Tourentipps rund um Garmisch Partenkirchen Deutschland ganz unten

Deutschlands südlichstes Ende kann Motorradfahrern echte Höhenflüge bescheren. Nicht nur im Frühjahr, aber da besonders, ist die Gegend um Garmisch-Partenkirchen ein Highlight. Drei Touren, um Alpen-Einsteiger anzufixen.

Foto: Greune

Garmisch-Partenkirchen ist das Ergebnis einer Zwangsehe: Da weder das eine noch das andere Dorf seinerzeit groß genug war, um den Richtlinien zur Ausrichtung der Winterolympiade von 1936 zu entsprechen, wurden sie kurzerhand zusammengeworfen. Die beiden völlig unterschiedlichen Ortskerne erkennt man als solche bis heute. Im Sommer ist die auf gut 700 Metern Höhe gelegene Marktgemeinde unterhalb der Zugspitze ein perfekter Ausgangspunkt für Touren nicht nur durchs bayerische Voralpenland, sondern auch tief hinein in die alpine Bergwelt Tirols.

Anzeige
Foto: Jan Greune

Tour 1: Seen

Erst sanft, dann schroff staffeln sich Berge südlich des Starnberger Sees in den Himmel. Der Anblick ist beinahe Befehl: in die Sonne legen, baden gehen und danach ab in den Biergarten. Ein Befehl, den man gern befolgt. Dazu nehmen Eilige von Garmisch statt der nach Norden eher reizlosen Nebensträßchen die A95. Runter gehts in Sindelsdorf. Und endlich rein ins real existierende Bilderbuch-Bayern. Unweit der Zwiebeltürme von Kloster St. Benedikt, dessen Gründung fast 1200 Jahre zurückreicht, sumsen Hummeln durch die sattgrünen, löwenzahngetupften Wiesen. Nimmt man den Helm ab, klingt eine Oktave höher helles Kuhglockengeläut im Ohr.

Das Bilderbuch bleibt offen, langsam zieht das Voralpen-Panorama vorbei. Aus Riedgras und Schilf kommt ein öliger Hauch von Wasser. Es riecht nach Sommer. Wer Lust drauf hat, kann in Uffing direkt vor den Bierbänken des "Alpenblick" in den Staffelsee springen. Die Gegend gilt den Münchnern nicht umsonst als ihr Vorgarten. Erst in den Brauereiwirtschaften "Karg" und "Griesbräu" der Künstlerstadt Murnau sind die Einheimischen wieder mehr unter sich.

Einen großen Namen trägt Oberammergau - er klingt nach Hammerschlägen, Schicksal und Kreuz Christi. Doch flaniert man durch, ist der Passionsspielort geprägt von der Fröhlichkeit der Lüftlmalereien auf den Hausfassaden. Leidensgeschichte und Lebensfreude sind hier genauso verknüpfte Bayern-Klischees wie das oft bemühte Bild vom Laptop und der Lederhos‘n, das am ehesten auf Garmisch-Partenkirchen zutrifft. Dorthin zurückgekehrt, darf man sich endlich gönnen, worauf man sich unterwegs so viel Lust geholt hat: eine kühle Biergarten-Halbe. Befehl ausgeführt!


Anzeige
Foto: Jan Greune

Tour 2: Karwendel

Wie über die Wiesen gewürfelt wirken die vielen Heustadel aus dunklem Holz von Garmisch aus nach Osten. Wenn im Mai das Wetter gepasst hat, wird im Juni die erste Heuernte drin eingelagert. Bei Wallgau heißt es Motorradhandschuhe aus und Geldbeutel raus. Ab hier folgt eine Privatstraße dem kiesigen Bett der jungen Isar. Drei Euro Maut kostet‘s bis Vorderriß. Wer nicht stehen bleibt, verpasst den Blick über die von zerzausten Kiefern und Fichten bestandenen Talflanken - und den "Kaiserschmarrn" im Biergarten der "Post" sowieso. Von Vorderriß schlängelt sich ein schmales Teerband tief ins Karwendelgebirge. In der "Eng" liegt Kuhdung in der Luft. Und ab und zu auch auf der Straße.

Ab Hinterriß ist die Sackgasse mautpflichtig, aber bis zum Talschluss jeden Cent wert.

Am Sylvensteinstausee vorbei geht‘s in einer Schlaufe durchs bayerische Oberland bis ins etwas abseits der Bundesstraße gelegene Örtchen Ort. Dort, beim "Jägerwirt", gibt‘s in der Sonne Schweinebraten mit Knödel. Die schmecken wie einst von Oma, und beim Blick auf Benediktenwand und Herzogsstand gleich noch besser.

Korkenzieherartig spiralt sich die Kesselbergstraße vom Kochelsee hoch und in weiten Schlaufen wieder runter an den Walchensee. Herrlich zu fahren, aber an Wochenenden und Feiertagen für Motorradfahrer nur in entgegengesetzter Richtung frei. Dann heißt es, die Tour umdrehen, was ihren Genuss kein bisschen mindert.


Foto: Jan Greune

Tour 3: Hahntennjoch

Schon bald nach dem Start taucht im Ammergebirge Linderhof auf, das Rokokoschloss von Ludwig II. Für den "Kini" erforderte die Reise dorthin von München aus einst ganze zwei Tage. Der Plansee, weiter drüben in Tirol, hat ihm sicher auch gefallen. Des Königs Kutschen sind längst verschwunden. Heute spiegelt sich das smaragdgrüne Wasser geheimnisvoll in den metallicblauen Tanks der beiden Triumph.

