Erschienen in: 15/ 2015 MOTORRAD

Vergleichstest Ducati Scrambler, Kawasaki Vulcan S, Moto Guzzi V7 II, Yamaha YZF-R3

Alpen Masters 2015 - Easy going-Klasse

Alles easy beim Alpen Masters? Jaaaa! Jedenfalls mit den vier Kandidatinnen Ducati Scrambler, Kawasaki Vulcan S, Moto Guzzi V7 II und Yamaha YZF-R3, denn sie bezwingen die Gipfel der Dolomiten locker, lässig und mit Understatement.

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Ducati Scrambler Full Throttle, Kawasaki Vulcan S, Yamaha YZF-R3 und Moto Guzzi V7 II.

Bildergalerie: Alpen Masters 2015 - Teil 1 - Easy going-Klasse: Ducati Scrambler, Kawasaki Vulcan S, Moto Guzzi V7 II Stone, Yamaha YZF-R3.   8 Bilder

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6 Seiten Vergleichstest
aus MOTORRAD 15/2015
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Keine Frage, die Gipfel der Dolomiten imponieren. Aber braucht man für dieses mächtige Panorama ebenso mächtige Motorräder? Nicht wirklich. Alpenglück bescheren auch die vier eher kleinen Motorräder unserer Easy going-Klasse. Maßvolle Hubräume und ebenso maßvolle PS-Zahlen und Drehmomente kennzeichnen ihren Auftritt und die stimmigen, wenn auch ganz unterschiedlichen Konzepte. Wobei die vier Motorräder eines eint: Sowohl die Classic Bikes Ducati Scrambler und Moto Guzzi V7 II als auch den Cruiser Kawasaki Vulcan S und erst recht den Mini-Racer Yamaha YZF-R3 sollte man in den Bergen solo fahren. Für ein kuscheliges Alpenglühen mit Sozia oder Sozius ist das Quartett teils zu schwachbrüstig, teils schlicht zu unbequem.

Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit schafft es Moto Guzzi, eine V7 ins Alpen-Masters zu schmuggeln, denn aufgrund häufiger kleiner Überarbeitungen ist der Klassiker immer wieder startberechtigt. Diesmal fielen die Neuerungen allerdings größer aus: ein Getriebe mit sechs statt bisher fünf Gängen, eine überarbeitete Kupplung, eine Traktionskontrolle und das lang ersehnte ABS sorgen gar für eine geänderte Modellbezeichnung, nämlich Moto Guzzi V7 II. Ins diesjährige Dolomitenrennen geht die Stone, die Basisvariante für 8500 Euro. Deren Sitzposition ist mit dem geraden, nicht zu breiten Lenker und dem entspannten Kniewinkel stimmig. Wie gewohnt macht die Guzzi auf der Berg- und Talbahn mit ihren 48 PS eine annehmbare Figur, lässt sich bequem dirigieren und umzirkelt Kurven und Kehren mit Nonchalance. Deutlich spürbaren Fortschritt in den Alpen bringt das ABS. Der Bremsweg bergab, gemessen an der exakt gleichen Stelle wie im letzten Jahr, verkürzt sich um satte 3,7 Meter.

Bremsanlage der Moto Guzzi V7 II durchschnittlich

In der Summe schneidet die Bremsanlage dennoch durchschnittlich ab, unter anderem weil eine lange Passabfahrt sie regelrecht zum Glühen brachte, genau wie schon 2014. Die einfache Traktionskontrolle muss bei der bescheidenen Leistung selten eingreifen, das macht sie dann aber hart. Die Schaltwege sind immer noch lang, die Kupplung fühlt sich nur minimal leichtgängiger an. Der Seitenständer setzt hart auf, bei Bodenwellen kann die Moto Guzzi V7 II durchaus die Contenance verlieren.


 Moto Guzzi V7 II im Fahrbericht

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Ein dicker Pluspunkt bleibt der V2-Motor, der freudig bebt wie eh und je und jedem Fahrer ein Lächeln ins Gesicht zaubert; etwas seltsam ist das neue Getriebe abgestuft mit kurzem ersten Gang, aber sehr eng gestuften ­oberen Gängen. Das mitgelieferte Zubehör wirkt ziemlich billig; eine der schwarzen Leder-/Nylontaschen (Paarpreis 630 Euro), die man nur mit lächerlichen drei Kilogramm bepacken darf, verlor schon nach wenigen Kilometern eine Schnalle. Zwar gefällt der gutmütige und starke Charakter der Moto Guzzi V7 II weiterhin, doch ihre kleinen Macken wirken gerade in den Alpen ausgeprägter als früher. So landet sie auf dem undankbaren vierten Platz.

Yamaha YZF-R3 pfiffig und frisch

Pfiffig und frisch präsentiert sich die Yamaha YZF-R3, für 5400 Euro das günstigste Alpenangebot der Easy going-Gruppe. Ihr frecher Supersportler-Look sorgt gelegentlich für Verwirrung – zur diebischen Freude ihres Fahrers. Mancher Dolomitenritter hielt sie nämlich für ihre große Schwester R1 und machte artig Platz, ehe er seinen fatalen Irrtum erkannte. Dabei hat die Kleine gerade mal 321 cm³ und nur 41 gemessene PS, die Yamaha allerdings sensationell gut einsetzt. Der wassergekühlte Reihentwin zieht anstandslos durchs Drehzahlband, das auf Handlichkeit ausgelegte Fahrwerk macht die R3 zur Kurven-Queen des Alpen-Masters. Denn sie ist eine Art Schaf im Wolfspelz: sieht zwar supersportlich aus, gibt sich aber dank der relativ hoch angebrachten Lenkerstummel und des bequemen Kniewinkels komfortabel.


