Ausfahrten, Touren, Reisen 2013 - Tipps für starke Erlebnisse Sieben Träume

Jedes Jahr dasselbe. Blickt man zurück, hat man von seinen Plänen und Zielen wieder mal nur die Hälfte umgesetzt. Da hilft nur eines: jetzt fest planen und fett im Kalender eintragen. So wie die MOTORRAD-Redakteure Ralf Schneider und Werner Koch, die euch ihre sieben spannenden Vorhaben für das Jahr 2013 nicht vorenthalten wollen. Zur Nachahmung in ähnlicher Form empfohlen.

Foto: Koch

Zu spät organisiert, kein Urlaub, mieses Wetter - irgendwas kommt immer dazwischen. Und wenn es der faule Hund ist, der in uns schlummert und der lieber auf dem Sofa versackt, anstatt sich aufs Krad zu schwingen.

Dann ist das Jahr rum, besagtes Krad steht sich unter der Abdeckplane die Reifen platt, und man ärgert sich über die verpassten Motorradunternehmungen. Die Konsequenz: jetzt, genau jetzt und nicht in vier, sechs oder acht Wochen den Plan festzurren. Kalender raus, Termine je nach Vorhaben im Wandkalender fett mit rotem Marker eintragen und sofort erledigen, was dazugehört. Egal, was ihr vorhabt: machen. Und immer an die weisen Worte von Karl Napf, dem Erfinder der Brotsuppe, denken: „Schieb nix auf die lange Bank - sie könnte kürzer sein, als du denkst.“

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Foto: Deleker

Kaffeepause

Früh aufstehen? Eigentlich nichts für mich. Nur wenn diktatorische Fahrpläne es verlangen oder ein Grand Prix von Australien angeschaut werden will; wenn es also gar nicht anders geht. Trotzdem gebe ich gerne zu, dass ich jedes Mal bezaubert bin, wenn ich gezwungenermaßen einen schönen Sommermorgen erlebe, der frisch und warm, hell und schattig zugleich sein kann und durchzogen ist von angenehmen Düften. Noch steht die Sonne tief und verströmt Aprikosenlicht, noch sind die Straßen fast leer ...

Es muss herrlich sein, an einem solchen Morgen um halb fünf aus dem Bett und mit einem halben Butterbrot zwischen den Zähnen in die Kombi zu schlüpfen. Helm auf, Handschuhe an und um drei Ecken herum mit möglichst niedrigen Drehzahlen davonschleichen. Keiner, der einen hetzt, stattdessen durchleuchtete Tautropfen am Straßenrand. Langsam schärfen sich die Sinne, werden Muskeln und Reifen geschmeidig. Ob ich schneller fahre oder einfach so dahingleite, weiß ich noch nicht. Das wird mir der Morgen vorschlagen, und ich werde einverstanden sein. Vielleicht fahre ich ja nur bis zu einem Platz mit schöner Aussicht und träume eine halbe Stunde lang. Aber bevor der Berufsverkehr einsetzt oder die notorischen Frühschöppner und Sonntagmorgenheizer ihr Wesen treiben, werde ich mit frischen Brötchen wieder daheim sein und Kaffeeduft durchs Haus wehen lassen, während draußen mein Motorrad abkühlt. Diesen Sommer mach ichs, ganz bestimmt. Wer macht mit? Aber bitte nicht alle auf einmal!

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Foto: Streblow
Die Atmosphäre schwankt zwischen Show-Room und Elefantentreffen.
Die Atmosphäre schwankt zwischen Show-Room und Elefantentreffen.

Oldtimermarkt

Auf zum Oldtimermarkt. Mit den angesparten 2000 Euro muss es dieses Jahr sein: ein Motorrad Baujahr 1953, so alt wie man selbst. Es war höchste Zeit, den Fuhrpark auszudünnen und die vielen Gebrauchtteile aus der Werkstatt zu verscherbeln. Mit viel Überwindung zwar, aber auch mit der Perspektive, das Geld in neues altes Eisen zu investieren. Der Plan: 2000 Euro in bar in die Tasche und mit dem Transporter zum Oldtimermarkt. Und zwar alleine, ohne Flüsterer und Zweifler, die in schwäbischer Knauserigkeit jeden Euro umdrehen. Nein, jetzt wird geprasst, und wenn das Traummotorrad Baujahr 1953 zum Verkauf steht, wird mit Handschlag und gegen ein Bündel Euro-Scheine erbeutet und sofort verladen. Sofort. Deshalb ist der Transporter dabei, damit die Zweifler und Flüsterer einen im Nachhinein nicht vom rechten Weg abbringen.

