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MOTORRAD-Reisetipps: Die 10 besten Pässe der Pyrenäen Den Gebirgszug zwischen Frankreich und Spanien erfahren

Was bietet das Kurvenparadies zwischen Frankreich und Spanien? MOTORRAD präsentiert die besten Pässe des 400 Kilometer langen Gebirgszug auf einen Blick.

Los, lass uns starten - und zwar aufwärts! So könnte man die Überschrift dieser Pyrenäen-Pass-Hitparade übersetzen. Folgen Sie uns also hoch in die wilden Berge, die sich als 400 Kilometer langer Gebirgszug vom Atlantik zum Mittelmeer erstrecken und Frankreich von Spanien trennen. Als Insel mittendrin liegt der Zwergstaat Andorra. Rund 200 Pyrenäengipfel reichen über 3000 Meter. Das Gebirge ist sowohl auf der französischen wie auch der spanischen Seite mit seiner natürlichen Ursprünglichkeit und wenig Verkehr eine echte Alternative zu den Alpen.

Wir starten unsere Runde in Prades, einem Ort am südwestlichen Rand der Pyrenäen, 111 Kilometer von Narbonne, wo der Autozug ankommt. Neben den hier vorgestellten Top Ten warten übrigens weit mehr Pässe auf erlebnishungrige Biker, als in einem Urlaub bezwungen werden können.

Foto: Werel

Platz 1: Col du Pourtalet

Auch wenn er nicht der Höchste ist: Mehr Abwechslung bietet in den Pyrenäen keiner. Eine kurze Etappe mit engen Serpentinen, dann schnell ausgebaute Kurven gefolgt von winkligen Felspassagen und erfrischenden Hochtälern. Der Col du Pourtalet überrascht hinter jeder Ecke aufs Neue, und die Passhöhen-Aussicht ist unbeschreiblich. Zu den Topspots - nicht nur des Col du Pourtalet, sondern der gesamten Pyrenäen - zählen die Dents du Midi, eine markante Felsgruppe, die nördlich der Passhöhe aus den umliegenden Bergen aufragt. Wer den Blick darauf ganz ungestört genießen möchte, surft den Asphalt ein wenig auf der spanischen Seite talwärts. An der Staumauer des Embalse de Lanuza bietet sich ein grandioses Panorama. Die astreine A-136 macht danach die Abfahrt Richtung Biescas zum knackigen Finale. Herz, was willst du mehr?

Unser Tipp: Pause auf der französischen Seite der Passhöhe. Hier ist weniger Rummel, und auch die Aussicht ist besser als jenseits der Grenze.

Länge: 56 Kilometer.
Höhe: 1794 Meter.
Öffnungszeiten: Info-Telefon 05/5905/3141.
Maximale Steigung: 8 Prozent.
Besonderheiten: Die Wuchtbrumme unter den Pyrenäenpässen.

Foto: Werel

Platz 2: Col du Tourmalet

Bei der Tour de France trennt er die Spreu vom Weizen: der Col du Tourmalet. Und auch bei der Pyrenäendurchquerung mit dem Motorrad hat er das gewisse Etwas, das man von einem ordentlichen Pass erwartet: Höhe, faszinierende Landschaft und die Prise Abenteuer, die einen froh macht, wieder einen charakterstarken Pass gepackt zu haben. Dabei geizt der Tourmalet bei der Anfahrt von Osten lange mit seinen Reizen. Erst nach einer Galerie, die vor heftigem Steinschlag schützt, kommt die Herausforderung. Der Belag wird ruppiger, die Straße muss sich den Zwängen eines furiosen Hochgebirges beugen. Knapp hinter dem Tour de France-Denkmal ein kleiner Parkplatz. Seitenständer ausklappen, bis zur Abbruchkante vorgehen und tief durchatmen! "Neuseeland? Wildes Land passt wohl am besten auf das, was man jetzt sieht. Und mitten durch dieses Prachtstück von Landschaft mäandert eine Art einspurige Carrerabahn, bei der sämtliche Geraden vergessen wurden.

Länge: 35 Kilometer.
Höhe: 2115 Meter.
Öffnungszeiten: Mai bis November.
Maximale Steigung: 10 Prozent.
Besonderheiten: Der Tour-de-France-Klassiker.