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Ein Konzept, das sitzt: Am Limit des Drehzahlbands kreuzt man durch die Dolomiten, genießt Schräglagenfreiheit ohne Ende und muss mangels Leistung doch nicht befürchten, dass man aus der nächsten Kurve fliegt, weil man zu sehr am Gashahn gezogen hat. Supersportliches Feeling fast ohne Risiko also. Klar, einen gewissen Preis fordert die Yamaha YZF-R3 dafür dann doch. Einfach im dritten oder vierten Gang dahinrollen ist nicht angesagt, sondern vielmehr ständiges Schalten, um sie zwischen 9000 und 11.000 Touren bei Laune zu halten. Bei diesen hohen Drehzahlen wird sie dann laut, was auf Dauer nervt. Für einen der vorderen Plätze reicht ihre Performance ohnehin nicht, denn in luftigen Höhen geht dem Motörchen dann doch die Puste aus. Dennoch: Wer sich als kleiner Alpen-Rossi fühlen möchte, wird mit ihr jede Menge Spaß haben – speziell bergab.

Kawasaki Vulcan S überrascht in den Bergen

Als ebenfalls erfreuliche Überraschung in den Bergen entpuppt sich die Kawasaki Vulcan S. Der Cruiser zum Grundpreis von 7300 Euro sieht elend lang und daher so aus, als müsse man ihn mühsam um die Kurven hieven – und dann fährt sich das Teil verblüffend einfach. Trotz der weit vorn angebrachten, verstellbaren Fußrasten wirkt die tiefe Sitzposition aktiv und bequem. Der aus der ER-6 bekannte Zweizylinder mit gemessenen 63 PS hängt schon ab 2500/min gut am Gas und erzeugt nur wenig Vibrationen. Die leichtgängige Schaltung tut ein Übriges, um den harmonischen Fahrfluss im Kehrenkarussell zu unterstützen. Nicht sonderlich gut steht es allerdings um den Federungskomfort, bei harten Schlägen durch Schlaglöcher oder massive Bodenwellen geht das Fahrwerk hinten auf Block. Die Bremsanlage überzeugt mit guter Wirkung, wobei der Vulcan ihre Geometrie zu Hilfe kommt, denn der lange Radstand verhindert ein tiefes Eintauchen der Gabel. 


 Kawasaki Vulcan S vorgestellt

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Um die Bodenfreiheit steht es gattungstypisch nicht allzu gut, doch damit kann man leben: Die Fußrasten der Kawasaki Vulcan S setzen zwar früher auf als der Seitenständer der Moto Guzzi, doch weil sie das weich tun und nach oben wegklappen, darf man bis zu einem ­gewissen Grad fröhlich durch die Kurven schleifen. Insgesamt ist die Vulcan ein wirklich erstaunlicher Cruiser, gerade weil sie sogar in engen Kehren für den nötigen Schwung und einen hohen Spaßfaktor sorgt. Das reicht für einen respektablen zweiten Platz.

Zweiventil-Motor der Ducati Scrambler hängt hart am Gas

Fehlt noch Sexy Hexy aus Bologna. Sexy deshalb, weil die Ducati Scrambler die – selbstverständlich inoffizielle – Erotik-Wertung des Alpen-Masters für sich entscheidet. Mit dem bassigen, rauchigen Timbre ihres luftgekühlten Desmo-Zweizylinders betört sie nicht nur die stolzesten Frauen, sondern auch die schnellsten Männer auf ihrer hurtigen Route durch die Dolomiten. Gemessene 76 PS holt sie aus ihren 803 cm³ und meistert damit mühelos und geschmeidig selbst die steilsten Passagen auf dem Weg zum Gipfel. Das ist Easy going in seiner reinsten Form – souverän und eifrig bei der Sache, dabei aber unaufgeregt und gelassen. Beschleunigung und ABS verdienen sich gute Noten, allerdings dürfte beim Bremsen bergab durchaus weniger Fading auftreten. 


 Ducati Scrambler Icon im Fahrbericht

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Wie die Ducati Scrambler generell nicht frei ist von kleinen Unzulänglichkeiten. So hängt der Zweiventil-Motor zwar direkt, aber hart am Gas. Zudem ist die Gabel den dicken Bodenwellen und starken Verwerfungen im Asphalt, an denen in den Dolomiten kein Mangel herrscht, nicht immer gewachsen. Offenbar griffen die Ducati-Manager bei den Federelementen nicht ins oberste Regal, obwohl die getestete Scrambler-Version namens Full Throttle, die sich durch Termignoni-Endschalldämpfer auszeichnet, immerhin 9800 Euro kostet und damit deutlich teurer ist als ihre drei Konkurrentinnen. 

Vollkommen ist die Ducati Scrambler also keineswegs. Doch vielleicht gerade wegen ihrer Ecken und Kanten entwickelt sie auch in den Alpen eine Strahlkraft, der man sich kaum entziehen kann; ihr kräftiger, gleichmäßig ziehender V-Motor ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Freudig und unverkrampft wirbelt die Bologneserin über die Pässe, beschleunigt, lenkt und bremst zwar nicht makellos, aber stets völlig entspannt. Ein modernes Konzept, das in die Zeit passt – und in dieser Kategorie klar siegt. 


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09.07.2015 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

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