Im Namlostal bekommen die Motorräder Auslauf, dürfen sich warmfahren für das, was gleich folgt. "Das Hahntennjoch ist bis weit ins Frühjahr rein gesperrt", nickt der alte Wirt des "Elmerhofs" drunten im Lechtal.Hirten aus dem Engadin hätten sich schon im 13. Jahrhundert da oben angesiedelt, erzählt er. Ihre Holzhäuser in Pfafflar stehen noch. Daneben lädt ein Café zur Rast - "Biker willkommen". Ein dezenter Hinweis darauf, dass hier an den Sommerwochenenden eine Menge los ist.

Gezeichnet von den Felseinschlägen vieler Schneeschmelzen, mäandert die pockennarbige Straße an ihnen vorbei, kurvt über 16-prozentige Steigungen hoch über die Baumgrenze hinaus. Die Passhöhe selbst ist auf knapp 1900 Metern eher unspektakulär. Doch dahinter geht es unter scharf gezackten Felsgraten durch leblose Steinwüsten - die Muren. Schilder warnen vor den "Murenstrichen". Ihre steilen Geröllfelder drohen bei Gewitter die Straße zu verschlingen. Eine feindselige Welt, die demütig macht, aber irre Spaß zu fahren.

Versöhnlicher, mit sanften, gut ausgebauten Kurven, im Vergleich zum alpinen Hahntennjoch beinahe eine Autobahn, bietet der Fernpass den Rückweg. An der Loisach bitte tanken. Denn die Grenze zu Deutschland ist nur noch daran erkennbar, dass dahinter der Sprit 20 Cent teurer ist. Den Extra-Schluck haben sich die Bikes verdient. Ihre Fahrer sind sowieso noch im Kurvenrausch.


Infos

Foto: Jan Greune

Die gezeigten Touren sind für Einsteiger gut geeignet, Alpenkennern bietet die Region noch eine Menge mehr. Wer den Familienurlaub mit Motorradtouren verbinden möchte, findet ebenfalls ideales Terrain.

Der Ort:
Die 708 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Marktgemeinde hat Deutschlands südlichstes Kfz-Kennzeichen GAP. Der 27500-Einwohner-Ort am Zusammenfluss der aus Tirol kommenden Loisach und der im Wetterstein-Gebirge entspringenden Partnach hat im Sommer das Problem, ein Wintersportort zu sein, sprich: eine Menge Hotelbetten, die belegt werden wollen. Daher hat sich der örtliche Tourismusverband eine Reihe Sommer-Aktivitäten einfallen lassen: neben Wandern (300 km Wege), Klettern, Mountainbiken (450 km Strecken), Rafting und Bogenschießen eben auch Motorradfahren.

Reisezeit:
Egal ob nach Tirol hinein oder Richtung Norden an die oberbayerischen Seen, an den Wochenenden und während der Sommerferien im Juli/August ist hier immer viel Betrieb. Wer kann, sollte diese Zeit nach Möglichkeit meiden. Ideal sind die Monate Mai und Juni, vorher herrscht auf hochalpinen Pässen wie dem Hahntennjoch oft noch Wintersperre.

Übernachten:
Garmisch-Partenkirchen bietet alle möglichen Arten von Unterkunft, vom einfachen Privat-Einzelzimmer mit Etagendusche und Frühstück ab 25 Euro pro Nacht über Standard-Hotels (Einzelzimmer ab 50 Euro) bis hin zur Luxusherberge. Zimmer vermittelt die Tourist-Information, Tel. 08821/180700. Wer den Trubel des Fremdenverkehrsorts scheut, kann auch ins direkt unter der Zugspitze gelegene Grainau ausweichen (Tourist-Information Tel. 08821/ 981850). Am Ortsrand von Grainau gibt es auch einen Campingplatz.

Nicht verpassen:
Lohnenswerte Ziele sind neben einer Fahrt mit der Zugspitzbahn auf den höchsten Berg Deutschlands (Berg- und Talfahrt circa 27 Euro/Person) eine Wanderung durch die Partnachklamm oder ein Besuch von Schloss Linderhof und dem nahe gelegenen Kloster Ettal. Oberhalb des Kochelsees bietet sich das Freilichtmuseum Glentleiten an (sehr weitläufig, Motorradfahrer sollten Turnschuhe und leichte Kleidung mitnehmen), Kunstinteressierte lockt das Franz-Marc-Museum in Kochel am See, und in Murnau kann man auf den Spuren der Maler Wassily Kandinski und Gabriele Münter wandeln. Alle Infos kompakt im Überblick auf www.gapa.de.

Bmw-treffen:
Zu den alljährlichen GS-Festspielen, die vom 3. bis 5. Juli 2011 zum zehnten Mal in Garmisch-Partenkirchen stattfinden, werden rund 30000 Motorradfahrer erwartet. Auch K- und F-Fahrer und sogar Lenker von Fremd-fabrikaten und andere Saupreissn haben kostenlosen Eintritt. Für Teilnehmer, die nicht neben dem Festgelände zelten wollen, gibt es eine eigene Zimmervermittlung: Tel. 08821/180726 und 180425. Tipp: rechtzeitig reservieren.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote