07.04.2014 Von: Eva Breutel
MOTORRAD, PS

Massimo Tamburini gestorben Ein Großer ist gegangen

Der berühmte Motorrad-Entwickler und -Designer Massimo Tamburini ist tot. Er starb Samstagnacht im Alter von 70 Jahren in seiner Heimatstadt Rimini.

Massimo Tamburini

Massimo Tamburini ist am 5. April 2014 im Alter von 70 Jahren verstorben.  

Foto: MV Agusta  

Porträt Massimo Tamburini aus MOTORRAD 5/2004

Bimota, Ducati, MV Agusta – das waren die wichtigsten Stationen in Tamburinis Karriere. Besonders bekannt und bewundert sind zwei seiner Schöpfungen: die Ducati 916 aus dem Jahr 1994 und die MV Agusta F4 von 1998, die beide bis heute zu den schönsten Motorrädern der Welt zählen.

Möglich wurden sie durch Tamburinis geniales Feeling für Motorräder und seinen absoluten Perfektionsimus: Er war erst dann zufrieden, wenn das Motorrad voll und ganz seinen ästhetischen und technischen Ansprüchen entsprach. Das war natürlich nicht immer durchzuhalten, schließlich musste auch er sich Produktionszwängen beugen. Doch die 916 und die F4 kamen seinen Vorstellungen vom perfekten Motorrad ziemlich nahe, auch wenn er im MOTORRAD-Interview einmal zähneknirschend sagte: "Scheinwerfer stören die Form ungemein. Aber ohne kriegen wir natürlich keine Homologation für die Straße, deswegen muss ich das Beste daraus machen." Das tat er – wenn in diesem Fall auch widerwillig.

Geboren wurde Massimo Tamburini am 28. November 1943 als Sohn einer vielköpfigen Bauernfamilie. Als er elf Jahre alt war, gab die Familie die Landwirtschaft auf, der Vater suchte sich eine neue Arbeit als kleiner Transportunternehmer in Rimini. Massimo, schon als Kind und Jugendlicher von Motorrädern begeistert, besuchte das technische Institut in Rimini, schloss die Schule aber nicht ab und gründete 1966 zusammen mit Giuseppe Morri und Valerio Bianchi die Sanitärfirma Bimota, die sich auf Heizungen spezialisierte.

Erst ein Motorradunfall führte 1973 dazu, dass Tamburini seine Leidenschaft zum Beruf machte: Er stürzte mit seiner neuen Honda CB 750 Four auf der Rennstrecke von Misano. "Wenn ich in der Quercia-Kurve nicht weggerutscht wäre, hätte ich mich wohl niemals beruflich mit Motorrädern beschäftigt", erzählte er in späteren Jahren. Schuld am Sturz war das unzureichende Fahrwerk, und Tamburini schloss seiner Firma den Ableger Bimota Meccanica an, wo er fortan als Fahrwerkskonstrukteur und Designer wirkte.

Erstes Projekt war natürlich ein neues Fahrwerk für die CB 750 Four: Von der HB1 baute Tamburini zwar nur zehn Stück, doch sie machten ihn in ganz Italien und darüber hinaus bekannt. 1983 verließ er Bimota und ging zum Rennteam Gallina, für das er den Grand Prix-Renner TGA 500 GP entwickelte. So wurde der italienische Motorrad-Unternehmer Claudio Castiglioni auf ihn aufmerksam: Er gab ihm den Auftrag, eine sportliche 125er zu entwickeln, die ein neues Markt-Segment schaffen sollte. Die Cagiva Aletta Oro wurde im November 1984 vorgestellt und in Italien zu einem großen kommerziellen Erfolg.

Die Zusammenarbeit mit Castiglioni, dem Eigner von Cagiva, Ducati und später MV Agusta, eröffente Tamburini eine überaus fruchtbare Schaffensperiode. Er, der sich nur ungern aus seiner Heimatstadt Rimini wegbewegte, wurde Chef des Cagiva Research Centers im nahen San Marino, wo er seine Ideen nach Lust und Laune ausleben durfte, gelegentlich auch ohne Rücksicht auf die Kosten. Für Castiglioni entwickelte er nach der Übernahme von Ducati in Windeseile die Paso, ein sehr radikales, wenn auch nicht unbedingt schönes Motorrad, sowie die Superbikes 851, 888 und eben die legendäre 916/996.

Als Castiglioni Ducati verkaufte, folgte ihm Tamburini und übernahm die Entwicklung der MV Agusta F4 und später der Brutale, sämtlich Motorräder, die für ihren unvergleichlichen Stil, aber eben auch für ihre Technik berühmt wurden. Zu Tamburinis technischen Verdiensten zählt unter anderem die Entwicklung des Stahlgitterrohrrahmens auf ein so hohes Niveau, dass er mit japanischen Konstruktionen aus Aluminum mithalten konnte. Ducati und MV Agusta verwenden den Gitterrohrrahmen bis heute. Ebenfalls ein Einfall Tamburinis war die Integration der Blinker in die Rückspiegel, was bei Supersportlern bis heute so gehalten wird. Ganz zu schweigen vom Design: Der Idee, die Auspufftüten unter der Sitzbank entlangzuführen wie bei der Ducati 916, folgten ganze Heerscharen von Entwicklern und Designern.

Im Jahr 2008, als Harley-Davidson MV Agusta übernahm, zog sich Massimo Tamburini aus dem Research Center in San Marino zurück und widmete sich verstärkt seiner Familie und seinen Hobbys wie dem Angeln. In Sachen Motorräder wurde es ruhiger um ihn, auch wenn er seinem Sohn und dessen Firma Tamburini Corse in San Marino mit Rat und Tat zur Seite stand. Tamburini war bereits in früheren Jahren einmal an Krebs erkrankt, galt jedoch als geheilt. Im letzten November wurde jedoch ein Lungentumor bei ihm festgestellt, dem er nun erlag. Die Beisetzung findet am 9. April um 15 Uhr in Grotta Rossa, Rimini statt.

Il Massimo

Porträt Massimo Tamburini aus MOTORRAD 5/2004 (von Eva Breutel).

Porträt Massimo Tamburini aus MOTORRAD 5/2004 (von Eva Breutel).   6 Bilder

Nomen ist manchmal doch Omen: "Il Massimo" heißt "das Maximum" - und dem nähert sich Massimo Tamburini an.

So begann Eva Breutel das Porträt über Massimo Tamburini in MOTORRAD 5/2004 anlässlich dessen 60. Geburtstag. Sehen Sie hier die Geschichte über den Großmeister des Motorrad-Designs und den Schöpfer supersportlicher Ikonen wie Bimota HB2, Ducati 916, MV Agusta F4 und Cagiva Mito.


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