Egli-Yamaha Fritz W. im Fahrbericht

Jubiläumsmodell zum 51.

MOTORRAD fuhr die "Fritz W.", das Modell zum 51. Firmenjubiläum. Ein außergewöhnliches Fahrzeug, wie der Fahrbericht zeigt.

Es war zuletzt still geworden um die 1965 vom Schweizer Rennfahrer Fritz W. Egli gegründete Tuningschmiede. 1973 baute er für seine eigene Vincent Black Shadow den ersten Zentralrohrrahmen, um damit an Bergrennen teilzunehmen. Ihre besten Zeiten hatte die Bike-Manufaktur in den 1970er- und 1980er-Jahren, als die japanischen Hersteller massenweise Modelle auf den Markt warfen, deren Motoren ihren Fahrwerken haushoch überlegen waren. Diesen Kraftbolzen ein gleichwertiges Fahrwerk entgegenzusetzen war das Geschäftsmodell des findigen Schweizers. Bis zu 200 Einheiten des zwar nicht von ihm erfundenen, so doch aber populär gemachten Prinzips des Zentralrohrrahmens mit mächtigem Hauptrohr wurden in den goldenen Jahren produziert. Nicht nur komplette Fahrzeuge, auch Rahmenbausätze wurden vertrieben. Im Prinzip konnte für jeden Motor ein Rahmen gebaut werden, doch den Löwenanteil bildeten eindeutig japanische Vierzylinder.

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Fritz W. Egli und Alexander Frei

Im Lauf der Jahre kamen die Serienfahrwerke mit der Motorleistung immer besser zurecht, die Nachfrage nach neuen Egli-Fahrwerken ging stark zurück. Und irgendwann Ende der 1980er-Jahre wurde das letzte Komplettbike auf Kiel gelegt. Den Fortbestand der Firma sicherte das zweite Standbein, die Restauration vorwiegend englischer Klassiker. Irgendwann kam der Import von MZ und später auch der der indischen Royal Enfields hinzu.

So wäre es wohl ewig weitergelaufen, wenn sich nicht anno 2014 die Wege von Fritz W. Egli und Alexander Frei gekreuzt hätten. Der eine suchte einen Nachfolger für sein Lebenswerk, der andere einen Ausgleich für sein Unternehmerdasein. Es sei an der Zeit, so Frei, wieder eine echte Egli zu bauen. Und es sollte eine werden mit Straßenzulassung und allem Pipapo. Was anno 2016 doch deutlich schwieriger zu realisieren ist als 30 Jahre zuvor.

Yamaha XJR 1300 als Basis

Die Basis in Form der Yamaha XJR 1300 war schnell gesetzt, trägt sie doch als eine der letzten einen fetten luftgekühlten Reihenvierer. Gut für die angepeilte Optik als klassisches Naked Bike. Da schon die notwendigen Prüfungen und Gutachten von Rahmen und Schwinge, die übrigens auch in den originalen XJR-Rahmen passt, enorm aufwendig waren, wurde der komplette XJR-Antrieb von Anfang Luftfilterkasten bis Ende Auspufftopf unverändert übernommen. Das voll einstellbare Fahrwerk stammt von Öhlins, die Bremsen von Beringer, die Räder von Kineo. Alles ist piekfein montiert, auch in versteckten Ecken herrscht penible Ordnung. So viel gut Ding will Weile haben, weswegen der ursprüngliche Starttermin zum 50-jährigen Firmenjubiläum nicht ganz gehalten werden konnte. So erklärt sich auch die Zahl auf der Startnummerntafel sowie der Preis von erlesenen 51.000 Schweizer Franken. Sechs (übrigens die Quersumme von 51) Exemplare, die alle schon in festen Händen sind, wurden gebaut.

Umso größer die Freude, eine der Raritäten fahren zu können. Tief liegen die Lenkerstummel, hoch das dünne Sitzpolster. Der Antrieb ist typisch XJR, ergo bullig, das Fahrwerk straff, aber feinfühlig, die Bremse ein Zweifinger-Gedicht. Mühelos folgt die Fritz W. den Vorgaben des Reiters, durcheilt Kurven präzise und stabil und zeigt, dass sie viel schneller könnte, als es die Schweizer Vorschriften erlauben. So bleiben wir cool und genießen das optische Erlebnis.

Foto: bilski-fotografie.de

Wer steckt hinter dem Projekt?

Alexander Frei, geboren 1954 in Solothurn, ist ein Schweizer Unternehmer und in der Wasseraufbereitungsbranche tätig. Der studierte Mikroingenieur war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung just zu der Zeit, als der Firmengründer Fritz W. Egli einen Nachfolger für sein Unternehmen suchte. Frei übernahm bis auf die Immobilien alle Aktiva und führt die Firma in altem Stil am bekannten Standort weiter. Sowohl der Import von Royal Enfield-Motorrädern als auch die Betreuung und Restauration nicht nur von Egli-Rennern wird fortgeführt. Durchaus erfolgreich übrigens, wie ein Blick in die gut gefüllte Werkstatt und in den überdachten Warteraum davor zeigt.

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