Foto: Werel

Paltz 3: Col de Somport

Viele Pässe in den Pyrenäen verbinden Frankreich mit Spanien. Der Somport ist einer der Klassiker. Was nicht heißt, dass er langweilig ist. Im Gegenteil: Besonders der iberische Teil präsentiert sich im Bestzustand und macht mit Superbikes genauso viel Spaß wie mit Tourern oder Enduros. Die Steigungsstrecke erleichtert mit dreistreifigen Passagen Überholvorgänge. Generell herrscht aber wenig Verkehr, denn seit 2003 unterquert der acht Kilometer lange Tunnel de Somport die Passstrecke. Bis kurz vor der Passhöhe bleibt der Somport schnell. Da muss man aufpassen, dass man am Café vor der Grenze nicht vorbeirauscht. Hinter der alten Grenzanlage verschwindet die Strecke in den Wäldern Richtung Oloran-Ste Marie.

Unser Tipp: Der stillgelegte Bahnhof von Canfranc-Estacion lohnt die Fotopause.

Länge: 62 Kilometer.
Höhe: 1632 Meter.
Öffnungszeiten: Ganzjährig.
Maximale Steigung: 9,5 Prozent.
Besonderheiten: Einer der ältesten Pyrenäenpässe.

Foto: Werel

Platz 4: Col de Peyresourde

Er ist nicht furchtbar hoch und auch nicht haarsträubend trassiert. Dennoch ist der Peyresourde weder aus der Tour de France-Geschichte wegzudenken, noch ist er ohne Anspruch. Er hat einfach einen anderen Charakter und richtet sich an Genießer, auch wenn er mitunter zum Heizen verleitet. Sobald der Verkehr vom östlichen Ausgangsort Bagneres de Luchon im Rückspiegel verebbt, windet sich die D 618 vielversprechend durch ein Hochtal. Je höher die Strecke steigt, desto kurzweiliger wird der Pass. Schon von weitem fallen die Kehren unterhalb der Passhöhe ins Auge. Spaßbringend überwinden sie die letzten Höhenmeter bis zum urigen Holzhaus auf dem Scheitel. Bei der Weiterfahrt nach Arrau kann man tief durchatmen. Ein herrlich ausschweifendes Tal mit grünen Hängen und weitem Blick lässt die verbleibenden Kilometer zu einer wunderbar unaufgeregten Angelegenheit werden.

Länge: 33 Kilometer.
Höhe: 1569 Meter.
Öffnungszeiten: Ganzjährig.
Maximale Steigung: 9 Prozent.
Besonderheiten: Fast neue Fahrbahndecke auf der Ostseite.

Foto: Werel

Platz 5: Col de la Pierre St. Martin

Dieser Pass hat drei Enden: in Isaba auf der spanischen Seite und mit Larrau und Arette zwei in Frankreich. Die spannendere Auffahrt ist jene von Larrau. Man lässt es entlang des Gave de Larrau locker angehen, um den Abzweig auf die D 113 und nach St. Engrace nicht zu verpassen. Die Landschaft ist bergig, fruchtbar und einsam. Die Streckenführung verhindert zunächst noch fahrerische Kapriolen. Am Col des Suscousse ändert sich das. Jetzt wirds waldig, verwinkelt und manchmal fast hakig. An der Einmündung in die D 132 ändert sich das Bild erneut. Die Straße wird breiter, der Belag glatter, und man fährt gleich eine Spur befreiter. Aber Achtung: Nicht einlullen lassen, denn auf einer unübersichtlichen Kuppe dreht die Route plötzlich nach rechts weg. Eine längere Gerade wird durch eine scharfe Linkskurve mit knackiger Steigung abrupt beendet. Hinter dem Übergang nach Spanien entspannt sich die Lage.

Unser Tipp: Von Isaba weiter zum Port de Larrau (7. Platz) fahren.

Länge: 52 Kilometer.
Höhe: 1760 Meter.
Öffnungszeiten: Ganzjährig.
Maximale Steigung: 11 Prozent.
Besonderheiten: Erfordert erhöhte Wachsamkeit.