Aber so wie ich mich kenne, kann es anstatt der alten Maschine auch ein Satz feiner Drahtspeichenräder mit italienischen Trommelbremsen oder ein Yamaha TZ-Rennmotor sein. Das wär ne prima Basis für den nächsten Eigenbau. Auch nicht schlecht. Das 1953er-Motorrad müsste dann eben warten bis zum nächsten runden Jubiläum.

Foto: Wiessmann

Rennstrecke

Wann warst denn du das letzte Mal an der Rennstrecke? Nein, nicht auf der Couch vor der Glotze. So richtig auf der Tribüne, mit Sonnenbrand und Renn-Wurst, von Rizinus geschwängerter Luft und knisternder Spannung, wenn das Feld in der ersten Runde durch die Kurven sticht. Dann darf ich eine Empfehlung abgeben: Superbike-IDM. Der Hammer. Ich, nach 25 Jahren Rennsport zum ersten Mal seit langer Zeit auf dem Rennplatz. Saisonfinale Hockenheim, Zeittraining, Tribüne Sachskurve. Du stehst da und glaubst es nicht.

Eigentlich geht es dort unten nur um den Startplatz, aber so wie die Jungs reinhalten, geht’s eher um Leben und Tod. Die fahren sich an die Karre, dass es nur so scheppert, drücken sich in Lücken vorbei, die gar nicht da sind, ziehen schwarze Striche vom Anbremsen bis zum Rausfahren. Egal, in welcher Klasse oder in welcher Liga. Ob bei den ganz schnellen Superbikes aus der ersten Reihe oder den „Hinterbänklern“ in der 600er-Supersport-Klasse. Die Buben lassen’s krachen, dass dir nix mehr einfällt. Da muss man hin, da fliegt einem der Hut weg. Hautnah, laut, heiß, hammerhart. Kein Wunder, da unten versuchen ein paar Weltmeister, die nationale Szene aufzumischen. Und die hält mit allen Mitteln dagegen. Der pure Wahnsinn mit Fahrerlager zum Anfassen. Hingehen!

Foto: jkuenstle.de

Vater und Sohn

Wenn die Kinder groß und flügge sind, weiß man: Das war’s dann mit den schönen Kindertagen. Wirklich? Klar hat der Bub mit dem Motorrad schon alles Mögliche ausprobiert. Renntraining mit Instruktor, staubige Endurotouren, abenteuerliche Ausfahrten mit dem 125er-Moped. Fast das ganze Programm. Aber das Beste fehlt noch: die Alpen. Wie oft muss sich der arme Junge die ollen Kamellen anhören, mit denen Papas Motorradclique ganze Geburtstagsabende füllt. Von der Silvretta-Hochalpenstraße mit der Fünf-PS-50er, der Schneegestöber-Überquerung am Klausenpass, den wüsten Heizereien im Bermudadreieck Grimsel-Furka-Sustenpass. Aus denen - Gott sei Dank - die Erkenntnis reifte, dass die Suche nach dem Limit wohl doch besser in Hockenheim stattfinden sollte. Ich bin sicher, wer noch nie mit dem Motorrad oben auf einem Alpenpass gestanden hat, ehrfürchtig die Bergriesen mit weißen Gipfeln bestaunte, dem fehlt das Tüpfelchen auf dem i.

Foto: Jo Deleker
Apropos Reisen: Einmal vom Norden bis zur Südspitze Spaniens ging es ebenfalls in Ausgabe 8/2012 - inklusive Camping in der Sierra Nevada.
Apropos Reisen: Einmal vom Norden bis zur Südspitze Spaniens ging es ebenfalls in Ausgabe 8/2012 - inklusive Camping in der Sierra Nevada.

