Werks-Yamaha TRX 850

Alles over

Noch 1995 baute Kensei Sato von Over-Racing für Yamaha die TRX 850 als Superbike. Jetzt hat das Werk die Weiterentwicklung selbst in die Hand genommen.

Unweit der Yamaha-Zentrale in Iwata liegt die Teststrecke von Fukoroi. Dort steht für MOTORRAD eine TRX 850 im Langstrecken-Trimm zur Probefahrt bereit, die 1995 von der Firma Over-Racing aufgebaut wurde und nun im Werk selbst weiterentwickelt wird. Hirosuke Negishi, TRX-Projektleiter und für den Renneinsatz der Langstreckenmaschine verantwortlich, erläutert, was den Twin vom 1995er Over-Projekt unterscheidet: »Nach dem neuen Reglement dürfen wir jetzt größere 41er Keihin-Flachschiebervergaser anstatt der 38er Serienvergaser verwenden. Natürlich sind jetzt auch die Einlaßkanäle und Nockenwellen auf die größeren Querschnitte abgestimmt. Die Serienkurbelwelle mit edlen Titanpleueln ist erleichtert und feinbearbeitet, hat aber den gleichen Hub wie das Straßenmotorrad. Nur die Kolben wuchsen im Durchmesser um einen auf 90,5 Millimeter Bohrung, ergibt exakt 868 cm³ Hubraum. Mit einer neuen Kennfeldzündung, modifizierter Airbox und Auspuffanlage kommen wir jetzt auf gut 120 PS, zehn mehr als noch im letzten Jahr. Und wir haben im unteren und mittleren Drehzahlbereich kaum Leistung verloren.«
Was jedoch beim hochkarätigsten besetzten Langstrecken-Meeting auf dem schnellen Kurs von Suzuka wenig Bedeutung hat. Um bei den über 160 PS starken Vierzylinder-Werksmaschinen nicht ganz den Windschatten zu verlieren, wird der Fünfventil-Twin bis zum Drehzahllimit von 10 000/min ausgepreßt. Damit erklärt sich, trotz des gewaltigen Durchzugs, die Umstellung vom serienmäßigen Fünfganggetriebe auf sechs enggefächerte Gangstufen.
Erfreulicherweise ist die Sitzposition mit höheren Rasten und tiefen Lenkerstummeln auf Langstrecke getrimmt und ohne Qual zu ertragen. Vehement geht die TRX aus dem Drehzahlkeller vorwärts und legt ab 6000/min noch mal kräftig zu. In den unteren Gängen steigt das Vorderrad und setzt, durch den Lenkungsdämpfer beruhigt, viele Meter später kontrolliert wieder auf. Federleicht wuselt die 165 Kilogramm leichte TRX trotz des breiten 180er Slicks durchs Kurvenlabyrinth der Teststrecke. Die verwindungssteife Showa-Telegabel vermittelt in Verbindung mit der stabilen Alu-Schwinge der YZF 1000 eine tadellose Lenkpräzision. Die Sechskolben-Zangen von Nissin sind eine Klasse für sich - wer nicht mit ihnen vertraut ist, bremst stets viel zu früh.
Mit Platz 24 landete die TRX 1996 zwar nur im Mittelfeld der 64 gestarteten Teams beim Acht-Stunden-Marathon von Suzuka , doch mehr hatten die Yamaha-Fahrer Tadahiko Taira und Christian Sarron nicht erwartet. Das Projekt dient vielmehr der Entwicklung einer für Privatiers beherrschbaren, kostengünstigen Rennmaschine, die dem Trend zu sündhaft teuren, handgefertigten Einzelstücken entgegenwirken soll.
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