Auto gegen Motorrad Skoda Octavia WRC gegen KTM 525 EXC Racing im Rallye-Test

Wenn ein World Rallye Car und eine KTM 525 EXC, also Offroad-Fahrmaschinen von höchster Dynamik aufeinandertreffen, und dann noch zwei Profi-Piloten am Steuer sitzen, brennt die Luft und prasselt der Schotter. Welcher Dreckster war schneller?

Foto: Wolf
Pro Fahrer zwei Räder? Im Ernst: Rallye-Profis haben natürlich einen Beifahrer.
Pro Fahrer zwei Räder? Im Ernst: Rallye-Profis haben natürlich einen Beifahrer.

Prassel-Bande

Satte 300 PS, kaum glaubliche 600 Nm, und das alles aus nur zwei Liter Hubraum. Klar hilft bei der Leistungsentwicklung ein Turbolader, mag auch sein, dass das Teil Straßenzulassung besitzt. Aber da muss es doch brüllen, kreischen, toben, das kann doch gar nicht ohne ohrenbetäubenden Lärm bei höchsten Drehzahlen abgehen. Denkste, das funktioniert alles sehr wohl mit nur moderatem Röhren und tadelloser Laufkultur.

Das Lauteste an einem World Rallye Car vom Typ Skoda Octavia ist das Geprassel von Steinen und Erdbrocken, die er sich mit seinen vier angetriebenen Rädern selbst gegen Unterboden und Dach schleudert. Im vollen Drift steht das aufgewirbelte Geröll gar wie eine Wand, die den Innenraum verdunkelt. Drift, das ist überhaupt das Stichwort. Signalisiert er im gewöhnlichen Straßenverkehr entweder Rowdytum oder das Erreichen des Panikbereichs, fällt er selbst im Olymp des Formel-1-Sports eher gemäßigt aus, so ist er im WRC eine schlichte Selbstverständlichkeit. Und zwar in abenteuerlichen Winkeln.

Wer denkt, Autofahren hätte hauptsächlich etwas mit geradeaus-nach-vorne-schauen zu tun, kriegt hier sein Weltbild quergelenkt und angestellt, wie es spektakulärer kaum mehr geht. Stepptanz auf den Pedalen, aberwitzig zuckende Lenkausschläge – eigentlich wäre in dieser Geschichte Kursivschrift angesagt, der Schräge wegen. Aber sie hat ja eine gradlinige Begründung und Genese, deshalb können die Buchstaben auch gerade stehen bleiben.

Kollege Peter Göbel ist freier Mitarbeiter bei der Zeitschrift »auto, motor und sport« und außerdem der Beifahrer von Matthias Kahle, dem besten deutschen Rallyefahrer. Zumindest hat das Gespann Kahle/Göbel in diesem Jahr zum zweiten Mal die deutsche Rallyemeisterschaft gewonnen. Und weil Göbel nicht nur leidenschaftlich beifährt, sondern auch gerne für die Popularität seines Sports wirbt, fand er die Idee eines Rennens Auto gegen Motorrad brillant.

Der Gegner der Rallyepiloten dürfte MOTORRAD-Lesern gut bekannt sein: Didi Lacher, ein begnadetes Fahrtalent, sechsfacher Deutscher Motocross-Meister, GP-Sieger in der 500er-Klasse und bei fast jedem Offroad-Test von MOTORRAD dabei.

Mit einer wettbewerbstauglichen Enduro vom Typ KTM 525 EXC Racing sollte er gegen Matthias Kahle und dessen Skoda antreten, und zwar auf einem 1,8 Kilometer langen Rundkurs, gelegen in einem Braunkohle-Tagebau nahe bei Lauchhammer in Brandenburg. Lange Geraden, weit gezogene und enge Kurven, eine fiese Schikane, ein deftiger Sprung und eine lediglich autobreite Passage durch ein kleines Wäldchen – das sollte fair und selektiv genug sein.