Treiben lassen

Schmeiß den Hammer ins Eck und hau ab. Es steht dir zu. Pack das Motorrad und deine sieben Sachen, geh volltanken, und dann nix wie weg. Nimm dir eine Auszeit und lass daheim, was uns alle klammheimlich zu Sklaven macht. Handy und iPad weg, Bargeld statt Kreditkarte, Zelt und Schlafsack statt Internethotelreservierung. Wie das gehen soll? Frag dich mal, wie das mit 20 Jahren gegangen ist. Mit wenig Kohle und noch weniger Erfahrung. Genau deshalb, weil man sich einfach aufs Motorrad geschwungen hat, und ab die Post. Geht jetzt auch noch, man muss es nur machen. Egal, ob zwei oder fünf Tage.

Okay, fünf sind besser. Dann kann man sich treiben lassen, Straßen und Landschaften erkunden, für die man bislang keine Zeit hatte oder an denen man aus Gewohnheit vorbeigebrettert ist. Einfach mal abbiegen, wo man noch nie abgebogen ist, um zu sehen, wo man hinkommt, wenn man ankommt. Man haut sich in die Büsche, wo es einem passt. Oben auf dem Bergrücken mit Fernsicht zum Beispiel, wo man sich schon lange fragt, warum dort kein Gasthaus steht. Jetzt steht eins da für 99 Euro von Polo - Stoffzimmer ohne Frühstück. Das gibt’s am nächsten Morgen in aller Frühe ein paar Flecken weiter beim Bäcker, frisch aus dem Ofen.

Foto: jkuenstle.de

Endurotour durch die Pyrenäen

Der erste Spezi hat bereits zugesagt, weil ihn die Endurotour durch die Pyrenäen auch schon seit Jahren umtreibt, denn wer mal dort war, kann’s nicht lassen. Warum? Schwer zu sagen, liegt wohl daran, dass der Gebirgszug entlang der französisch-spanischen Grenze hochalpine Landschaften mit mildem Mittelmeerklima verbindet. Doch im Vergleich zu den Alpen sind die Strecken zu den bis zu 3400 Meter hohen Gipfeln so gut wie verkehrsfrei. Selbst in der Haupturlaubszeit August beschränken sich die Menschenströme auf die ausgewiesenen Touristenzentren. Und die kann man lässig ausklammern, weil gerade die wilde Landschaft außerhalb dieser gerne besuchten Städte fasziniert.

Kurven zum Schwindeligfahren, Schotterstrecken für die Endurofraktion und preiswerte, rustikale Herbergen mit allen Leckereien, die die mediterrane Küche zu bieten hat. Der ganz besondere Reiz auf dem Weg durch die Pyrenäenkette: Sie verbindet das Mittelmeer im Südosten mit dem rauen Atlantik im Nordwesten. Das garantiert spannende Gegensätze in Landschaft, Kultur und Menschenschlag. Die noch dadurch gesteigert können, dass man seine Hin-Tour auf der spanischen, die Rück-Tour aber auf der französischen Seite plant. Mehr Abwechslung geht wirklich nicht.

Foto: Platzer

Adrenalin-Kur

Früher war manches einfacher. Renntrainings zum Beispiel. MOTORRAD und PS hatten sich jeden Montagnachmittag zum Testen auf dem Hockenheimring eingemietet. Und irgendein sportliches Motorrad, ein Reifenpaar oder Zubehörteil, das man testen musste, fand sich immer.

Heute ist ein Renntraining eine Expedition. Selten, zeitaufwendig und teuer. Und gerade deshalb so dringend nötig, wenigstens einmal pro Saison. Routiniert checkt man das Motorrad durch, heizt die Reifen sorgsam auf und fragt sich, ob man das alles nur dem Fahrspaß und der Sicherheit zuliebe treibt oder um die eigene Nervosität im Zaum zu halten.

Wenn sie verfliegt, sobald es auf die Strecke geht, ist alles gut. Allein mit der Maschine; das bisschen Welt drumherum spielt am Rand der Wahrnehmung. Meist fährt man am zweiten Tag automatisch schneller. Und nach dieser fahrdynamischen Frischzellenkur ist man zwar total erledigt, fühlt sich aber wie neugeboren.

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