Fahrbericht Sport-Connection Triumph Speed Triple

Fast Orange

Fast Orange? Britische Handwaschpaste, bekannt bei jedem Schrauber, wisch und weg – wie die Sport-Connection Triumph »Projekt Zwo«, die tatsächlich schnell und orange ist. Was kann die kultige Synthese aus Speed Triple und Daytona?

Runde um Runde beschallt der hohe, geschmeidige Sound des hochdrehenden Dreizylinders die Strecke, bricht sich in hallenden Echos an Boxenmauer und Tribünen, heult langgezogen die Zielgerade entlang, bellt in kurzem Stakkato beim Anbremsen auf. Knusprig, bissig, fast schon musikalisch – und dabei nicht zu laut.
«Das ist es, das ist mein Motorrad!” Gerry Wagner, MOTORRAD-Test- und Messfahrer, strahlt über beide Ohren, jubelt die Botschaft schon beim Ausrollen gegen das dumpfe Grollen des niedertourig vor sich hin brabbelnden Motors heraus. Testtag in Hockenheim. Immer ein Fest für uns MOTORRADler, und heute ein ganz besonderes. Unter anderem steht nämlich diese Triumph T509 Speed Triple am Start, aufbereitet von Michael Stöcker, seines Zeichens Chef der Firma Sport Connection im odenwäldischen Fürth (Telefon 06253/86489, www.sport-connection.de). Und sein Werk – genannt »Projekt Zwo« - ist ein echter Blicksauger, nach dem Jung und Alt die Hälse verdrehen. Dabei sieht die Stöcker-Triumph viel mehr nach Daytona als nach Speed Triple aus. Aber schließlich sind die Insulanerinnen mit dem markanten Alurohr-Brückenrahmen ja tiefengrundsätzlich verwandt, teilen Fahrwerk und Basismotor. Die Projekt Zwo entleiht das Beste von beiden und erstrahlt als harmonisch-begehrliches Zwitterwesen, das seinen Fahrer noch etwas sportlicher als die Daytona in Sitzposition bringt. Die MR-Lenkerhälften sind etwas niedriger, die Lucas-Fußrasten etwas höher positioniert, so dass die Beine, auch wegen der leicht geschrumpften Sitzhöhe, stärker, aber nicht unangenehm anwinkeln.
Die auffällige Farbgebung dominiert zunächst über die Linienführung: Rahmen, Schwinge und Räder erstrahlen, widerstandsfähig kunststoffbeschichtet, in starkem Orange, die Hülle kontrastiert wohlig in dezentem Blau-Metallic. Haben sich die Augen einmal an den Rausch der Farben gewöhnt, gefällt die Linie der in Eigenregie designten und laminierten Verkleidung, die ihre Scheinwerfer von der Daytona entleiht. Eigenwillig elegant auch der Höcker. Doch halt – wo ist der voluminöse Schalldämpfer abgeblieben? Richtig, er weicht einem selbstgefertigten, der, integriert ins modifizierte Rahmenheck, nur heckwärts aus der Sitzbank herauslugt. So bleibt die Linie puristisch, und das Loblied auf den Klang wurde ja bereits gesungen.
Der entspringt übrigens hausgemachten Brennräumen. Der Motor, ursprünglich mal der 885 Kubikzentimeter kleine T509-Treibling, spannt üppig antrainierte Muskeln. Dank Bigbore-Kit – die Laufbuchsen des Drillings werden von 76 auf 81 Millimeter aufgebohrt – verdrängen die oszillierenden die Kolben einen vollen Liter Hubraum, und das drehzahlsicher an hochfesten, wohlausgewogenen Carillo-Pleueln. Ein- wie auslassseitige Kanalarbeiten und der hauseigene Schalldämpfer ergänzen die Leistungskur, deren Erfolg die Leistungskurve bestätigt – keine Triumph bei MOTORRAD entwickelte je so homogen soviel Leistung. Mittlerweile gibt’s zudem überarbeitete Drosselklappengehäuse größeren Durchmessers, die noch ein paar Zusatzpferde mobilisieren sollen.
In punkto Leistungsentfaltung begeistert die »Projekt Zwo« durch beste britische Manieren: samtige Gasannahme, perfekte Dosierbarkeit, dabei vernachlässigbare Vibrationen, wahrhaftig, die feine englische Art. In Verbindung mit dem hervorragenden Antriebsstrang und dem exakten Getriebe marschiert die Stöcker-Triumph markig vorwärts, was die Fahrleistungen belegen. Geradeauslaufschwächen kennt sie dabei keine, zudem erfreut der passable Windschutz.
Am wohlsten fühlt die »Zwo« sich aber auf kurvigem Terrain, wo sie noch etwas handlicher durch die Kurven eilt, noch etwas satter den Tücken welligen Straßenbelags trotzt als die bekannten Triumph. Klar, denn erstens wiegt sie sieben Kilogramm weniger als eine Daytona, zweitens hebt das längere Technoflex-Federbein das Heck, stellt so die Gabel etwas steiler an. Wie gewohnt funktioniert dieses Federbein hervorragend, und das in bester Harmonie zur im gleichen Hause modifizierten Gabel. Gelungene Modifikationen also, die die Talente der Urmutter aufgreifen und verfeinern. Das Projekt Zwo verschlingt mit allem Drum und Dran etwa 20000 Mark Umbaukosten. Dafür erhält der Liebhaber ein sportliches Genussbike mit Kultoptik und massenhaft Charakter. Sauber.
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Technische Daten

Motor: Wassergekühlter Dreizylinder-Viertakt-Reihenmotor, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Motormanagement.Bohrung x Hub 81 x 65 mmHubraum 1004 cm³Kraftübertragung: Primärantrieb über Zahnräder, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.Fahrwerk: Brückenrahmen aus Alu-Rohren, Motor mittragend, Telegabel von Technoflex modifiziert, Standrohrdurchmesser 45 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Einarmschwinge aus Alu-Guß, Technoflex-Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung (High- und Lowspeed), Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolbensättel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Doppelkolbensattel.Alu-Gussräder 3.50 x 17; 6.00 x 17Reifen 120/70 ZR 17; 190/50 ZR 17Fahrwerksdaten: Radstand 1440 mm, Lenkkopfwinkel 66 °, Nachlauf 86 mm, Federweg v/h 120/140 mm, Gewicht vollgetankt 217 Kilogramm, Gewichtsverteilung vorn/hinten 49/51 %.Umbaukosten inkl. MwSt. zirka 20000 MarkMesswerteHöchstgeschwindigkeit: 252 km/hBeschleunigung:0 - 100 km/h 3,1 sek0 - 140 km/h 5,0 sek0 - 200 km/h 9,8 sekDurchzug60 - 100 km/h 4,0 sek100 - 140 km/h 3,7 sek140 - 180 km/h 4,3 sek

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