MOTORRAD-Roadbook Unterwegs auf den Traumstraßen dieser Welt

Unterwegs auf den Traumstraßen dieser Welt. Folge eins führt Sie ins Hinterland der französischen Côte d'Azur, in die Stiefelspitze Italiens und auf Spaniens schönsten Kurven vom Meer nach Ronda.

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Foto: fact

Auf der Route des Garrigues

Die Party beginnt auf der D8n von Gemenos nach Cuges les Pin. Dichter Verkehr verhindert, dass man sich auf den ersten 180-Grad-Kehren bergauf schon austoben kann. Abseits der Stoßzeiten aber lassen sich die perfekt gezirkelten Radien richtig auskosten. Jetzt kommt der Col de l'Ange. Auf der Kuppe das kleine Rasthaus, vor dem mittags immer viele Trucks stehen. Muss gut sein, aber gegessen wird woanders. Genau hier geht es rechts rein. Vorsicht, nicht zu schnell durch die ersten Kurven. Auch wenn sie vielversprechend aussehen, der Asphalt ist oft lehmverschmiert. Vorbei am Reiterhof. Jetzt nicht den Abzweiger verpassen. Die Straße macht auf einer Brücke einen scharfen Rechtsknick. Im Scheitelpunkt geht es auf der D3d geradeaus weiter. Hinein in den Wald von Roquefort. Eine Kurve jagt die nächste. Blinde Stellen gibt es nur wenige, doch die schroffen Felsen mahnen zur Vorsicht. Du wirst schneller, spürst das Adrenalin. Denn jetzt kommt es. Die Straße trifft bei Grand Caunet auf die Route des Garrigues, die von Ceyreste hoch kommt. Links ab und Feuer frei. Der griffige Asphalt schmiegt sich mit jeder Windung in die sanft geschwungene Hochebene. Der würzige Duft der Pinienwälder steigt in die Nase, ein Fest für alle Sinne. Die Kurven sind außen überhöht, der Streckenverlauf ist weit voraus einsehbar. Die 675er-Daytona saugt sich auf dieser Berg-und-Talbahn förmlich fest. Zum Schluss geht es fast nur noch geradeaus. Jetzt Mut beweisen, das Gas stehen lassen und auf dem kleinen Buckel vor Hauts-du-Camp abheben! Das Stoppschild bremst wieder ein. Noch 500 Meter geradeaus, an der Kreuzung die Frage: rechts ab zum "Circuit Paul Ricard", der legendären Rennstrecke bei Le Castellet, oder links rum und gleich anhalten, auf einen schnellen Espresso und ein leckeres Baguette in der Bäckerei. Denn jetzt könnte man eine kleine Mahlzeit vertragen.

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Foto: Werel

Die Fakten

Straßenname:
D2 "Route des Garrigues"

Lage:
Provence, Frankreich zwischen La Ciotat und Meounes-les-Montrieux

Streckenlänge:
7,5 Kilometer, mit An- und Abfahrt über D8n 38 Kilometer

Asphalt:
Rau und griffig

Tipp:
Besuch der legendären Rennstrecke "Circuit Paul Ricard" mit Highspeed-Café (viele Rennmotorrad-Exponate!) und umfangreichem Formel-1 Souvenir-Shop

Karte:
Michelin, Blatt 527 (Provence/Côte d‘Azur)

Foto: fact

Run auf Ronda

Es ist selten, dass sowohl die Knieschleifer-Fraktion als auch Reisefreaks dieselbe Strecke als traumhaft empfinden. Die A397 macht sie alle glücklich. Die Straße an sich ist breit und sehr gut einsehbar. Sie windet sich permanent um Berge und tiefe Auswaschungen über die Serrania de Ronda, eine Berglandschaft, in der man problemlos Fortsetzungen alter Italo-Western drehen könnte. Von der Costa del Sol kommend, werden Überholmanöver auf den ersten Kilometern durch durchgezogene Linien vereitelt. Doch dann geht es über traumhaft schöne, teilweise sehr weite Kurven 45 Kilometer lang fast gänzlich in Schräglage weiter. Wer den sportlichen Aspekt in den Vordergrund stellt, wird ebenso wenig enttäuscht, wie der bummelnde Landschaftsgourmet. Die Route führt teilweise bis auf knapp 1000 Meter Höhe bis zum 723 Meter hoch liegenden Ziel Ronda und ist derart verführerisch, dass man gar nicht auf den Gedanken kommt, den Rückweg auf einem anderen Weg anzutreten.

Foto: Werel

Die Fakten

Strassenname:
A397 "Carretera de Ronda"Lage: Andalusien, Spanien, Provinz Malaga, zwischen Malaga und Ronda

Streckenlänge:
45 Kilometer. An- und Abfahrt über Autobahn A7

Asphalt:
Rau und griffig

Tipp:
Besuch der wunderbaren, maurisch geprägten Altstadt Ronda als Ziel des Tripps

Karte:
Michelin Regional Spanien, Blatt 578 (Andalusien)

Foto: Archiv

Geheimtipp Italien

Genial, welche Traumsträßchen im Süden Italiens warten. Heute präsentieren wir einen Geheimtipp für Enduristen oder Normalbiker ohne Schlagloch-Ängste. Es handelt sich um eine extrem kurvige Verbindung zwischen den Orten Castelmezzano und Pietrapertosa in den Lukanischen Dolomiten. Der Asphalt ist alt, oft löchrig und aufgebrochen, doch der Fahrspaß leidet darunter nicht, sondern wird durch den Kurventakt und die grandiose Felslandschaft noch erhöht. Acht Kilometer sinnlicher Genuss und Staunen. Zur Belohnung dann eine Runde durch das pittoreske 1000-Seelen-Örtchen Castelmezzano (1088 Meter). Oder Bergsteigen in den bizarren Felsen. Oder an einem Stahlseil in 400 Metern Höhe mit 120 km/h von Castelmezzano nach Pietrapertosa rasen, der totale Nervenkitzel (www.fantasticable.com). Anschließend auf die andere Seite der SS 407 oder E847 (führt von Potenza nach Metaponto) wechseln und sich auf den Achterbahnsträßchen nach Campomaggiore austoben.

Foto: Werel

Die Fakten

Strassenname:
Noch nicht getauft, zu klein

Lage:
Lukanische Dolomiten, Basilikata, Süditalien, Nähe Potenza und Metaponto

Streckenlänge:
zirka 30 Kilometer, Anfahrt von Potenza etwa 20 Kilometer

Asphalt:
Rau und löchrig

Tipp:
Am Stahlseil von Pietrapertosa über grandiose Landschaft nach Castelmezzano "fliegen", auf vier Routen in den Felsen klettern (www.castelmezzano.net)

Karte:
Marco Polo Generalkarte Italien, Maßstab 1:200000, Blatt 8

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