Foto: Werel

Platz 6: Port del Cantó

Wenn er doch nur noch eine Aussicht hätte! Hat er aber nicht. Und an den Scheitelpunkt der Strecke wird man sich wahrscheinlich auch nicht erinnern können. Warum steht dann dieser Nichtsnutz von Pass auf Platz sechs der Pyrenäencharts? Weil er unvergleichliche Kurvenerlebnisse bietet. Dabei ist es einerlei, ob man den Cantó vom westlichen Sort oder vom östlichen Adrall aus anfährt. Der Einstieg ist immer eine Sache von Serpentinen. Dabei drehen manche Kurve um mehr als 180 Grad zurück. Doch sie sind nur der Auftakt für mehr als 40 Kilometer bestes Fahrvergnügen auf 1a-Straßenbelag. Viele schnelle Kurven, Grip bis zum Abwinken und kaum Ortsdurchfahrten, einfach genial! Selbst zurückhaltende Naturen laufen Gefahr, bereits nach halber Strecke die Fußrasten über den Asphalt schrappen zu lassen.

Unser Tipp: Auf der Noguera Pallaresa in Sort eine Rafting-Tour machen.

Länge: 45 Kilometer.
Höhe: 1725 Meter.
Öffnungszeiten: April bis November.
Maximale Steigung: 7 Prozent.
Besonderheiten: Die Suchtstrecke für Kurvenjunkies.

Foto: Werel

Platz 7: Port De Larrau

Der Port de Larrau ist ein Pass mit zwei Gesichtern: Auf der spanischen Seite quirlt er unbeschwert in die Höhe, ab Isaba geht es dann im dauernden Zickzack durch schattige Wälder. Wenn nach dem Wechsel auf die NA-2011 die Bäume zurückbleiben, macht die Fernsicht über die Pyrenäengipfel Laune. Nach einer einsamen Kehre unterhalb der Passhöhe strebt der Asphalt direkt auf den Bergkamm zu. Um darin zu verschwinden, denn der Scheitel des Port de Larrau liegt in einem Tunnel. An dessen Ende knickt die Fahrbahn zackig nach links weg. Jetzt kann man schon ahnen, dass die Unbeschwertheit ein Ende hat. Sobald man die Grenze zu Frankreich erreicht hat, wird die Strecke holprig bis ruppig. Dafür legt die Landschaft noch eins drauf, und mit dem Col de Erroymendi wird noch ein zweiter Pass ins Rennen geschickt. Mit fetten 16 Prozent Gefälle will der noch mal alles von den Bremse wissen.

Unser Tipp: Pause in Laugibar.

Länge: 38 Kilometer.
Höhe: 1573 Meter.
Öffnungszeiten: April bis November.
Maximale Steigung: 16 Prozent.
Besonderheiten: Die Passhöhe liegt in einem Tunnel.

Foto: Werel

Platz 8: Port d'Envalira

Der Route über den Port d'Envalira ist nicht immer spaßig, weil der Pass das Tor zum Einkaufsparadies Andorra und daher oft zu voll ist. Lösung: Ganz früh morgens losfahren, dann ist Freude garantiert. Von Ax-les-Thermes zieht sich ein Tal stur nach Süden. Die Steigung ist mäßig, und die frische Morgenluft macht wach für die bald noch folgende Kurverei. Fünf Kilometer vor dem Abzweig zum Col de Puymorens ist es dann soweit. Auf gutem Asphalt werden die Reifenflanken in sechs Kehren angewärmt. Hinter dem Grenzübergang nach Andorra wird Pas de la Casa durchquert, und dann heißt es: freie Bahn! Ab jetzt sind öfters drei Fahrstreifen vorhanden, die Raum für eine gute Linie lassen. Auch jenseits der Passhöhe bleibt das Terrain übersichtlich.

Unser Tipp: Mutige können das nervige Andorra la Vella über den auf spanischer Seite geschotterten Coll de la Botella umfahren.

Länge: 56 Kilometer.
Höhe: 2408 Meter.
Öffnungszeiten: Mai bis Oktober.
Maximale Steigung: 9 Prozent.
Besonderheiten: Der höchste Pyrenäenpass.

Foto: Werel

Platz 9: Puerto de Cotefablo

Noch einer mit der Passhöhe im Tunnel. Ansonsten Kurven ohne Ende, fast wie der Port de Cantó, aber schmaler und weniger flott. Am Lenker hat man viel zu tun: kuppeln, schalten, Gas geben, bremsen ohne Unterbrechung. Die Asphaltgüte schwankt, doch der Grip ist gut, und unkommod wird der Pass nie. Achtung: Die jeweiligen Tunnelausfahrten drehen gleich ab und sind bei Sonnenschein kaum zu kalkulieren.

Unser Tipp: Der Abzweigung nach Torla folgen und den Ordesa-Nationalpark besuchen.