Eher mägerlich als fair klingen neben den fabelhaften Leistungsdaten des Skoda diejenigen der KTM. Sie bringt es mit 510 Kubikzentimeter-Saugmotor auf 54 PS und 53 Nm. Eine hohe spezifische Leistungs- und Drehmomentausbeute zwar, doch bei diesem Vergleich geht es um die absolute Macht. Dafür ist die Österreicherin schlank und rank gebaut, wiegt weniger als ein Zehntel des WRC und wirft deshalb ein ungleich besseres Leistungsgewicht in den Offroad-Wettbewerb.

Nach der ersten fliegenden Runde – fliegend ist hier zugleich im wörtlichen Sinn zu verstehen – wird freilich klar, dass der Skoda auf dieser Strecke schwer zu knacken ist. 1.16,91 Minuten hat das Team Kahle/Göbel in den losen Untergrund gebrannt, das bedeutet inoffiziellen Rundenrekord. Didi muss noch die vorangegangene Proberunde als Beifahrer im Skoda verdauen, tastet sich zwei Umläufe lang ans Limit heran, dann zwiebelt er die KTM her, so hart sie es vertragen kann.

Auf den Geraden ist er mit knapp 140 km/h Höchstgeschwindigkeit gegen den Skoda, der teilweise mit über 180 Sachen durch die Pampa glüht, auf verlorenem Posten. In der Beschleunigung aus den Kurven, sonst eine Paradedisziplin der Motorräder, kann er auch nichts gutmachen. Zu effizient bringt der allradgetriebene Skoda seine Leistung auf den losen Untergrund.

Am Sprung herrscht Patt, in der Schikane könnte Didi zur Not Kreise um das Auto fahren. Aber dieser Vorteil reißt es auch nicht mehr raus. Bei einer persönlichen Bestleistung von 1.24,00 Minuten bleibt die Uhr stehen. Mit mehr Training, einer Nacht darüber schlafen und einem erneuten Versuch am nächsten Tag wären 1.22er-Zeiten drin, schätzt Didi. Wirklich vorwärts bringen, da ist er sich sicher, würde ihn allerdings nur ein Motorrad mit mehr Druck.

Was seine Zeit mit der KTM wert ist, zeigt ein Vergleich mit einem Mitsubishi Lancer Evo VI der Gruppe N, einer Klasse unter den WRC-Geschossen. Gefahren wurde er vom letztjährigen Junior-Cup-Gewinner Maik Steudten. Der ließ sich die Gelegenheit zu einer Trainingseinheit nicht nehmen und schleuderte sich mit seinem 265 PS und 400 Nm starken Auto zu einer Zeit von 1.24,05 Minuten.

Für die Abschlussüberraschung sorgte dann Meister Matthias Kahle selbst: Mit
einer von Didi Lacher geliehenen Cross-Brille, einem Brustschild und Cross-Stiefeln provisorisch ausgerüstet, stieg er auf die KTM, trieb sie quer und zugleich mit leicht erhobenem Vorderrad um die Kurven, driftete und sprang heldenhaft zu 1.30er-Zeiten. Teilweise erklärt sich diese Darbietung damit, dass Kahle selbst eine Motocross-Maschine besitzt und mit ihr fleißig Konditionstraining betreibt.

Darüber hinaus bescheinigt Didi seinem Konkurrenten ein überdurchschnittliches Können und bedauert, dass an ihm wohl ein ausgezeichneter Motocrosser verloren gegangen ist. Sein Urteil über Rallyepiloten, sie seien allesamt Wahnsinnige, möchte er lediglich auf deren Autofahrerei bezogen wissen. Und sinniert gleichzeitig allerdings darüber, dass man das Rennen ja auch mit einem echten Rallyemotorrad fahren könnte. Das würde auf losem Geläuf gut über 180 Sachen schaffen. So viel zum Thema wahnsinnig.

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