachhallen kommen
in den Blick, Hochhäuser, die Autobahn, ein Klärwerk, Wald, Schienenstränge, der Landeanflug auf Düsseldorf. Wo der Canadair Jet um 8.16 Uhr auf die Rollbahn aufsetzt, und zwar eher unsanft.
In nur 16 Minuten wird der Regionalexpress 10110 dem Bahnhof Köln-Messe/
Deutz entgegenhasten. Wo aber fährt er ab? Tausende Schilder in der Ankunftshalle: Behindertentoilette, Mietwagen. Laufschritt, 8.24 Uhr. Gepäckausgabe, Taxistand. 8.27 Uhr. Souvenirs, Zeitschriften. 8.30 Uhr. Laufschritt, Laufschritt. Ein Servicemensch mit roter Krawatte: »Zug nach Köln? Ja, der fährt nicht hier vom Terminal ab, da müssen Sie erst mit dem Shuttlebus zum Bahnsteig. Gehen Sie dort vorne rechts ...« 8.32 Uhr. Weg ist der Zug. »Der nächste«, sagt der Herr an der Information, »geht schon um 8.51 Uhr«.
Im Wagen riecht es stechend scharf, irgendwie katzenpissig. Das ist, ganz bestimmt, der Geruch der Niederlage. Das dürfte feststehen, während der Regionalexpress vorbei an adretten Einfamilienhäuschen und Pferdeweiden, einer Thyssen- und einer Zamek-Fabrik zurück Richtung Süden eilt, wo Corinna mit dem ICE und Rolf mit der ZZR wohl längst eingetrudelt sind. Obwohl sie beide viel später
gestartet waren.
Als sich die Zugtüren nach 35 Minuten endlich am Deutzer Bahnhof auftun, klingelt das Telefon. »Hallo, hier ist Corinna.« »Wo bist du?« »Na, am Treffpunkt.« »Allein?« »Nicht allein. Und du?« »Noch am Bahnhof.« Und fünf Minuten später, den Schildern »Messe« folgend, vor einem dämlichen Bauzaun, wo die Arbeiter den Kopf schütteln. Zum Tanzbrunnen? Hm, zurück zum Bahnhof, unter den Gleisen durch und dann... Na gut, dann aber gemächlich.

Fazit Motorrad

Vmax: 299 km/h
Gewicht: 260 kg
Verbrauch: (pro 100 km) 7,5 Liter
Leistung: 190 PS
Preis: 13995 Euro
Bike: 3.03 Stunden Vergeigt. Mit zwei Minuten Vorsprung vor der Deutschen Bahn hätte ich gesiegt, wäre der Schilderwald nicht gewesen. So liege ich zehn Minuten hinter der Bahn. That’s life. Gestresst bin ich weniger. Topspeed fahren war kaum möglich. Kurvensurfen auf der A 3 ist jedoch auch bei 180 sehr nett. Ob Bahn- oder Flugzeugnutzer tatsächlich entspannter ans Ziel
gelangen, sei dahingestellt. Der Oneway-Trip nach Köln kostete 86,42 Euro (39,81 Euro für Benzin plus 46,61 Euro Fixkosten).

Fazit Bahn

Vmax: 300 km/h
Gewicht: 409 Tonnen
Verbrauch: (pro Kopf/100 km) 2 Liter*
Leistung: 10880 PS
Preis: 20000000 Euro
Bahn: 2.53 Stunden Na, wer sagt’s denn? Der Zug gewinnt. Und
das, obwohl der ICE wegen Gleisbauarbeiten in Frankfurt sechs Minuten verspätet losfuhr. Interessant dabei: Auf den meisten Streckenabschnitten sind so genannte Pufferzeiten in
der Fahrzeit enthalten, damit Verspätungen
aufgefangen werden können. Das klappt leider nur bedingt. Klarer Nachteil der Bahn: Wer
nicht frühzeitig reserviert, muss mitunter stehen. Der Preis: 84 Euro.

Fazit Flugzeug

Vmax: 812 km/h
Gewicht: 34 Tonnen
Verbrauch:(pro kopf/100 km)7,62 Liter
Leistung: 56,4 Kilonewton
Preis: 23462612 Euro
Flug: 4.10 Stunden Diese Strecke fliegen? Nicht noch mal. Die
Nettoreisezeit ist zwar richtig flott: 25 Minuten
S-Bahn zum Flughafen, 42 Minuten in der Luft, sechs Minuten Busshuttle, 35 Minuten Regionalexpress von Düsseldorf nach Köln. Aber
dazwischen bleibt Zeit liegen, weil Fahr- und Flugpläne nicht abgestimmt sind. So werden aus siegverdächtigen 1.48 Stunden von Stuttgart nach Köln ganze 4.10 Stunden. Auch der Preis ist exorbitant: insgesamt 202 Euro.

GPS - GPS

Jeder Teilnehmer war mit einem Garmin-GPS 60CSx (689 Euro) ausgerüstet, das Informationen über die gefahrene Strecke und Geschwindigkeit aufzeichnet. Über Satellit wird die Uhrzeit synchronisiert. Und per Touratech-Software ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass der ICE beispielsweise das Motorrad um 7.46 Uhr in Höhe Montabaur überholte. Der Flieger hätte theoretisch um 8.12 Uhr in Höhe Dortmund das Motorrad hinter sich gelassen. Nebenbei konnte dem Tacho der ZZR eine Voreilung von drei Prozent nachgewiesen werden.

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