Länge: 42 Kilometer.
Höhe: 1423 Meter.
Öffnungszeiten: April bis November.
Maximale Steigung: 8,5 Prozent.
Besonderheiten: Durchgehend sehr kurvig, meist guter Belag.

Foto: Werel

Platz 10: Col de Pailheres

Olala. Was hier "nur" die Nummer zehn ist, sticht einen Haufen anderer Strecken aus. In Usson-les-Bains fällt der Startschuss für das feine Sträßchen. Es windet sich den Berg hinauf, rumpelt über kurze Zwischengeraden, bis eine massive Felswand die ohnehin nicht üppige Fahrbahnbreite weiter einschränkt. Kurz darauf klebt eine Serpentinenanlage am Hang, die viele Bikes in den ersten Gang zwingen wird.

Unser Tipp: Auf Westrampe kurz vor der Passhöhe Wegzehrung kaufen.

Länge: 31 Kilometer.
Höhe: 2001 Meter.
Öffnungszeiten: Mai bis Oktober.
Maximale Steigung: 12 Prozent.
Besonderheiten: Wenig Infrastruktur, rauer Charme.

Foto: Schäfer

Infos

Allgemeines
Wir haben versucht, unsere Passroute so zu legen, dass eine Runde möglich ist. Zur Anreise: Je nach Startort in Deutschland sind die Pyrenäen zwischen 1000 und 1800 Kilometer entfernt. In Frankreich sind Autobahnen mautpflichtig. Alternativ zur Anreise auf eigener Achse fährt der Autozug von mehreren deutschen Bahnhöfen nach Narbonne an der französischen Mittelmeerküste (www.dbautozug.de). Sowohl für die französische als auch die spanische Seite gilt, dass Straßen dritter Ordnung die Federungen verstärkt fordern und Gegenverkehr nur mit Augenmaß passiert werden kann. Anmerkung zu den Pässen: Der Col d‘Aubisque gehört neben Pourtalet und Tourmalet zu den Highlights der Region. Während unserer Reise war er so vernebelt, dass er nicht zu bewerten war.

Die Bewertung
Um Charakter und Gesamtwahrnehmung der einzelnen Pässe differenziert genug, aber nicht zu kompliziert darzustellen, wurden auf einer Skala von eins bis zehn Punkte für folgende Disziplinen vergeben: Genereller Fahrspaß, Erlebnisfaktor in langsamen und in schnellen Kurven (kann stark differieren), generelle Landschafts-Eindrücke und die Anmutung der Passhöhe, auf der man meistens kurz innehält, weil sie das geographische Ziel einer Passbefahrung darstellt. Die Bewertung entspringt feinstmöglicher Beobachtung, doch letztlich subjektiven Eindrücken und kann diskutiert werden.

Foto: Schäfer

Reisezeit
Später Frühling, Sommer und früher Herbst. Die angegebenen Öffnungszeiten für die einzelnen Pässe können je nach Witterungsbedingungen von Jahr zu Jahr variieren. Informationen dazu bieten die Automobilclubs oder die Tourismuszentralen (siehe Adressen). Während der französischen und der spanischen Ferienzeit sind mitunter einige Top-Spots überlaufen. Andorra und die Tour de France-Pässeklassiker gehören dazu. In den Sommermonaten können die Temperaturen, vor allem in den spanischen Niederungen, bis 40 Grad betragen. Auf den Tour de France-Strecken erhöhter Radverkehr.

Unterkunft
Zu einer Institution in den Pyrenäen wurde die Villa du Parc von Mireike und Oliver Zehner in Prades (www.villa-du-parc.com). Auf der Nordseite des Col du Pourtalet empfiehlt sich das Hotel Pourtalet mit herrlicher Aussicht auf den Pic du Midi dOssau (www.hotelpourtalet.fr).

Karten
Die Via Michelin-Karten 573 und 574 für Nordspanien im Maßstab 1:400000 decken für 7,80 Euro auch die französische Pyrenäenseite ab. Noch genauer: die Michelin-Karten 524, 525 und 526 für Frankreichs Anteil an den Pyrenäen (je Karte 8,80 Euro).

Adressen
Auskünfte zu Wintersperrzeiten, Unterkünften und Pyrenäen allgemein:
www.moto-aventura.com
www.tourismus-midi-pyrenees.de
www.pyreneesguide.com
www.iberianature.com
www.lespyrenees.net

Anmerkung
Reisedauer: 16 Tage
Gefahrene Strecke: 1400 Kilometer

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